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Verbandswahlen

Keine Kandidatin für das Ehrenamt

Benedikt Grimm
am
27.02.2017

Neustadt-Weiden - In Neustadt-Weiden will niemand Kreisbäuerin werden. Christa Kick muss vorerst im Amt bleiben.

Weidenfrauen

Ein altes Sprichwort sagt: Alles hat seine Zeit – alles hat einen Anfang und ein Ende“, sagte Kreisbäuerin Christa Kick zu den versammelten Ortsbäuerinnen. In ihrem Fall hakt das Sprichwort. Alle Appelle und Bitten blieben ungehört. Keine der 58 anwesenden Ortsbäuerinnen will das Amt der Kreisbäuerin übernehmen.
Seit 25 Jahren steht Kick als Kreisbäuerin beziehungsweise als Stellvertreterin in der Verantwortung für den BBV Neustadt-Weiden. Schon weit im Vorfeld der Versammlung waren Kick und BBV-Geschäftsführer Hans Winter im ganzen Landkreis unterwegs, um mögliche Kandidatinnen zu überzeugen. Keine von ihnen ließ sich eine Zusage entlocken. Vorschläge für ihre Nachfolge hätte Christa Kick genug. Doch auch auf der Tagung der Ortsbäuerinnen im Lehnersaal im Weidener Ortsteil Rothenstadt hagelte es Absage um Absage. Kleine Kinder oder Enkel, der Mann, der tagsüber in die Arbeit geht und nicht auf dem Hof ist, sind die meistgenannten Gründe, mit denen die Vorgeschlagenen ihre Kandidatur ablehnen. „Wer hat Zeit?“, fragte Noch-Kreisbäuerin Kick in die Runde, um gleich selbst die Antwort zu geben: „Niemand hat Zeit. Man muss sich die Zeit nehmen. Gebt Euren Herzen einen Stoß und probiert es“, bat Kick.
Auch Direktor Peter Huber, der die Wahlen leitete, versuchte die Versammlungsteilnehmerinnen zum Umdenken zu bewegen. „Das ist heute meine 50. Wahl und bislang haben wir noch immer eine Lösung gefunden“, sagte Huber. „Es wäre heute schöner als Weihnachten für mich, wenn jemand sagen würde, das mache ich“, probierte es Kick noch einmal. Auch sie habe vor 25 Jahren, als sie zur stellvertretenden Kreisbäuerin gewählt wurde, nicht gewusst, was auf sie zukommt. Auch sie sei mit ihren kleinen Kindern, dem Milchviehbetrieb und der Arbeit auf der Landwirtschaftsschule ausgelastet gewesen und habe das Amt der Ortsbäuerin erst seit vier Wochen innegehabt. Zwar sei das Amt anstrengend, arbeits- und zeitaufwendig gewesen und habe ihrer Familie viel Verständnis abverlangt. „In erster Linie gab mir mein Amt aber viele positive Eindrücke, Anregungen und Erfahrungen. Es prägte mich und mein Leben“, betonte Kick. Die Unterstützung durch die Geschäftsstelle mit Geschäftsführer Hans Winter und seinem Team sei stets hervorragend gewesen. „Bei Euch bin ich nie abgeblitzt, wenn ich mit einem Anliegen kam. Ihr wusstet immer Lösungen“, dankte die scheidende Kreisbäuerin.
Kick erinnerte in ihrem Rückblick an die Bauernmärkte, die sich „zum Renner“ entwickelt hätten, die Lehrfahrten, die Landfrauentage und die Aktionen mit Kindern, an Landfrauenfrühstücke und das soziale Engagement, mit dem man Menschen in Not und Bedrängnis habe helfen können. „Wir Landfrauen sind in“, betonte Kick. Die Situation um ihre Nachfolge änderte sich aber auch nach einer 10-minütigen Denkpause mit vielen intensiven Gesprächen im kleineren Kreis nicht.
Ganz anders stellte sich die Bereitschaft zur Kandidatur bei den Stellvertreterposten dar. Um einer neuen Kreisbäuerin die Arbeit zu erleichtern, einigte man sich auf die Schaffung einer zweiten Vize-Kreisbäuerin. Schon um das Amt der ersten Stellvertreterin gab es neben Amtsinhaberin Petra Schäffler mit Gabriele Birkner eine zweite Kandidatin, die mit neun Stimmen nach geheimer Wahl gegenüber Schäffler (49 Stimmen) aber chancenlos blieb. Bei der Abstimmung über die zweite Stellvertreterin war Birkner mit 46 Stimmen der zweiten Kandidatin Rita Vollath (zwölf Stimmen) weit überlegen. Die Wahlliste der Beirätinnen – vier können laut Satzung gewählt werden – wuchs auf 16 Damen an. Acht von ihnen erklärten bereits vor dem Wahlgang, dass sie nicht zur Verfügung stünden. Petra Hager, Eva-Maria Eder, Maria Fichtl und Josefine Kick gingen als satzungsmäßige Beirätinnen aus der Wahl hervor. Marianne Paulus, Rita Vollath, Ale­xandra Lukas und Petra Klinger gehören als weitere gewählte Beirätinnen der neuen Vorstandschaft an.
„Christa Kick hat 25 Jahre oberste Verantwortung getragen. Ich glaube es steht ihr zu, nach 25 Jahren zu sagen, dass es jemand anders machen soll. Wenn man sich Zeit nehmen will, kann man wirklich Herausforderungen meistern“, unternahm stellvertretender Landrat Albert Nickl einen erneuten Versuch, doch noch eine neue Kreisbäuerin zu motivieren. Ebenso Bezirksbäuerin Stilla Klein: „Geht noch mal in Euch und überlegt Euch, ob man sich nicht doch als Kreisbäuerin zur Verfügung stellen könnte.“ Kreisobmann Josef Fütterer – selbst auf der Suche nach einem Nachfolger – unterstrich die Bedeutung der Landfrauen: „Ihr seid das wichtigste Element in Euren Dörfern. Ihr seid die Basis jedes gesellschaftlichen Ereignisses. Ohne Frauen ist ein Dorf einfach tot.“
Direktor Huber erläuterte die Satzung des BBV. Demnach bleibe die bisherige Kreisbäuerin höchstens ein weiteres Jahr im Amt, wenn keine Nachfolgerin gewählt wird. Christa Kick ringt mit sich, ist sichtlich getroffen. „Ich bin ein bisschen enttäuscht. Wir haben jetzt so eine tolle Truppe und es findet sich trotzdem keine Kreisbäuerin. Mir tut das jetzt schon sehr weh. Es ist wirklich eine schöne Zeit. Ich möchte sie nicht missen. Ich hatte fest meinen Entschluss gefasst, dass heute das Ende meiner Kreisbäuerinnenzeit ist“, sagte Kick. Ihr Entschluss lässt sich nicht verwirklichen. Direktor Huber versprach, innerhalb des nächsten halben Jahres erneut in den Kreisverband zu kommen, um in einem neuen Anlauf eine Kreisbäuerin zu wählen.

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