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Appell

Flutpolder - Planungen vor der Wahl stoppen!

Polderinfo-Woerth_jo
Markus Bauer
am
14.05.2018

Die 3. Flutpolder-Informationsveranstaltung des Landkreises Regensburg fand mit einem deutlichen Appell von Landrätin Tanja Schweiger an die Staatsregierung statt.

Ein deutlicher Appell in Richtung Ministerpräsident Markus Söder und die Bayerische Staatsregierung ging von der dritten Bürgerinformationsveranstaltung des Landkreises Regensburg zum Thema „Flutpolder“ aus, nämlich – wie Landrätin Tanja Schweiger es ausdrückte – die Polderplanungen noch vor der Landtagswahl zu stoppen. Die von Prof. Andreas Malcherek vorgelegten Ergebnisse aus dem Grundwassermodell kommen eindeutig zu diesem Schluss.
Das Thema betrifft seit gut elf Jahren mehrere entlang der Donau gelegene Orte – und natürlich auch Landwirte und ihre Flächen. Wörths Bürgermeister Anton Rothfischer kritisierte, dass bereits viel Arbeit, Zeit und auch Geld in dieses Projekt investiert worden sei, was eine genaue Kostenberechnung schwer mache.
Auf die bisherigen zwei Informationsveranstaltungen und das seit drei Jahren laufende Dialogverfahren mit der Wasserwirtschaft wies Landrätin Schweiger in ihrem Grußwort hin. Sie dankte für die „große Geschlossenheit“, insbesondere Markus Hörner und Stefan Kramer von der IG Flutpolder. Schweiger merkte auch an, dass sich die bisher gegen die Polder ermittelten Argumente nicht als falsch erwiesen hätten. „Das muss der Bayerischen Staatsregierung zeigen, dass sie auf dem Holzweg ist und wir auf dem richtigen Weg sind. Ich erwarte von Ministerpräsident Markus Söder, dass er sich von diesen fundierten Argumenten überzeugen lässt und das Thema Flutpolder bei uns stoppt“, so die Landrätin.
Über die Entwicklungen seit der letzten Bürgerinformationsveranstaltung informierte der Referent der Landrätin, Harald Hillebrand. Er sprach insgesamt von einem sachlichen und fairen „Dialog auf Augenhöhe“ und berichtete von den Diskussionen und Inhalten bei Treffen auf unterschiedlichen Ebenen. Dabei ging es unter anderem um folgende Aspekte: dezentraler Hochwasserschutz, Vergleichbarkeit und Ursachen von Hochwassern, psychologische Aspekte von Hochwasserschutzanlagen, Verlust von Retentionsräumen, Bodenversiegelung, Natur- und Umweltschutzaspekte. „Durch den Dialog sind wir in den wichtigsten Punkten bestätigt worden, aber es fehlen noch Antworten auf 59 Fragen, und bei 34 Fragestellungen besteht noch Dissens“, führte Hillebrand aus. Mit dem Wasserwirtschaftsamt sei es zwar ein „transparenter Prozess“ gewesen, „aber von den übergeordneten Untersuchungen wissen wir gar nichts“, vertiefte Hillebrand. Bei den Poldern handle es sich um ein „gigantisches technisches Bauwerk, das massiv in die Natur, Umwelt und Heimat eingreift“. Er plädierte für die Ausschöpfung dezentraler Maßnahmen, ein aktives Management der Staustufen und eine Ursachenbekämpfung im Alpenraum und anderen Regionen der Donau. „Polder schaden mehr als sie nutzen, sie machen keinen Sinn. Daher geht es darum, die Polderplanungen zu stoppen“, fasste Hillebrand zusammen.
Über das mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt sowie dem Wasserwirtschaftsamt entwickelte zweidimensionale Grundwassermodell informierte Prof. Dr.-Ing. Andreas Malcharek. Dies sei grundsätzlich zwar brauchbar, doch bestehe Nachbesserungsbedarf. Das Modell habe aber den Anstieg des Grundwasserspiegels infolge des Donauausbaus im östlichen Landkreis „wissenschaftlich bestätigt“. Malcherek kritisierte daher auch die im Zuge des Donauausbaus bei Deggendorf beabsichtigte Anhebung der Flusspegel um ca. 20 cm, was die Hochwassersituation verschärfe. Im Blick auf Hochwasser habe das Modell Defizite, bei Niedrigwasser seien die Abweichungen zu den Messungen geringer. Kritik übte der Hochschullehrer auch an einigen bisherigen Praktiken der Datengewinnung. „Die amtlich festgestellten Hochwässer sind zu hoch. Und daraus resultiert der überdimensionale Hochwasserschutz“, fasste der Dozent diese Aspekte zusammen. Grundsätzlich betonte Malcherek den Zusammenhang zwischen Donauausbau und Hochwasserschutz – und damit das Festhalten an den Flutpoldern. Daher sei es wichtig, auch die Planungen zum Donauausbau transparent zu machen und in der Bevölkerung zu diskutieren.
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