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Ernte 2017

Gute Chancen für heimischen Zucker

Zucker-Rüben-Ernte
Hannelore Summer
am
23.10.2017

Die Rübenernte in Ostbayern läuft auf Hochtouren. Der Ertrag wird wohl leicht überdurchschnittlich sein.

Seit 1. Oktober müssen sich die Zuckerhersteller in der EU und damit auch die Zuckerrübenanbauer den Regeln des Weltmarkts stellen. „Nach wie vor schließen wir Verträge, die auf den alten Lieferrechten beruhen, mit den Landwirten. Doch der Markt bestimmt, welche Menge an Zucker wir zu welchem Preis verkaufen können“, erklärt Benjamin Kirchberger. Er ist Leiter der Rübenabteilung bei Südzucker und betreut die Werke Rain und Plattling. 2017 wissen die Landwirte zum ersten Mal nicht, wie viel Geld sie für ihre Rüben bekommen werden. Die Endabrechnung erfolgt erst im Sommer 2018. Dann weiß der Südzuckerkonzern (SZ), zu welchem Preis er den Zucker verkaufen konnte.

Die allermeisten Rübenanbauer haben sich auf die neuen Bedingungen eingelassen. Heuer bauen rund 2500 Landwirte Rüben an, die in der Zuckerfabrik Plattling verarbeitet werden. Um die Zuckerfabriken auszulasten und die Kosten zu senken, wurde die Anbaufläche gegenüber 2016 um rund ein Fünftel ausgeweitet.

Kirchberger rechnet mit einem leicht überdurchschnittlichen Ertrag an Zuckerrüben, mit einem leicht unterdurchschnittlichen Zuckergehalt. Auf den Feldern, die Anfang September gerodet wurden, wuchsen im Plattlinger Gebiet durchschnittlich 85 t Rüben pro Hektar, mit einem Zuckergehalt von 15,5 %. Weil Rüben weiterwachsen so lange es warm und feucht genug ist, rechnet Kirchberger damit, dass es bis Mitte November um die 90 t/ha sein werden und der Zuckergehalt über 17,5 % steigt.

„Zur Zeit legen die Rüben gigantisch zu“, bestätigt Johann Mattis aus Osterhofen, Agent des Südzuckerrohstoffservice. Teilweise ernten die Landwirte im Gäuboden schon über 100 t/ha, auch der Zuckergehalt steigt noch. Wie alle anderen Zuckerrübenanbauer hofft er, dass er auch einen guten Preis bekommen wird.

Rüben spät angebaut

Anfang des 19. Jahrhundert haben Bauern in Mitteleuropa die Zuckerrübe aus dem Mittelmeer-Raum entdeckt. Zucker war ein rares und teures Gut, das vor allem von den Zuckerrohrplantagen in Übersee stammte. Führend waren damals Preußen und Frankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Westeuropa neue Zentren des Zuckeranbaus.

1950 bauten Landwirte mithilfe aus dem Marschallplan eine Fabrik in Ochsenfurt, 1957 entstand die Zuckerfabrik Rain und 1961 die Fabrik in Plattling. Die Landwirte gaben Geld für den Bau der Fabrik in Ochsenfurt und erwarben damit Genossenschaftsanteile und Lieferrechte. Dies war die Keimzelle des heutigen Beteiligungsmodells. Die SZVG (Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft eG) in Ochsenfurt verwaltet die Genossenschaftsanteile. Sie hält für die Landwirte mit über 50 % die Mehrheit der SZ-Aktien und sichert ihnen damit ein großes Mitspracherecht.

2017 hat es im März noch einmal kräftig geregnet, sodass die Landwirte die Rüben zum Großteil erst relativ spät – Ende März – säen konnten. Den späten Kälteeinbruch haben die Rüben im Plattlinger Gebiet gut überstanden. In Rain fielen die Temperaturen zum Teil deutlich weiter. Dort sind auf einigen Flächen Rüben erfroren. Ab Mitte Mai wuchsen die Rüben sehr gut, es war feucht und warm. Die Trockenheit im Juni und Juli im Plattlinger Bereich ersparte den Bauern die eine oder andere Fahrt mit der Pflanzenschutzspritze. Noch bis ungefähr zum 20. Januar werden in Plattling Rüben verarbeitet. Die Kampagne wird dann etwa 130 Tage gedauert haben.

„Durch die gute Marktlage zu Jahresbeginn konnte Zucker auch schon vor Kampagnenbeginn gut verkauft werden“, erklärt Kirchberger. Er sieht für den Zucker der Südzucker gute Chancen auf dem Weltmarkt. In der EU machen hohe Zölle Zucker der großen Erzeugerländer wie Brasilien und Thailand sehr teuer. Zudem belegen viele Zertifikate die Qualität des GVO-freien Zuckers aus Plattling und Rain.

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