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Geschäftsidee

Das Hofcafé im Spargelparadies

Hofcafe Gabelsberger
Helga Gebendorfer
am
06.11.2017

Agnes und Josef Gabelsberger in Offenstetten laden ganzjährig in ihr neues Hofcafé ein.

Vor sieben Jahren standen noch 24 Milchkühe mit Nachzucht im Stall von Agnes und Josef Gabelsberger in Offen­stetten, Landkreis Kelheim. Parallel dazu widmeten sie sich dem Spargel­anbau, der bereits in den 70er-Jahren auf kleiner Fläche startete.

1981 wurde „Beim Bäck“ geheiratet und aufgrund der großen Nachfrage nach Spargel dessen Anbaufläche immer mehr aufgestockt. „Doch dann sagten wir: Stopp, jetzt wird wieder abgebaut“, informieren der Landwirtschaftsmeister und die Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, die aktuell 30 ha, davon 12 ha Spargelfläche, bewirtschaften.

Die Entscheidung zur Veränderung erfolgte nicht spontan, sondern im Laufe der letzten Jahre. Der erste Schritt zur Umstrukturierung des Betriebes war die Aufgabe der Milchviehhaltung. „Mein Grundsatz war schon von jeher: Mit 50 Jahren gehe ich nicht mehr in den Stall“, erzählt die 57-jährige Bäuerin.

Und das wurde dann auch Wirklichkeit, denn die drei Kinder im Alter von 26 bis 32 Jahren lernten alle außerlandwirtschaftliche Berufe und schieden damit als Nachfolger für den Vollerwerbsbetrieb aus.

Parallel dazu ging es los mit dem Kuchenverkauf an Spargelkunden über die Theke. Dann folgten die ersten Busse in Kombination mit Spargelführungen, die Josef Gabelsberger durchführte. „Es war immer ein großer Erfolg, auch wenn alles sehr provisorisch ablief“, blickt die Hauswirtschaftsmeisterin zurück.

Die weitere Entwicklung nahm ihren Lauf

Hofcafe Gabelsberger

„Kuchenbacken war schon immer meine Leidenschaft“, verrät die Bäuerin. Deshalb wollte sie sich weiterbilden, besuchte schließlich den Bauernhofgastronomie-Kurs über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt und setzte nachfolgend gleich den Wirtebrief mir Zertifizierung drauf.

Im Rahmen des Lehrgangs wurden viele Beispiele von Bauernhofgastronomie besichtigt. Gleichzeitig besuchte Agnes Gabelsberger mit ihrem Mann jeden Sonntag landauf und landab in ganz Bayern ein anderes Café. „Was mir gefallen hat, habe ich mir eingeprägt und dann im Endeffekt daraus mein Konzept zusammengestellt“, erklärt die Hauswirtschaftsmeisterin.

„Ich spürte zunehmend Erleichterung aufkommen, denn der Druck, gerade in der Spargelsaison, war weg“, betont sie. Als großen Vorteil empfindet die Bäuerin auch den Verein Landerlebnisreisen Bayern, bei dem sie seit drei Jahren Mitglied ist und vor allem die Vernetzung und den Austausch untereinander schätzt.

Aus dem Kälberstall wird das Hofcafé

Nach der Verleihung der Bauernhofgastronomie-Urkunde im März 2016 fiel der Entschluss zur Professionalisierung in dieser Branche. Im selben Jahr im September begann die Umbauphase, die rund ein halbes Jahr dauerte.

Für das Café wurde der ehemalige Kälberstall im Anschluss an den bestehenden Hofladen sowie ein Teil der angrenzenden Maschinenhalle genutzt. Der Raum bietet Platz für 60 Personen und WCs. Parkplätze stehen genügend im Hofgelände zur Verfügung.

Bei der Einrichtung war der 57-Jährigen Funktionalität und Praktikabilität wichtig. Das Ergebnis ist ein einfacher, klassischer Stil, wobei die Tischplatten und Sitzbänke der Holzmöbel vom Schreiner vor Ort angefertigt sind.

Geöffnet hat das Hofcafé in der Spargelzeit durchgehend sieben Tage in der Woche von 8 bis 17 Uhr. Außerhalb der Saison steht die Tür am Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag offen. Zusätzlich kann selbstverständlich jederzeit nach Vereinbarung ein Termin, zum Beispiel für eine Geburtstagsfeier, für Bus- oder Radlgruppen vereinbart werden.

Zur Bewältigung der anfallenden Arbeit baut Familie Gabelsberger auf Fremdarbeitskräfte. „Ohne sie funktioniert es nicht“, stellt die Cafébetreiberin fest. Sie kann auf einen Pool von mehreren Helferinnen zurückgreifen. Bei Bedarf sind die Minijobberinnen – egal ob für den Service oder die Küche – kurzfristig parat für den Einsatz.

Chefin ist selbst am Werk

Das Backen von Kuchen und Torten ist in der Regel Aufgabe der Chefin. Nur in der Spargelsaison greift ihr eine Helferin unter die Arme. Die Bäckerin setzt auf einen Grundstock von traditionellen Kuchen- und Torten. „Darüber hinaus probiere ich aber auch neue Rezepte aus – teilweise auf Kundenwunsch hin“, verrät sie.

