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Berchinger Rossmarkt

Ein Herzstück hiesiger Tradition

Horst Seehofer
Ferdinand Lenz
am
20.02.2017

Berching - Der Berchinger Rossmarkt, Bayerns größtes Wintervolksfest, ist und bleibt ein Magnet. Auch in diesem Jahr kamen trotz frostiger Temperaturen wieder weit über 20 000 Besucher, um zum einen den Auftrieb der weit über 100 prächtig herausgeputzten Rösser der 60 Pferdebesitzer aus ganz Bayern und zum anderen als ganz besonderes politisches Zugpferd Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zu erleben. Mit seinem Besuch hat er mit Franz Josef Strauß gleichgezogen, der bisher mit fünf Besuchen Rekordhalter war. Und Seehofer lässt keinen Zweifel daran, dass er diesen Rekord am liebsten in der Funktion als Ministerpräsident brechen will.

Wie das wohl beim Heimatminister Markus Söder ankommt, dessen Ambitionen ja kein Geheimnis sind und der im letzten Jahr Gast auf der traditionsreichen Bühne in Berching war? Zufall oder bewusste Regie: Auch Ministerpräsident Horst Seehofer kokettierte nach der Kundgebung vor den Kameras mit Freddy (9) und Titan (8), zwei prächtigen Percheron, mit denen Thomas Wölker aus Vilseck gekommen ist. Bei denen hat es heuer für einen Ehrenpreis nicht ganz gereicht. Der geht in der Kategorie Kaltblutpferde an das Gespann von Günther Lehnes aus Betzenstein. Den Preis für Warmblutpferde nahm Marco Zweig aus Hirschaid mit nach Hause, bei den Haflingern freute sich Nadine Schwenn aus dem Aischgrund und bei den Ponys Florian Günther aus Eichstätt. Sonderpreise für langjährig treuen Besuch der Traditionsveranstaltung gehen an Albert Graf aus Richthof (Percheron) und Markus Weißmann mit seinem Noriker-Paar.

Waren- und Krammarkt als Magnet

Bereits am frühen Morgen startete der große Waren- und Krammarkt mit rund 300 Fieranten an der Kanalpromenade und in der Altstadt. Der Auftrieb der prachtvoll geschmückten Pferde und Gespanne, fachgerecht vorgestellt und kommentiert, war dann ein viel beachteter erster Höhepunkt.
„Kälte und Trockenheit sind perfekt für das größte Wintervolksfest Bayerns“, findet Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich, der neben viel politischer Prominenz aus dem Landkreis auch die Spitzen des Bauernverbandes, darunter den Präsidenten der Oberpfalz, Franz Kust­ner, Kreis­obmann Martin Schmid und Kreisbäuerin Sieglinde Hollweck beim „Bauernjahrtag“ willkommen hieß. Für die rund 2000 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis sei der Berchinger Rossmarkt ein Symbol mit Tradition. Das lasse man sich auch nicht durch unqualifizierte Bauernregeln der Umweltministerin madig machen. „Rückendeckung wäre wichtiger“, findet der Bürgermeister und rannte bei Seehofer offene Türen ein. Auch der kritisiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für ihre Bauernregeln-Kampagne scharf. Die Sprüche auf Plakaten seien nicht nur eine „Verunglimpfung, sondern eine Beleidigung“.
Den Rossmarkt bezeichnete er als ein „Herzstück bayerischer Tradition“, das man pflegen müsse. Der Ministerpräsident streifte in seiner mehr als einstündigen Rede viele Themen wie Mütterrente, christliche Leitkultur, Sicherheit in Bayern, den starken Rechtsstaat sowie die Integration und die Wirtschaftskraft Bayerns.

Auch heuer Transparente

„Jetzt Bayerns Forderungen zur Milchkrise auf Bundes- und EU-Ebene umsetzen. Horst, wir brauchen Dich“ – so stand es auf Plakaten, die Bäuerinnen und Bauern mitgebracht hatten. Seehofer nahm es wohlwollend zur Kenntnis. „Bayern weiß um den Wert seiner Bauern und wird sie mit großem Nachdruck unterstützen.“ Widerstand kündigte er auch gegen die Besteuerung von Biokraftstoffen an. „Es kann nicht sein, dass man erst dazu animiert zu produzieren und dann plötzlich mit einer Besteuerung kommt.“ Die Vertreter einer der letzten Rapsölmühlen in Bayern, die im nahen Mühlhausen steht, werden es gerne gehört haben. Dagegen fehlten die Plakate und Proteste der Trassengegner aus den letzten Jahren. Den Grund sah Seehofer in der Tatsache, dass durch den energischen Einsatz die Monstertrassen weg sind. Nun gehe es darum sicherzustellen, dass die Bauern, über deren Grund die verkabelten Trassen führen, nicht nur eine Entschädigung, sondern auch eine laufende Vergütung erhalten.
Pferde und Pferdemärkte haben in Berching eine jahrhundertealte Tradition. Als wirtschaftliches Zentrum des Sulzgaues war die Stadt seit dem Mittelalter ein bedeutender Marktplatz für die Versorgung des bäuerlichen Hinterlandes. Nimmt man den Rossmarkt in seiner heutigen Form als große Pferdeschau, kann man auf das Jahr 1678 zurückblenden. Damals wie heute wurden die Pferde nicht in erster Linie verkauft, sondern „beschaut“ – wenn auch damals aus anderen Gründen. Propst, Bürgermeister und Rat waren damals übereingekommen, zur Verhütung etwaiger Pferdeseuchen alle Pferde einmal jährlich durch die aufgestellten Rossbeschauer „tierärztlich“ kontrollieren zu lassen.

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