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Betriebsentwicklung

Gute Wege aus der Anbindehaltung

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
29.01.2018

Landkreis Tirschenreuth: Großes Interesse an objektiven Experten-Informationen bei AELF-Seminar.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth veranstaltete in der Gaststätte Petersklause in Großbüchl-
berg ein ganztägiges Seminar zum Thema „Raus aus der Anbindehaltung“. „Uns ging es darum,  kleineren milchviehhaltenden Betrieben im Landkreis eine Perspektive aufzuzeigen, wie ihre zukünftige Betriebsentwicklung aussehen könnte“, erklärt Manfred Zintl, Sachgebietsleiter Landwirtschaft am AELF Tirschenreuth. In  Zusammenarbeit mit dem Fachzentrum Rinderhaltung in Münchberg wurden die Möglichkeiten der Umstellung vom Anbindestall auf Laufstall vorgestellt. „Die Teilnehmeranzahl von über 100 interessierten Landwirtinnen und Landwirten zeigte das große Interesse an der Umstellung auf Laufstallhaltung“, unterstreicht Zintl, der für Organisation und Durchführung der Informationsveranstaltung verantwortlich war.
Landwirtschaftsinspektorenanwärterin Petra Brodmerkel erläuterte eingangs die Struktur der Milchviehhaltung im Landkreis Tirschenreuth. Im Durchschnitt werden im Landkreis 50 Kühe/100 ha LF gehalten. Es wurde auch deutlich, dass noch 58 Prozent der insgesamt 550 milchviehhaltenden Betriebe ihre Milchkühe im Anbindestall halten. „Der Anteil der angebundenen Kühe liegt aber nur noch bei etwa 30 Prozent“, so Brodmerkel. Dies zeige deutlich, dass überwiegend nur noch kleinere Bestandsgrößen von der Thematik betroffen sind.
Der Leiter des Fachzentrums für Rinderhaltung Münchberg, Matthias Dotzler, referierte dann über die Wirtschaftlichkeit einer Stallbaumaßnahme. Dabei betonte er, dass sich die Kosten pro errichteten Stallplatz in den letzten 30 Jahren vervierfacht haben. So müsse derzeit mit ca. 10 000 € netto für einen Stallplatz kalkuliert werden. Die Investitionskosten liegen bei kleineren Maßnahmen sogar noch über  dieser Schwelle. Umso wichtiger sei die staatliche Förderung. Dotzler stellte zunächst das  Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) vor. Durch eine erstmalige Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung ist hier ein Fördersatz von 30 Prozent bei einem maximalen möglichen zuwendungsfähigen Investitionsvolumen von 400 000 € möglich. Das „Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft“ (BaySL), das eine Fördermöglichkeit für die kleineren Milchviehbetriebe darstellt, sei für umstellungswillige Betriebe in der Region aber besonders wichtig: Für förderfähige Investitionen ist hier ein Zuschuss in Höhe von 25 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben in Höhe von 150 000 € möglich. „Dieses Angebot wendet sich an kleinere Milchviehbetriebe, die aufgrund der fehlenden Fördervoraussetzungen  wie beispielsweise Ausbildung oder Vorwegbuchführung nicht über das AFP gefördert werden können“, erklärte der Experte. Im Gegensatz zum AFP sind beim BaySL keine besonderen baulichen Anforderungen an eine besonders tiergerechte Haltung zu erfüllen.

Es muss nicht immer ein Neubau sein

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Wolfgang Willutzki, Architekt und Fachberater für Bauwesen vom Fachzentrum Rinderhaltung, zeigte  die möglichen Alternativen zum teuren Neubau eines Milchviehlaufstalles. Zuerst zeigte er dafür die Bauweise in der Vergangenheit auf, die meist Grundlage eines Umbaus darstellt. Er begann mit dem Stalltyp, der in den 60er-Jahren sehr verbreitet war: Die einreihige Aufstallung mit Festmist und einem außenliegenden Futtergang ist heute noch zu finden, auch wenn bereits in den 70er-Jahren auf eine zweireihige Aufstallung mit einem mittigen Futtertisch und einer Flüssigentmistung gesetzt wurde. „Die Qualität der vorhandenen Bausubstanz spielt eine wesentliche Rolle bei der Planung“, so der Architekt. Gerade für kleinere Umbaulösungen ohne Tierbestandsveränderung schlug er vor, beim bestehenden Entmistungsverfahren zu bleiben, um Kosten zu sparen. Sollte jedoch eine Tieraufstockung geplant sein, müssen die zusätzlichen Lagerkapazitäten kalkuliert werden. Sollte keine Bestandsaufstockung erwünscht sein, dann favorisiert der Experte den Anbau eines Melkstandes parallel zum bestehenden Gebäude, die bestehenden Liegeplätze können dann in Fressliegebuchten umgewandeltwerden. Zusätzlich würde im Außenbereich ein Wartebereich entstehen, der auch als Laufhof genutzt werden kann. Sobald jedoch eine Erhöhung des Tierbestandes infrage kommt, schlug er vor, den bestehenden Stall in eine Liegehalle umzufunktionieren und einen Außenfuttertisch separat neu zu errichten.
Auch den Neubau eines Milchviehlaufstalles brachte Willutzki ins Gespräch. Dabei wurde deutlich, dass die Investitionskosten pro Stallplatz die Grenze von 10 000 € erreichen bzw. überschritten werden. Als Lösung wurde eine Modulbauweise vorgeschlagen,  vorzuziehen sei dabei in jedem Fall immer die Bauausführung mit regionalen Fachfirmen.
Nach dem Mittagessen wurden die Milchviehlaufställe der Familie Lindner in Mallersricht und der Familie Hilburger in Altenstadt bei Vohenstrauß besichtigt. Der Betrieb  Lindner entschied sich für den Umbau des bestehenden Anbindestalles. Um eine Viehaufstockung auf 36 Milchkühe zu erreichen, wurde eine zusätzliche zweireihige Liegehalle errichtet. In den vorhandenen Mastschweinestall wurde ein Fischgrätenmelkstand eingebaut. Damit wurden eine Erhöhung des Tierkomforts und ein wesentlicher Beitrag zur Arbeitserleichterung erreicht.
Familie Hilburger  entschied sich dagegen für einen kompletten Neubau. Hier zeigte sich, dass bei der Realisierung keine Kompromisse eingegangen werden mussten. Mittlerweile wurde der Milchviehlaufstall  sogar schon wieder erweitert. Die Haltung der Tiere in dem sehr großzügigen Milchviehlaufstall mit Schieberentmistung, Tiefbuchten mit Stroheinstreu, Abkalbebucht und Krankenbucht mit Stroheinstreu tragen, wie beim Besuch vor Ort deutlich wurde, ganz deutlich zum Wohlbefinden und zur Gesundheit der Tiere bei.

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