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Geschäftsideen

Mit dem Hofcafé einen Traum erfüllt

Gäste
Helga Gebendorfer
am
08.10.2018

Die Direktvermarktung gehört bei Familie Röll in Sandharlanden, Kreis Kelheim, schon lange dazu.

Café udn Laden
Bereits 1995 wurde der erste Spargel angebaut und aus der Garage ab Hof verkauft. Vor sieben Jahren öffnete im ehemaligen Kuhstall der Hofladen und heuer startete das Hofcafé. Alois und Sieglinde Röll haben mittlerweile den Hof an ihre Tochter Veronika übergeben. Die Floristin und Hauswirtschafterin scheute sich nicht davor, den Betrieb weiterzuentwickeln. Die vorherige Milchviehhaltung mit Bullenmast war ja bereits in einen spezialisierten Spargelanbaubetrieb umstrukturiert worden. Jetzt wagte sich die Tochter an einen Partyservice und ein Hofcafé. Aktuell umfasst der Betrieb 11 ha Wald und 25 ha LN, davon 3 ha Spargel – zu einem Drittel grüne Stangen – und drei Viertel Tagwerk Erdbeeren.
Hofcafé
Veronika und ihre Schwester Christina haben auf dem elterlichen Hof schon immer tatkräftig mit angepackt – erst im Kuhstall und dann in der Direktvermarktung. Mit dem damaligen Spargelverkauf erweiterte sich im Laufe der Zeit auch die Angebotspalette um Kartoffeln, Obst, Gemüse sowie selbstgemachte Marmeladen und Liköre. „Dabei legte meine Mutter als Hauswirtschaftsmeisterin den Grundstein für die Direktvermarktung“, stellt Veronika rückblickend fest. Schon immer habe dabei der Einklang mit der Natur im Vordergrund gestanden. Saisonalität und Regionalität waren und sind dabei oberstes Gebot. „Genau das ist unsere Stärke, mit der wir uns von anderen Anbietern abgrenzen. Es gibt das, was gerade wächst“, so die 29-Jährige, die dabei auch an sämtlich veredeltes Gemüse denkt, wie beispielsweise eingeweckten Spargelsalat, mediterrane Gemüsesoße, Tomatensuppe, Essiggurken oder Zucchini mexikanisch.
Frühstück für Zwei
Bald reichten die Platzverhältnisse in der Garage nicht mehr und die Rölls entschlossen sich, einen Hofladen einzurichten, für den im Laufe der Zeit ein großer Kundenstamm aufgebaut werden konnte. „Die Leute sind begeistert von unserem Sortiment, das von Anfang an auch mit verschiedenen Backwaren punktete“, informiert die Betriebsleiterin. Es gibt Kuchen, Torten, Rohrnudeln und Kücherl – im Laden und auf Bestellung. Zudem wird seit sechs Jahren jeden Samstag Brot gebacken – Bauernbrot, Roggensemmeln und Dinkelbaguette – alles ohne Weizenmehl.
Team

„Eines Tages wünschte sich eine Kundschaft ein richtiges Büfett und damit war der Partyservice geboren“, erzählt die Hauswirtschafterin. Mittlerweile floriert das Geschäft und Veronika Röll liefert Essen für bis zu 150 Personen – von der Schweinshaxn bis zum mediterranen Büfett, kalt oder warm – für Firmenveranstaltungen oder private Feste, schwerpunktmäßig im Umkreis von 40 km. Dabei finden keinerlei Fertigprodukte, aber Erzeugnisse vom eigenen Garten Verwendung. „Wenn es schmeckt, kommen die Kunden wieder“, so die Hauswirtschafterin, welche die Mund-zu-Mund-Propaganda als beste Werbung ansieht.

Jetzt den Wunsch nach eigenem Café erfüllt

Ende Mai wurde zusätzlich ein Hofcafé eröffnet, ein kompletter Neubau. Dazu musste das alte Wohnhaus weichen. „Ein eigenes Café war schon immer mein Wunschtraum und jetzt hat es sich wunderbar ergeben“, freut sich Veronika Röll. Im Erdgeschoss sind das barrierefreie Café, Garagen, Küche und WC untergebracht und darüber befindet sich ihre Wohnung.
Das 60 m2 große Café bietet Platz für 65 Personen plus 40 Plätze auf der Terrasse im Sommer. Die Einrichtung ist in bäuerlich rustikalem Stil gehalten – mit alten Sitzbänken und einer Theke aus Balken aus dem vorherigen Gebäude. Geöffnet ist am Freitag und Samstag von 8 bis 16 Uhr und am Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Der Hofladen steht am Samstag von 8 bis 16 Uhr zum Einkauf bereit. Eine Homepage ist zurzeit in Arbeit, bis dahin sind die wichtigsten Informationen über Google zu finden.
Zur Auswahl steht ein großes Sortiment an verschiedenen Torten und Kuchen sowie allerlei Schmalzgebäck. Zum Renner haben sich Schoko-Bananen-Torte und Preiselbeer-Eierlikör-Mohntorte sowie im Sommer Zitronen-Joghurt-Torte entwickelt. Alles ist selbst gemacht, wobei sämtliche Früchte aus dem eigenen Garten in den Sahne- und Cremespezialitäten Verwendung finden. „Ich brauche kein Rezept, sondern mache alles aus dem Kopf. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, denn ich zaubere einfach aus den vorhandenen Zutaten meine Kreationen“, verrät die Cafébesitzerin. Eines ist aber gewiss: Die Torten werden 10 bis 12 cm hoch. „Ich muss den Biskuitboden viermal durchschneiden können“, erläutert sie.
Nach anfänglichem Lotteriespiel habe sich inzwischen ein ganz gutes Gefühl für den Bedarf eingestellt, verrät Röll. Freilich kann es trotzdem passieren, dass jede Menge übrig bleibt oder das Angebot ausgeht. Froh ist die Betreiberin, dass außerdem das Straßengeschäft mit gleichzeitigem Einkauf im Hofladen beliebt ist.
Neben den Kaffeespezialitäten wie Cappuccino, Latte Machiatto und Espresso nimmt der gute alte Filterkaffee mit 50 Prozent einen zentralen Stellenwert ein. Selbstverständlich darf auch eine Eiskarte nicht fehlen. Morgens ist das Frühstück im Trend, wobei sieben verschiedene Varianten von vegetarisch bis zum Frühstück für Zwei zur Auswahl stehen, und abends sind die Brotzeiten sehr begehrt. Darüber hinaus werden Busse angenommen und die Räumlichkeiten für Veranstaltungen aller Art vermietet. Die anfallende Arbeit wird von allen Familienmitgliedern und einer 450-€-Kraft für Service und Hofladen bewältigt.
„Das Hofcafé war der richtige Schritt für mich, denn damit ging für mich ein Traum in Erfüllung. Überhaupt freue ich mich jeden Tag, wenn ich Leute glücklich machen kann und jemand kommt, der begeistert ist“, meint die 29-Jährige. Beim Blick in die Zukunft wünscht sie sich, dass es so weitergeht, wie es gerade läuft. „Ich bin mit einem täglichen 12-Stunden-Tag voll ausgelastet, aber die Arbeit macht mir trotzdem Spaß und ich starte jeden Tag mit einem Lachen in den Tag“, verrät Veronika Röll, die sich vielleicht irgendwann auch eine weitere personelle Unterstützung vorstellen kann.
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