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Agrar-Familie 2017

Hier gibt’s kein Allerweltsfleisch!

agarfamilie Froschhammer
Christine Schmid
am
27.09.2017

Manchmal kommt es anders als man denkt: Charlotte und Ludwig Froschhammer sahen ihren Hof schon als Auslaufmodell, aber die beiden Söhne haben den Anstoss für eine ganz besondere Direktvermarktung gegeben.

agarfamilie Froschhammer

Wippende Schlappohren, Ringelschwänze, munteres Gegrunze. Neugierig trabt ein Dutzend schwarz-gefleckter Schweine zu den Besuchern. Die Bunten Bentheimer sind der Blickfang des Naturland Hofes Froschhammer in Thalmassing bei Regensburg. Schon mancher künftige Kunde stoppte im Vorbeifahren verwundert sein Auto am Straßenrand, als er registrierte, dass da nicht nur Schafe sondern auch Schweine über die große Wiese laufen.
Doch die vom Aussterben bedrohte Schweinerasse ist nicht die einzige Besonderheit auf dem kleinen Biohof. Während viele Landwirte ihre Betriebe aufgeben, gehen Froschhammers den entgegengesetzten Weg. Die Eltern, Charlotte und Ludwig, und ihre Söhne Peter und Florian, beleben die kleine Nebenerwerbslandwirtschaft mit Erzeugnissen, die in der Region ihresgleichen suchen. Im zwölf Quadratmeter kleinen Hofladen direktvermarkten sie vorrangig Fleisch und Wurst ihrer Bunten Bentheimer, Lammfleisch und -wurst ihrer Kamerunschafe, Liköre und Edelbrände aus eigener Brennerei, Kartoffeln, Zwiebel, Eier und diverse Gemüse. Das Angebot wird ergänzt durch ein meist regional erzeugtes Biosortiment an Nudeln aus alten Getreidesorten, Mehl, Essig, Öl, Backzutaten, Kürbisprodukten, Le-Bleue Hähnchen und Saisonprodukten wie Biospargel und -erdbeeren

Die Facharbeit war der entscheidende Impuls

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Charlotte und Ludwig Froschhammer stammen beide von kleinen Höfen, die ihre Väter noch im Vollerwerb bewirtschafteten. Den Lebensunterhalt der Familie erarbeitete Ludwig von Anfang an außerhalb der Landwirtschaft. 1990 wurde die Tierhaltung aufgegeben. Eigentlich planten die Betriebsleiter, ihre Flächen zu verpachten, sobald sie das Rentenalter erreicht hätten. Die Söhne gingen aufs Gymnasium. „Keiner hat gedacht, dass einer da mal weitermachen will“, blickt Charlotte Froschhammer zurück. Durch Peters Facharbeitsthema – ein Vergleich der Biokartoffel mit konventionell angebauten Erdäpfeln – entstand die Idee, den 20 Hektar großen Betrieb auf ökologischen Anbau umzustellen. Seit 2009 gehört der Betrieb zum Naturland-Verband.
Peter wollte den Hof weiterführen und begann ein Studium der ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen, das er derzeit abschließt. Da man keinen Stall bauen wollte, sich die Wiese hinter dem Haus für Tierhaltung anbot und die Familie etwas Besonderes wollte, entschied sie sich für eine Freilandhaltung von Schweinen.
Die Wahl fiel auf die „perfekte Freilandrasse“, wie Charlotte Froschhammer sagt. Die Bunten Bentheiner Ferkel stammen vom Archehof Dr. Gerd Maneckes in Bruchköbel. Im Jahr 2012 – nachdem Fragen zum Zaunbau endlich geklärt waren – zogen die ersten auf die Weide und seither jedes Jahr im April. Maximal 34 Schweine dürfen gemäß Naturland-Richtlinien auf der Fläche von zwei Hektar gehalten werden. Dort haben sie eine Überdachung und Bäume sowie eine Suhle. Jetzt, zwischen September und November werden alle geschlachtet und ab Hof verkauft.
Gute Zusammenarbeit hat Familie Froschhammer mit Metzgermeister Markus Reichl aus dem 15 Kilometer entfernten Friesheim. Er garantiert  gesonderte Schlachtung und Verarbeitung der Bioschweine und er wurstet nach den Rezepten, die die Froschhammers zuvor bei der Naturland-Kontrollstelle eingereicht haben. Die Schlachtkörper werden in der Metzgerei grob und von Charlotte Froschhammer fein zerlegt. Vom einzelnen Kotelett bis zum halben oder ganzen Schwein bekommen ihre Kunden, was sie wünschen. „Die Haushaltsgrößen haben sich verändert. Und aus einem Schnitzelfan macht man keinen Bratenesser. Da­rum sind gemischte Fleischpakete gar nicht mehr so gefragt“, ist die Erfahrung der Chefin.
Seit einem Jahr ist der Hofladen mittwochs und donnerstags von 16 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr sowie nach Absprache geöffnet. Nur Fleisch von eigenen Tieren verkauft Charlotte Froschhammer dort. Alle anderen Artikel müssen mindestens nach EU-Biorichtlinien erzeugt worden sein. Die Kunden, die aus den umliegenden Gemeinden kommen, schätzen das kleine aber besondere Sortiment. Und sie kommen zum Hoffest oder heuer zum Schlachtschüsselessen während der Ökoerlebnistage.

Die Söhne ziehen an einem Strang

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Nebenan in einem Teil des alten Kuhstalls entsteht ein neuer großer Hofladen, denn die Direktvermarktung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Betrieb geworden. Die vier Froschhammers helfen zusammen, jede Arbeitskraft wird gebraucht.
Solange die Söhne Peter und Florian noch im Studium in Witzenhausen und Weihenstephan stecken, kommunizieren sie häufig virtuell. Dank Peter und Florian ist der Betrieb technisch optimal aufgestellt. Mit einer eigenen Homepage, einem facebook-Auftritt, einem Flyer und einer Anzeige im Gemeindeblatt werben sie für ihren Hofladen.  Allen ist es wichtig, transparent zu produzieren und sich Verbraucherfragen zu stellen. Führungen auf die Schweineweide sind da nur ein Anfang. Dank Charlottes Ausbildung zur Erlebnisbäuerin und Kräuterpädagogin gibt es noch weitere Ideen.
Seit 1. Juli gibt es eine neue Rechtsform: Die Landwirtschaft betreiben Ludwig, Charlotte und Peter als Froschhammer Agrar GbR, den Laden bewirtschaften Charlotte und Peter als Bio Hofladen Froschhammer GbR. Ob der derzeit 25 Hektar große Betrieb vom künftigen Betriebsleiterehepaar, Peter und Kathrin Froschhammer, in den Haupterwerb geführt werden kann, wird sich weisen. 

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