Für das Sonntagsgeschäft am Nachmittag bietet sie sechs bis sieben Torten und etliche Blechkuchen an. Nach ihrer Aussage kann man überhaupt nicht vorhersagen, wieviel Nachfrage zu erwarten ist. „Ich versuche, dass immer ein reichliches Sortiment vorhanden ist“, erklärt sie ihre Strategie und fügt hinzu, dass es nicht schlimm ist, wenn etwas übrig bleibt.

„In der Familie sind genügend Abnehmer dafür“, schmunzelt sie. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass restlos alles ausverkauft war. Denn auch das Straßengeschäft läuft gut. Bei Bedarf kann die Bäuerin schnell für Nachschub sorgen, solange fertige Tortenböden zur Verfügung stehen. Daneben gehören zu den Reserven Dauergebäck sowie Schmalzgebäck, das auf Vorrat eingefroren ist.

Die Renner in der Spargelsaison sind der „Sonnenaufgang“, eine Sahnetorte mit Eierlikör und Preiselbeeren, sowie die Rhababerbaiser-Torte. Außerdem werden gerne die saisonalen Spezialitäten ausgewählt. Die Rezepte sind zum Teil altbewährt, das heißt bereits in die Ehe mitgebracht. Zudem sammelte die Bäuerin in ihrer Ausbildung eine große Auswahl, die sie nach dem Ausprobieren in ihr Sortiment aufgenommen hat.

Neben dem Kaffeegeschäft am Nachmittag boomt vor allem das Frühstück am Vormittag. Montags und dienstags stellt es den Schwerpunkt im Hofcafé dar. An diesen beiden Tagen stehen für die Nachmittagsgäste zwei bis drei Torten und Kuchen bereit. Im Sommer – außer sonntags – ist es am Nachmittag eher ruhiger, während das Frühstück auch in der heißen Jahreszeit sehr beliebt ist.

Wenn Betrieb ist, startet Agnes Gabelsberger den Tag im Café ab 7 Uhr. „Da heißt es Frühstückslieferung entgegennehmen, Frühstück vorbereiten und Tische herrichten“, zählt sie auf. Nach Betriebsschluss am Abend muss noch aufgeräumt werden, sodass die Arbeit schon einmal bis 18 Uhr dauert.

Auch während der Woche hat sich ein fester Rhythmus eingestellt. So stehen dienstags Büroarbeiten sowie eventuell Bestellungen und Planungen für das nächste Wochenende auf dem Programm. Am Mittwoch nimmt sich Agnes Gabelsberger Zeit zum Revue passieren lassen. „Das ist mein Tag zum Durchatmen“, gibt sie Auskunft.

Donnerstags folgen der Einkauf und beispielsweise die Herstellung von Marmeladen oder Zucchini-Relish und am Tag darauf geht es in die Küche zum Kuchen- und Tortenböden backen. „Bei mir ist alles frisch, was frisch sein soll“, informiert sie.

Zwischendurch managt sie nachmittags oder abends Geburtstagsfeiern, Brotzeitgesellschaften und Vereinsveranstaltungen.

Keine Fertigmischungen

In der Edelstahlküche erleichtert die Ausstattung mit Konvektomat, halbgewerblicher Spülmaschine und ausreichend Kühlgeräten das Alltagsgeschäft. Im Angebot sind frischgebrühter Filterkaffee genauso wie Kaffeespezialitäten wie Cappuccino, Latte Macchiato oder Espresso, die gerade beim jungen Publikum im Trend liegen.

Auf der Frühstückskarte stehen süßes, vegetarisches und deftiges Frühstück sowie eine Variante für Eilige und für Kinder. „Ich muss eine große Auswahl anbieten, da dies die Gäste so wünschen“, betont die Unternehmerin.

Sämtliche Kuchen und Torten werden selbstgemacht. „Ohne Fertigmischungen. Denn diese kann man sich an jeder Theke kaufen“, begründet Agnes Gabelsberger und bestätigt, dass gerade dies die Gäste schätzen. „Bis jetzt wird nur über Facebook Werbung gemacht, sodass noch immer nicht alle wissen, dass wir ein Hofcafé haben“, teilt sie mit und will künftig die Werbetrommel intensiver rühren, beispielsweise in der Tageszeitung, Fachpresse und im Regionalfernsehen.

Das Erfolgsrezept der Hofcafé-Besitzerin: „Ich bin mit dem Herzen dabei. Ich glaube, das spüren meine Gäste“, meint sie. Das A und O ist für sie, dass diese zufrieden nach Hause gehen, wiederkommen und das Café weiterempfehlen.

Freilich weiß sie, dass der Service, die Qualität der Produkte, das Bild nach außen stimmen müssen. „Kaffee und Kuchen müssen schmecken – kombiniert mit Freundlichkeit“, bringt sie es auf den Punkt.

Für die Zukunft wünschen sich die Spargeldirektvermarkter, dass ihr Café von den Leuten gut angenommen wird. „Damit wir es entsprechend ausbauen können, zum Beispiel mit Annahme von Bussen und in der Spargelsaison in Kombination mit Führungen“, geben sie Auskunft.

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