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Bezirksbauerntag

Ideologie-Kämpfe bringen gar nichts

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
09.10.2017

Landshut - Der Europa-Politiker Manfred Weber bekommt viel Applaus beim Niederbayerischen Bauerntag.

Eine perfekt organisierte Veranstaltung, ein Referent, dem auch aufmerksam zugehört wurde, ein volles Zelt: Die Verschiebung des traditionellen Niederbayerischen Bauerntages im Rahmen der Niederbayernschau in Landshut auf den Eröffnungstag der bekannten Verbrauchermesse hat sich als gute Idee erwiesen, von der auch die Messe durch ein erhöhtes Aufkommen an Besuchern profitieren konnte.

Und so betonte auch der Schirmherr der Niederbayernschau, Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz, die engen Verbindungen seiner Stadt mit der Landwirtschaft, die zu den „wichtigsten Säulen der Wirtschaft in der Region gehört“, wie der Oberbürgermeister unterstrich. Stadt ohne Land, Land ohne Stadt – das sei nicht denkbar, so Landshuts oberster Kommunalpolitiker, der auch deutlich machte, dass es dabei nicht nur auf rein wirtschaftliche Aspekte ankomme. Auch Landschaftspflege und die Erzeugung gesunder regionaler Lebensmittel seien wichtige Aufgaben, bei deren Erfüllung man sich auf die heimische Landwirtschaft verlassen könne.

Landwirtschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft

Gesprächsrunde

Niederbayerns BBV-Präsident Gerhard Stadler nahm diese „Steilvorlage“ gerne an und machte klar: „Die Landwirtschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft.“ Die Gründe für diese Feststellung lieferte Stadler dann auch gleich hinterher: „Es sind die bäuerlichen Familienbetriebe, die für hochwertig erzeugte Nahrungsmittel, für nachhaltig erzeugte Energie, für den Erhalt der Kulturlandschaft und vor allem mit den Landfrauen auch für viel soziales Engagement im ländlichen Raum Sorge tragen“, so der BBV-Präsident. Und angesichts dieser Leistungen hätten die Bäuerinnen und Bauern auch überhaupt kein Problem damit, sich den Diskussionen mit der Gesellschaft zu stellen: „Wir haben nichts zu verbergen und wir leisten gute Arbeit, das können wir belegen und da brauchen wir uns nicht zu verstecken.“
Doch Gerhard Stadler merkte auch deutlich an, dass die Gespräche und Diskussionen zwischen Verbrauchern und Landwirtschaft nicht zum „Polarisieren, Skandalisieren und Polemisieren“ missbraucht werden dürften: „Was wir brauchen, das ist ein ehrlicher, sachlich und fachlich auf solider Basis stehender Dialog“, so Stadler, der an die vielen nicht aus der Landwirtschaft kommenden Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung eine Einladung aussprach: „Informieren Sie sich aus erster Hand, sprechen Sie mit den Bäuerinnen und Bauern, lassen Sie sich zeigen, dass bei uns ordentlich und nach höchsten Standards gewirtschaftet wird.“ Denn in den bäuerlichen Familien sei man sich der Verantwortung für Menschen und Tiere, für Natur und Umwelt durchaus bewusst und „wir werden dieser Verantwortung auch gerecht“.

Doch der BBV-Präsident appellierte auch an das Verantwortungsbewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher. Diese würden zwar in Umfragen zu über 80 % beteuern, für regionale Produkte gerne auch einen angemessenen Preis bezahlen zu wollen, aber: „In der Realität sieht das dann doch immer noch ganz anders aus“, so Stadler. Doch ohne vernünftige Erzeugerpreise könne eine flächendeckende Landwirtschaft in Zukunft nicht mehr garantiert werden. Es brauche deshalb passende politische Rahmenbedingungen und eine gesellschaftliche Haltung, die auch kleineren Betrieben ein wirtschaftlich sicheres Überleben möglich machen.

In einer von Bezirksbäuerin Irene Waas mit viel Humor moderierten Fragerunde mussten dann Niederbayerns Regierungsvizepräsident Helmut Graf, Bayerns Bauerpräsident Walter Heidl und der Landshuter Bundestagsabgeordnete Florian Oßner Farbe bekennen, nicht nur zu aktuellen agrarpolitischen Fragen, sondern auch zu ihrem ganz persönlichen Einkaufsverhalten. Irene Waas hatte sogar einen Korb mit verschiedensten Produkten dabei und lud ihre Gäste zur Auswahl ein. Dass am Ende das frische Gemüse und der Käse aus der Region verteilt, die Gemüsekonserve mit Inhalt von „irgendwoher“ aber übriggeblieben war, war für Irene Waas durchaus Grund zur Freude.

Georg Steckenbiller

„Ideologische Kämpfe machen keinen Sinn, es bringt überhaupt nichts, wenn die Landwirtschaft dazu benutzt wird, in der Politik auf Stimmenfang zu gehen.“ Mit dieser klaren Ansage leitete Europa-Politiker Manfred Weber sein Referat ein. Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament plädierte angesichts des Ausgangs der Bundestagswahlen dafür, Deutschland wieder „aus der Mitte heraus“ zu gestalten, und hier gehöre die Landwirtschaft auf jeden Fall dazu.
Manfred Weber machte deutlich, dass nicht nur in der Bundespolitik große Veränderungen anstehen: „Die Welt ist im Umbruch, wir erleben eine Zeit des Wandels“, so der Europa-Abgeordnete. Gerade deshalb sei es seiner Überzeugung nach für die Landwirtschaft wichtig, mit einer Stimme zu sprechen, denn nur so könnten überzeugende Argumente für die Politik geliefert werden. Deshalb sein klarer Appell: „Haltet zusammen im Bauernstand, auch wenn die Landwirtschaft immer spezialisierter wird, nur so kommen wir gemeinsam weiter.“

Dieser Zusammenhalt könnte schon bald sehr wichtig sein, warnte der Redner, der von „dunklen Wolken“ am europäischen Himmel sprach. Denn das Geld in der Europa-Kasse werde durch den Austritt Großbritanniens weniger werden, es gäbe also weniger zu verteilen und dies könnte Ideen fördern, beim
Agrarhaushalt zu sparen. Manfred Weber sicherte aber zu, dass er sich entschieden gegen Kürzungen bei den Direktzahlungen für die Landwirtschaft aussprechen werde. Das System der zwei Säulen müsse beibehalten werden, denn: „Das Geld, das Europa an die Bäuerinnen und Bauern bezahlt, ist kein Almosen und keine Subvention, sondern es ist die Honorierung ihrer für die Gesellschaft so wesentlichen Leistungen.“

Eindringlich warnte Manfred Weber vor einer weiteren Liberalisierung der Agrarmärkte, sinnvoller sind für ihn Regulierungen der Handelsbeziehungen, weil es sonst in Europa beispielsweise bald keine Zuckerproduktion mehr geben werde: „Es kann nicht sein, dass wir uns bei der Erzeugung von gesunden Lebensmitteln von Importen aus dem Ausland abhängig machen.“

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