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Waldbau

Forstwirtschaft - Von wegen nur Männersache

Waldarbeit-Frauen
Claudia Rothhammer
am
30.10.2017

Der Bayerische Bauernverband und seine Landfrauen sowie weitere Veranstalter haben zum 1. niederbayerischen Waldbäuerinnen- und Waldbesitzerinnentag eingeladen.

Viele Wälder sind in Frauenhänden“, weiß Bezirksbäuerin Irene Waas. Aber oftmals sind Waldbesitzerinnen noch unsicher im Umgang mit dem Wald. Deshalb haben der Bayerische Bauernverband und seine Landfrauen, die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft der SVLFG, die Forstwirtschaftliche Vereinigung Niederbayern (FVN) und das BayerWaldAktivZentrum (BWAZ) Lunaris zum 1. niederbayerischen Waldbäuerinnen- und Waldbesitzerinnentag eingeladen.

Rund 30 Frauen, darunter auch einige Kreisbäuerinnen, kamen dafür aus ganz Niederbayern nach Ramersdorf bei Kollnburg im Landkreis Regen. Auch Dr. Stefan Schaffner, Bereichsleiter Forsten am AELF Regen, nahm sich für die Frauen den ganzen Tag Zeit.

Waldpflege mit Köpfchen und Verstand

Immer mehr Frauen müssen die Verantwortung für ein Waldstück übernehmen. Dabei war und ist vielerorts Waldarbeit weiterhin Männersache. „Dieser Tag heute soll für Sie deshalb eine Unterstützung sein. Wir Landfrauen wollen Sie bei Ihrer Aufgabe nicht alleine lassen“, so Waas.

Man wolle die Teilnehmerinnen nicht nur fachlich qualifizieren, „damit Sie auf Augenhöhe mit Ihren Männern mitreden können“, sondern auch aufzeigen, welche Erträge der Wald liefern könne und vor allem den Erfahrungsaustausch untereinander ermöglichen. Oder in drei Worten ausgedrückt: verbessern, vernetzen, verwenden. Das sei das Ziel des Tages.

Auch die neue Bayerische Waldkönigin Johanna Gierl aus der Nachbargemeinde Prackenbach ließ es sich nicht nehmen, die Frauen zu ermutigen. Sie sei selbst zukünftige Waldbesitzerin und bewirtschafte den Wald zusammen mit ihrem Vater.

Ihr sei es ein großes Anliegen, dass sich die Frauen im Wald mehr zutrauen. „Wir haben vielleicht nicht die Körperkraft wie Männer, aber wir haben Köpfchen und Verstand.“ Auch Kollnburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid schloss sich ihren Vorrednerinnen an. „Sie managen zu Hause den Hof. Sie haben ganz klar Managerqualitäten. Nutzen Sie die auch für die Waldbewirtschaftung.“

Ein Haus aus Tannenholz

Waldarbeit-Frauen

Der Tag stand unter dem Motto „Schützen durch Nützen“. Demzufolge durfte die Frage, wie der Wald genützt werden könnte, natürlich nicht fehlen.

FVN-Geschäftsführer Bernhard Bielmeier übernahm diesen Part und warb für Holz als Baustoff. Wie herrlich angenehm das Klima in einem Holzhaus ist, davon konnten sich die Waldbäuerinnen selbst ein Bild machen. Bielmeier öffnete dafür sein privates Wohnhaus, das er 2006 erbaut hat. Dafür habe er etwa 75 starke Tannen aus dem Wald genommen und sich beim Einschlag im Winter nach der Mondphase gerichtet. Bielmeier verriet auch, dass er aus der Not eine Tugend gemacht habe: „2005 waren starke Tannen unser Sorgenkind in der Holzvermarktung. Man konnte die Tanne so gut wie nicht vermarkten.“

Aber warum nicht mit Tannenholz bauen? Bielmeier ist vom Baustoff Tannenholz jedenfalls überzeugt: „Die Tanne im Außenbereich ist witterungsresistenter als Fichte. Die Fichte vergilbt innen, die Tanne wird mehr gräulich. Und die Tanne hat ein ruhigeres Holz in einer schönen Maserung.“

Die 28 cm dicken Außenwände und die 17 cm dicken Innenwände sorgen für ein angenehmes Raumklima im Haus. Das Besondere: Das Holz ist unbehandelt, wurde also nicht gestrichen oder lackiert. „Für die Lebensdauer eines Hauses ist es unerheblich, ob das Holz gestrichen ist oder nicht. Aber so kann das Haus atmen und das Holz ist kein Sondermüll. Der Baustoff ist also wiederverwertbar“, so Bielmeier.

Nach dieser ersten Station ging es weiter zum Rundgang in Bielmeiers Privatwald. Dort erfuhren die Teilnehmerinnen nicht nur Wissenswertes über das PEFC-Siegel, das auf Produkte aus Holz oder Papier aus nachhaltigen Wäldern hinweist, sondern auch, warum es schwer sein kann, Tannen überhaupt nachhaltig zu kultivieren.

