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Stromtrassenbau

Kein GPS unter Starkstromtrassen?

Stromtrasse
Mia Goller
am
25.07.2017

Wurmannsquick/Lks. Rottal-Inn - Es rumort in der beschaulichen Gemeinde Wurmannsquick im Kreis Rottal-Inn. Die Diskussionen im Ort handeln von der geplanten 380-kVLeitung, mit der Windstrom aus dem Norden der Republik nach Bayern gebracht werden soll.

Ein Raumordnungsverfahren sieht vor, dass die hohen Masten für die 380-kV-Leitung nicht auf der Trasse der bisherigen 220-kV-Leitung verlaufen, sondern über einen Umweg um den Ort herum durch das Hügelland nordöstlich der B 20 durch schönste Landschaft und über landwirtschaftliche Flächen. 21 Grundstückseigentümer sind betroffen, die sich in einer Initiative zusammengeschlossen haben. Sie befürchten gesundheitliche Risiken, gerade für die Kinder. „Auch wenn die Nordvariante nicht direkt an ein Siedlungsgebiet heranreicht: Auch hier leben sehr viele junge Familien auf landwirtschaftlichen und ehemals landwirtschaftlich genutzten Betrieben. Dazu gehört aber keine 380-kV-Wechselstromleitung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative.

Außerdem könnte für die moderne Landwirtschaft ein extremer Nachteil entstehen: Die Strommasten stören das GPS-System landwirtschaftlicher Maschinen. Mit dem Bundestagsabgeordneten Max Straubinger und der Landtagsabgeordneten Reserl Sem fand jetzt ein Ortstermin statt, bei dem die Bürger ihrem Ärger noch einmal Luft gemacht haben.

Der Gemeinderat Sepp Rettenbeck forderte dabei die Politik auf, sich für eine Erdverkabelung starkzumachen. „Es kann hier ein Pilotprojekt geschaffen werden“, argumentiert er. Die Sprecher der Interessengemeinschaft, die Landwirte Manfred Schemmer, Uli Hansbauer und Gerhard Mayer, hatten zuvor Bürgermeister Georg Thurmeier ein Maßnahmenpaket überreicht, das von den 20 direkt betroffenen Grundstücksanliegern unterzeichnet wurde. Darin wird die Gemeinde aufgefordert, sich für eine Erdverkabelung einzusetzen. Hintergrund dieser Aktion: Der bayerische Ministerpräsident Seehofer kündigte an, dass der 185 km lange Abschnitt des Oberpfälzer Ostbayernrings mithilfe einer Gesetzesinitiative im Bundestag erdverkabelt werden sollte. Dabei handelt es sich wie in Wurmannsquick um eine 380-kV-Wechselstromleitung. „Was für den Ostbayernring möglich ist, muss auch für uns gelten. Hier darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden“, sind sich die Anlieger der Nordtangente einig.

Hitzige Debatte

Beim Ortstermin auf dem Schemmer-Anwesen in Wurmannsquick wurde die Debatte nicht nur wegen des Sommerwetters hitzig: „Ich möchte mit Euch ehrlich sein und nicht Sprüche klopfen, die ich dann nicht halten kann“, stellte MdB Max Straubinger fest. Er erklärte, es gebe momentan keine rechtliche Handhabe und das geforderte Erdverkabeln sei nicht so einfach umzusetzen, wie man sich das hier vorstelle. Auch seien die Bauarbeiten an der Erdverkabelung enorm aufwendig und für die Anlieger nicht gerade angenehm. Sprecher Gerhard Maier von den Grunstückseigentümern hielt dagegen: „Wir sind uns einig. Alle 21 Grundstücksbetroffenen würden sich für eine Erdverkabelung auf der neuen Trasse bereit erklären. Aber mit der Variante der Hochspannungsleitung abfinden wollen wir uns nicht.“

Verbindlicher zeigte sich MdL Reserl Sem: „Wir haben die Ängste der Betroffenen wahrgenommen und können mit den Informationen von heute weiter in die politische Diskussion gehen. Wichtig ist, dass die Menschen hier nicht gegen den Energiefluss sind, sondern eine Alternative aufgezeigt haben. Diese Botschaft muss an die Politik gehen, auch an den Ministerpräsidenten.“

Die Landwirte Franz und Florian Schemmer sind mit ihren Feldern direkt betroffen von der geplanten Trasse. Seit Jahren sammeln sie Argumente gegen dieses Vorhaben und sehen große Probleme. Einerseits sind die Gesundheitsrisiken gerade für Kinder nicht geklärt, andererseits ergeben sich auch praktische Probleme, gerade für ihre Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb. Denn das GPS-System wird von den Stromleitungen extrem gestört, wie ein führender Traktorhersteller in einem Schreiben bestätigt: „Störungen des GPS sind im Bereich von einer Trassenbreite von 100 Metern sehr wahrscheinlich. Die sehr feinen elektromagnetischen Wellen der GPS-Satelliten werden durch die elektrischen Felder einer 380-kV-Leitung empfindlich gestört“, zitierte Schemmer. Diese Einschätzung teilen auch andere Experten, wie Franz und Florian Schemmer betonen: „Die Aussage einiger Vermessungsingenieure dazu war, dass eine 380-KV-Leitung mit 70 Meter hohen Masten und einer Trassenbreite von 35 Metern einen mächtigen Radius links und rechts der Trasse bildet, in dem keine Signale mehr genutzt werden können.“ Leider sei diese Problematik, die ja auch das teil- und zukünftig vollautonome Fahren stark beeinträchtige, da die 380-kV-Freilandtrasse die B 20 einige Male im Bereich Wurmannsquick kreuze, der Allgemeinheit nicht bekannt: „Netzbetreiber und Politik versuchen es herunterzuspielen“, sind die Mitglieder der Initiative überzeugt. Sie sehen jetzt auch ihre Investitionen in die GPS-Technik gefährdet.

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