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Natura 2000

Fakten auf den Tisch bringen

Radler am Waginger See
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Sandra Schwägerl, Wochenblatt
am
22.05.2018

Zum Aufbau des Biotopverbundnetzes Natura 2000 im Bereich des Waginger Sees sucht die Regierung von Oberbayern den Austausch mit Grundbesitzern.

Waginger-See

Mit 183 ha Gesamtfläche sei das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) „Uferbereiche von Waginger See, Götzinger Achen und untere Sur“ vergleichsweise klein, gab Thomas Eberherr, Leiter des Sachgebiets Naturschutz bei der Regierung von Oberbayern, im Rahmen der Auftaktveranstaltung bekannt. Vergleichsweise klein war allerdings auch die Anzahl an Grundbesitzern, die bei der Versammlung in Petting (Landkreis Traunstein) zusammentrafen: Von den insgesamt rund 50 Anwesenden konnte der größte Teil Behörden und Interessenvereinigungen wie der Jagd oder Teichwirtschaft zugeordnet werden – entsprechend wenige der etwa 200 betroffenen Grundeigentümer machten den Rest aus.

Sobald in einem Gebiet die Zahl von 100 Eigentümern überschritten würde, müsse die Regierung keine persönlichen Einladungen mehr aussenden, stattdessen erfolgen Veranstaltungshinweise über diverse Verteiler und die Presse. Für Traunsteins BBV-Kreisobmann Matthäus Michlbauer ein Manko.

Doch die Artenvielfalt dieses Gebiets – Moor, Gewässer, Feucht- und Heuwiesen – sei nicht zu unterschätzen und äußerst schützenswert, nämlich mittels des EU-weiten Biotopverbundnetzes Natura 2000. In den kommenden Wochen und Monaten würden die Flächen kartiert werden, d. h. die bestehenden Arten werden erfasst. Dies sei ein „technischer Prozess nach festen Vorgaben“, bekräftigte Eberherrs Kollegin Katharina Strobl. Aus dem Publikum kam vermehrt der Wunsch, die Kartierung im eigenen Grundstück zu begleiten. „Eigenes Miterleben fördert das Verständnis“, so das Argument von Michlbauer.

Es gilt das Verschlechterungsverbot

Doch „dadurch würden die Kosten und der Verwaltungsaufwand explodieren“, waren sich Thomas Eberherr und die weiteren Referenten einig. Er stellte in Aussicht, dass „bei ausreichendem Interesse“ eine Gebietsbegehung mit Grundbesitzern angeboten werden könnte. Simon Putzbrunner vom Planungsbüro Schober stellte einige schützenswerte Arten im besagten FFH-Gebiet vor, darunter die Bachmuschel, Fischotter und Biber. Fischotterberater Martin Maschke und Hans Berger, Erster Vorsitzender des Jagdverbandes Berchtesgadener Land, stellten den Schutzstatus der beiden letzteren infrage. Walter Ostermeier von den Surfischern Freilassing machte weiter darauf aufmerksam, dass die Gelbe Teichrose in seinem Gebiet die Fische verdränge. Hans Münch vom Landwirtschaftsamt Ebersberg erläuterte das Kartierungsvorgehen im Wald. Seiner Einschätzung nach könnten das Einbringen lebensraumtypischer Baumarten wie Schwarz- oder Graupappel und der Erhalt von Totholz- und Biotopanteilen Teil des Managementplans werden. Katharina Strobl betonte, es sei „ganz wesentlich“, dass die Flächennutzung fortgeführt werden solle. Es gelte das Verschlechterungsverbot: „Sie müssen nichts, dürfen jedoch nicht alles“. Je nach Kartierungsergebnissen würden Erhaltungs- oder Verbesserungsmaßnahmen vorgeschlagen.

Für private Grundbesitzer sei es freiwillig, diese Vorschläge anzunehmen. Sollte man sich dazu entschließen, könne dies mittels Kulturlandschaftsprogramm oder Vertragsnaturschutz gefördert werden. Für Staatsflächen sei die Teilnahme hingegen verbindlich.
Kreisobmann Michlbauer erscheint Natura 2000 nicht unproblematisch: Etwa könne exemplarisch wegen Geruchsbelastung eines angrenzenden FFH-Gebiets keine Stallerweiterung erlaubt werden. „Das kann einen Stillstand für die Bauern bedeuten“.

Auf Basis der Kartierungsergebnisse werde in Abstimmung mit den zuständigen Behörden ein Managementplan erstellt, erklärte Katharina Strobl. Dieser Entwurf könne von den Grundbesitzern vier Wochen lang eingesehen werden, es folge ein Runder Tisch, bei dem sie ihre Anmerkungen einbringen können.

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