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Wir haben die Nase voll!

Zucker-GK
Hannelore Summer
am
18.02.2019

Rübenbauern tragen gelbe Westen als Zeichen des Ärgers über EU-Agrarpolitik

Über 40 Jahre hat die Zuckerrübe den Bauernfamilien im Gäuboden die Existenz gesichert, jetzt sind die Preise so sehr gesunken, dass der Deckungsbeitrag mit dem von Getreide vergleichbar ist“, beschreibt Peter Eisgruber-Rauscher die unbefriedigende Situation. Der Bürgermeister von Marklkofen baut im Vilstal und in Altenbuch 27 ha Zuckerrüben an. Vor ihrer turnusgemäßen Versammlung machten die Zuckerrübenbauern in Straßkirchen ihrem Ärger mit einer Demonstration Luft.

Ungerechtigkeiten innerhalb der EU

Helmut Ring, stellvertretender Vorsitzender des Verbands bayerischer Zuckerrübenanbauer, sieht vor allem die EU in der Pflicht. Er findet es ungerecht, dass es in der EU Landwirte in elf Ländern gekoppelte Zahlungen für den Anbau von Zuckerrüben bekommen, obwohl die EU eine gemeinsame Agrarpolitik macht. Auch BBV-Bezirkspräsident Gerhard Stadler nervt die Wettbewerbsverzerrung in Europa: In Deutschland sind seit heuer Neonikotinoide als Beize von Saatgut verboten. „Bauern in anderen europäischen Ländern haben eine Ausnahmegenehmigung bekommen und wir müssen das gebeizte Saatgut, das vom letzten Jahr noch übrig ist, wegwerfen“, ärgert er sich. Das sei ein Schaden von 3 bis 4 Mio. € für alle Zuckerrübenanbauer, schätzt er. Im Mai sind die Wahlen zum EU-Parlament, deswegen hofft er, dass die Kandidaten und künftigen Abgeordneten sich des Zucker-Problems annehmen werden.
Seit die EU 2016 die Erzeugerquoten für Zucker abgeschafft hat, müssen sich die europäischen Zuckererzeuger auf dem Weltmarkt behaupten, analysierte Ring die Lage. Um die Zuckerfabriken optimal auszulasten, ermunterten die Verarbeiter die Bauern, mehr Rüben anzubauen. Das und Rekordernten in den Jahren vor 2018 ließen den Weltmarktpreis sinken, zuletzt auf 320 €/t Zucker. 440 € wäre der Preis, bei dem die Zuckerrübenanbauer etwas verdienen. „Wir müssen den Markt in den Griff bekommen, damit die Preise wieder steigen“, wünscht er sich.
Rudolf Apfelbeck, Geschäftsführer des Verbands bayerischer Zuckerrübenanbauer, kritisiert, dass die Erzeuger viele Vorschriften beachten müssen, aber im Verkauf dem Weltmarkt ausgeliefert werden.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Zuckerrübenanbauer ein Plakat gedruckt und sich gelbe Westen angezogen – die in Frankreich zum Symbol frustrierter Bürgerinnen und Bürger geworden sind. In Straßkirchen im Gebiet der Zuckerfabrik Plattling machten die Landwirte mit ihrer Gelbwesten-Demo deutlich, dass es so nicht weiter gehen kann. Neben gleichen Wettbewerbsbedingungen in der EU fordern sie Beihilfen zur Lagerhaltung, um Zucker vom Markt zu nehmen, geeignete Maßnahmen zur Strukturanpassung der EU-Zuckerwirtschaft und dass die EU in Freihandelsabkommen keine weiteren Zugeständnisse zum Import von Rohrzucker macht.
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