„Mein Großvater und Vater haben es nicht geschafft, auch nur eine Tanne hochzubekommen“, verriet Bielmeier. Schuld daran seien die Rehe gewesen. „Nur durch intensive Jagd in den letzten 15 Jahren ist es uns gelungen, dass die Tannen jetzt gedeihen.“ Jagd könne also der Schlüssel zum Erfolg sein, so Bielmeier. Der Einsatz hat sich jedenfalls gelohnt: Mittlerweile ist in seinem Wald jeder vierte Baum eine Tanne.

Zum Erfolg beigetragen habe aber auch sicher die dosierte Lichtgebung. Wer seinen Wald zu dicht bepflanze, tue den Bäumen nichts Gutes. Die Folge seien typische „Schwarzwälder“, in denen es nicht nur „rappeldicht“ sei, sondern auch „zappenduster“. Da bräuchten Tannen beispielsweise eine kleine Ewigkeit, bis sie aus der Gefahrenzone Reh herausgewachsen sind.

Eine zu dünne Bepflanzung und damit zu viel Licht sei aber wiederum auch nicht gut, wie die Teilnehmerinnen selbst im Wald sahen: „Dann wächst die Fichte der Tanne einfach davon.“

An vielen anderen Stellen im Wald konnten sich die Waldbäuerinnen selbst ein Bild machen, wie ein gesunder und gut bewirtschafteter Wald sich selbst verjüngt, ohne Zutun des Menschen, ohne arbeitsaufwendige Pflanzung und ohne Unkrautbekämpfung.

Käferschäden auch als Chance begreifen

Dennoch wurde beim Waldrundgang auch die Wiederaufforstung durch den Menschen thematisiert, die gerade im Hinblick auf die vielen Borkenkäferschäden in diesem Jahr viele Waldbauern betrifft. Bielmeier appellierte an seine Zuhörerinnen, den Schaden, so schlimm er sei, auch als Chance wahrzunehmen, den eigenen Wald für den Klimawandel umzurüsten.

Noch eines wurde beim Rundgang deutlich: Aktive Waldbewirtschaftung schafft schöne und stabile Wälder. In einem stabilen Wald könne man auch punktuell Naturschutzelemente integrieren, zum Beispiel Totholz für Spechte stehen lassen. Denn Waldbewirtschaftung und Naturschutz schließen sich laut Bielmeier nicht aus, wie er an einigen Beispielen demonstrierte.

Wer allerdings seinen Wald aktiv bewirtschaften will, brauche gute Erschließungswege. Wer seinen Wald nicht mit Forst- und Rückewegen erschließe, habe ein „Haus ohne Türen“. Bielmeier erläuterte, wie er seinen Wald systematisch erschlossen hat, welche Fördermöglichkeiten es dazu gibt und wie hoch die Kosten etwa sind.

Erschließung durch Wege

Dr. Stefan Schaffner, Bereichsleiter Forsten am AELF Regen, hob ebenfalls die Vorzüge einer guten Waldstückerschließung hervor. Er legte den Frauen nahe: „Lassen Sie sich nicht einreden, dass man durch einen neuen Weg Holzertragsminderung hätte.“ Zwar verliere man Bäume, die für den Weg gefällt werden müssten. „Aber am Wegesrand bekommen die Bäume mehr Licht und wachsen dadurch stärker. Damit haben Sie den vermeintlichen Ertragsverlust wettgemacht.“

Am Ende der Exkursion stand der Waldertrag wieder im Fokus: Die Berufs-Bio-Imkerei Muhr aus Prackenbach überraschte die Teilnehmerinnen nicht nur mit leckeren Honigbroten und Met. Seniorchef Josef Muhr erläuterte, wie Bienen den Wald zur Honiggewinnung nutzen.

Im BWAZ lunaris endete der 1. Niederbayerische Waldbäuerinnentag mit einem Theorieblock: Ludwig Rothmayr und Konrad Fischer von der SVLFG referierten zum Thema „Sicherheit und Gesundheit im Wald“.

Wie lebenswichtig dieses Thema ist, wurde den Teilnehmerinnen klar, als Fischer alle 23 tödlichen Waldunfälle in diesem Jahr skizzierte. In vielen Fällen überschätzten sich die Waldarbeiter oder schätzten die Lage vor Ort falsch ein. Fischer erläuterte deshalb, worauf es beim Fällen eines Baumes ankomme und wo die größten Gefahren lauern.

Dr. Hannes Lemme von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft ging auf die aktuelle Borkenkäferlage ein und wie man ihrer Herr werden kann.

Den Schlusspunkt setzte Schaffner, der die Frauen den ganzen Tag über begleitet hatte. Er stellte die Verbands- und Verwaltungsstrukturen im Forstbereich vor und gab Tipps, wie und wo frau sich Hilfe und Unterstützung bei der Waldbewirtschaftung einholen kann.

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