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Ernte 2019

Kartoffel - Wie man eine Diva betreut

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Lorenz Märtl
am
15.07.2019

Zum Start der Frühkartoffelsaison präsentieren sich Oberviechtacher Gymnasiasten unter professioneller Anleitung als Erdäpfelbauern.

Frühkartoffeln, frisch geerntet, sind derzeit bei Reinhard Elsner in Hof, einem Ortsteil der Stadt Oberviechtach im Kreis Schwandorf, in der Selbstvermarktung der Renner. Den Verkauf hat er so organisiert, dass man sich in Selbstbedienung rund um die Uhr versorgen kann. Seine Kunden wissen das zu schätzen und so kann er getrost auf Werbung verzichten, denn die Qualität spricht für sich. Nicht von ungefähr hatte der BBV-Kreisverband Schwandorf in diesem Jahr nach Hof zum offiziellen Start der Frühkartoffelsaison eingeladen, denn gleichzeitig präsentierte man ein Projekt des Ortenburg-Gym- nasiums Oberviechtach, das auf Anregung von Reinhard Elsner auf einem seiner Felder Kartoffeln von der Pflanzung bis zur Ernte betreut.

Dabei werden die Schulklassen aus der Mittelschule und dem Gymnasium direkt auf dem Feld rund um das Thema Kartoffel unterrichtet. Auch die nötige Betreuung liegt in der Verantwortlichkeit der Schüler, die die Kartoffeln auch selbst ernten und vermarkten werden. Vor Ort verdeutlichte der „federführende Kartoffelbauer“ des Ortenburg-Gymnasiums, Michael Kick, der vom Projektseminar Schulentwicklung maßgeblich unterstützt wird, den Hintergrund. Er ist einer der wenigen Schüler, der auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufwächst. Die meisten jungen Leute haben seiner Ansicht nach wenig Ahnung woher das kommt, was auf dem Teller liegt. Das Schülerprojekt ist deshalb „eine sehr schöne Sache“ findet nicht nur Kartoffelbauer Reinhard Elsner, sondern auch BBV- Kreisobmann Josef Irlbacher. Dadurch könne man Verständnis für die Landwirtschaft wecken und vermitteln, welch immenser Aufwand von der Saat bis zur Ernte notwendig ist.
Bereits jetzt ist den Schülerinnen und Schülern bewusst geworden, dass Kartoffeln sehr anspruchsvoll sind. „Die Kartoffel ist eine Diva und will entsprechend behandelt werden“ resümiert BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann und Kreisobmann Irlbacher ergänzt, dass sich Kartoffelbauern nicht umsonst als Elite der Ackerbauern sehen.
Zumindest stehen die am 8. Mai gelegten Kartoffeln gut im Kraut, sehr zur Freude des Kartoffelkäfers, der die schulischen Kartoffelbauern genauso vor Herausforderungen stellt wie den Profi. Der hat seine Frühkartoffeln, die nun geerntet werden, bereits am 30. März gesteckt. Sowohl Qualität und Quantität stimmen ihn zuversichtlich.
Für die Landwirtschaft im Landkreis Schwandorf hat der Kartoffelanbau nach wie vor eine große Bedeutung, wenngleich die Anbaufläche in den letzten fünf Jahren von 1194 auf 1060 ha geschrumpft ist. Neben der Selbstvermarktung ist für die rund 300 Kartoffelbauern, von denen der Großteil in zwei Erzeugergemeinschaften organisiert ist, die Lieferung an Veredelungsbetriebe in Neunburg und Neumarkt von Bedeutung.
Reinhard Elsner baut auf fünf seiner 30 ha großen landwirtschaftlichen Nutzfläche im Nebenerwerb Kartoffeln an. Gefragt ist bei den Frühkartoffeln die Sorte Valetta, weiter setzt er auf die bewährten Sorten Gala, Goldmarie und Lilly. Und er wäre nicht Kartoffelbauer mit Leib und Seele, wenn er nicht auch Neues ausprobieren würde. Heuer sind das Rosa Tannenzapfen, Puikula, Linda und Mandelkartoffeln aus Finnland.
Angesichts des Klimawandels und der Tatsache, dass die Landwirtschaft ökologischer werden will steht nach Ansicht von Kreisobmann Irlbacher auch der Kartoffelanbau vor großen Herausforderungen. „Was wir brauchen sind Pflanzen, die besser und leichter mit der Wärme und Schädlingen zurechtkommen.“
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