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Tradition

Forschung stets am Puls der Zeit

Mais Sortenversuche
Thomas Stegmeier
am
13.11.2017

Seit 90 Jahren gibt es Landessortenversuche zu Körnermais auf dem Lanzl-Hof in Rotthalmünster.

Ein großer Tag auf dem Lanzl-Hof in Rotthalmünster: Schon seit neun Jahrzehnten werden hier Landessortenversuche durchgeführt. Dieser Einsatz wurde jetzt im Rahmen einer Feierstunde gewürdigt und natürlich gehörte auch ein Gang durch die Maisversuche zum Programm.

Bei diesen Versuchen werden verschiedene Pflanzen angebaut und erforscht. „Ziel ist, Probleme wie Schädlingsbefall bei bestimmten Sorten festzustellen und die Forschung auf dem neuesten Stand zu halten“, erläutert Manfred Lanzl. Die Ergebnisse werden dann ausgewertet und veröffentlicht. „Sie dienen den Landwirten als Anhaltspunkt und beraten, welche Sorten günstigerweise in der nächsten Saison angebaut werden sollen“, erklärt Dr. Josef Freundorfer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Deg­gendorf.

Der Ablauf sei mittlerweile eingespielt: „Wir reservieren hier am Lanzl-Hof Parzellen zwischen zehn und zwölf Quadratmetern. Die Felder werden dann auch von uns gepflegt und geerntet.“ Ein moderner Drescher ermittelt das Ernteergebnis. „Die Lanzls ermöglichen uns einen reibungslosen Ablauf und kooperieren seit vielen Jahren hervorragend mit uns“, lobt Freundorfer.

Seit Generationen tätig

Mais Sortenversuche

Manfred Lanzl sen. gibt voller Stolz einen Überblick über die Familienchronik. Die Geschichte der Landessortenversuche in Reith bei Rotthalmünster geht nämlich schon weit zurück. Innovation hatte für die Lanzls schon immer Priorität: „Schon 1927 hat mein Vater Michael hier die ersten Versuche angelegt. Acht Jahre später übernahm er den Hof von meinem Großvater und begann mit der Saatgutvermehrung. Vermehrungsbetriebe waren damals eine Seltenheit“, sagt er. Michael Lanzl, der sich einen Namen als „Pionier der Landessortenversuche“ macht, stirbt 1964 und Manfred Lanzl sen. übernimmt den Hof.

Dieser Wechsel markiert einen revolutionären Neustart: „Drei Jahre später, also 1967, haben wir die ersten Körnermaisversuche durchgeführt“, blickt er zurück.

Heute hat sich der Körnermais-Anbau für Forschungszwecke am Lanzl-Hof längst etabliert.  „Die langjährige Zusammenarbeit mit der Familie Lanzl seit 90 Jahren hat natürlich eine Sonderstellung. Generell sind zuverlässige Partner erwünscht, doch es gibt auch immer mal wieder Wechsel“, so Freundorfer. Im Landkreis Passau gebe es nur drei Versuchsstellen, in Niederbayern sind es insgesamt um die 20 Stellen, die vom AELF Deggendorf betreut werden.

Erste Körnermaisversuche

„Als wir 1967 mit den ersten Körnermaisversuchen begonnen haben, haben wir den Siegeszug des Maisanbaus im Rottal und in Niederbayern ins Rollen gebracht“, sagt Manfred Lanzl sen. nicht ohne Stolz. Der Ertrag sei heute doppelt so hoch wie vor 40 Jahren: „Der Zuchtfortschritt ist enorm, wir haben dort heute einen Ertrag von circa 130 Dezitonnen pro Hektar“, resümiert Freundorfer.

Familie Lanzl ist immer offen für neue Versuche. „In den 90 Jahren haben wir neben Mais auch schon Sommergerste, Kartoffeln, Weizen,Winterraps und sogar Sonnenblumen oder Sojabohnen angebaut und untersucht,“ zählt Lanzl sen. auf. Der Mais hat sich jedoch durchgesetzt. Vor fünf Jahren übergab Manfred Lanzl sen. dann den Hof an seinen Sohn Manfred Lanzl jun. „Damit habe ich auch die Betreuung der Landessortenversuche in die vierte Generation übergeben“, so Lanzl.

Freundorfer stellt fest: „Seit 90 Jahren liefern die Versuche aus Reith wichtige Ergebnisse für die landwirtschaftliche Beratung. Auch über Niederbayern hinaus finden die Ergebnisse vom Lanzl-Hof in Reith Eingang in die Beratung und Praxis.“ Sie würden den Landwirten wichtige Erkenntnisse hinsichtlich eines ökonomischen Produktionsmitteleinsatzes vermitteln.

Für diese langjährige Zusammenarbeit wurden die Lanzls jetzt gebührend geehrt. Bei der anschließenden Maisfeldbegehung erklären dann Landwirt und Amt den genauen Ablauf und Aufwand der angestellten Versuche.

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