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Erträge

Getreideernte - zu trocken und zu heiß

Erntepressegespräch-Ndb._jo
Helga Gebendorfer
am
05.08.2019

„Insgesamt wird es wohl eine insgesamt durchschnittliche Ernte für gesamt Niederbayern geben“, lautete die Bilanz von BBV-Präsident Gerhard Stadler beim Erntepressegespräch auf dem Betrieb von Robert Schöls, stellvertretenden Kreisobmann.

Frauenberghausen/Lks. Kelheim - Dieses Jahr war Treffpunkt in der Juragegend im Landkreis Kelheim. Der größte Teil der Getreideernte ist dort bereits eingebracht.

„Es gibt regional sehr unterschiedliche Ergebnisse“, fasste Stadler zusammen. So kam es nach dem Trockenjahr 2018 teils zu starken Schneefällen. Allerdings konnte der Boden über den Winter seine Wasservorräte nicht genügend auffüllen. Es folgten dann erneut unterdurchschnittliche Niederschläge im Frühjahr. Nach guten Aussaatbedingungen schloss sich einem zu kalten Mai ein heißer und zu trockener Juni an. „Allerdings hatten wir in der Vegetationszeit keinen Landregen, sondern die Niederschläge fielen punktuell ganz unterschiedlich. Dementsprechend verschieden zeigt sich auch die Lage von Fläche zu Fläche und Betrieb zu Betrieb“, so Stadler.
Das Getreide kam mit großem Potenzial gut über den Winter, doch die extreme Hitze führte vielerorts zu Einbußen. Bei der Wintergerste wirkte sich die Trockenheit noch nicht so stark aus, sodass die Ernte noch zufriedenstellend ist. Früh gesäte Weizenbestände erzielten höhere Eiweißgehalte als spät gesäte. Unterschiede gibt es auch von Sorte zu Sorte. Dem Raps schadete die Trockenheit im Frühjahr und in der Blütezeit. Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln haben noch Zeit zum Wachsen, hier ist entscheidend, wie es mit der Witterung weitergeht.
Beim Grünland war der 1. Schnitt noch gut und der 2. Schnitt brauchbar, der 3. Schnitt fällt zum Teil aus. „Es wird für die Betriebe noch schwieriger, Futter für den Winter zu gewinnen. Hinzu kommt, dass bereits im letzten Jahr vielfach die vorhandenen Vorräte aufgebraucht wurden“, kommentierte der BBV-Präsident. Große Sorge bereite ihm auch der Wald, der dringend Niederschläge zum Auffüllen der Wasservorräte bräuchte.
„Der Jura ist nicht vergleichbar mit anderen Regionen im Landkreis“, stellte Robert Schöls fest. Der Landwirt bewirtschaftet mit seiner Frau Daniela und seinen Eltern einen 100 ha Ackerbaubetrieb sowie 33 ha Wald und setzt auf 1150 Schweinemastplätze. „Heuer können wir um 20 Prozent weniger Erträge gegenüber einem Normaljahr einfahren – und das quer über alle Kulturen“, zog er Bilanz. Es waren zwar keine Spätfrostschäden zu beklagen, die sehr trockenen Bedingungen bei der Herbstaussaat verursachten aber Probleme mit dem Auflauf. „Die Braugerste brachte nur knapp unterdurchschnittliche Erträge – jedoch mit sehr guten Eiweißgehalten“, informierte der Betriebsleiter. Positiv wirke sich die fünfgliedrige Fruchtfolge aus, die Schöls seit fünf Jahren auf seinem Betrieb praktiziert. „Wir bauen aktuell zehn Prozent Erbsen an – zur Erweiterung der Fruchtfolge und Verwertung in der Schweinemast, wodurch 30 Prozent Sojaschrot eingespart werden können“, erklärte er.

„Die zwei Hitzewellen haben dem Hopfen ziemlich weh getan und Ertrag weggenommen“, berichtete der stellvertretende Kreisobmann und Hopfenpflanzer Martin Mittermeier. Derzeit stehen die Bestände gut, aber die Pflanzen brauchen im Moment zur Blüte reichlich Wasser. „Es kommt also darauf an, wie es mit der Witterung weiter geht. Aber es besteht vor allem bei den späten Sorten durchaus die Chance, noch etwas rauszuholen“, meinte er.

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