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Kreisbauerntag - dem Gegenwind trotzen

Kreisbauerntag-RI
Kurt Singer
am
29.07.2019

Im Rahmen des Schönauer Volksfestes fand eine beeindruckender Kreisbauerntag statt.

Der Kreisbauerntag Rottal-Inn, der wieder im Rahmen des Schönauer Volksfestes stattfand, hat einen Einblick in die vielfältigen Probleme der Landwirtschaft gegeben. BBV-Präsident Walter Heidl handelte das Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Markt, Politik und Gesellschaft“ kurz und prägnant ab.

Der von Dr. Joseph Peedikaparambil zelebrierte und von den Wittibreuter Musikanten musikalisch umrahmte Gottesdienst bildete den Auftakt zum Kreisbauerntag. Kreisobmann Hermann Etzel stellte gleich zu Beginn fest, dass der Landwirtschaft große Herausforderungen ins Haus stünden: Mit Natur- und Artenschutz, Klimawandel, Wasserhaushalt, Gewässerschutz, Verschiebungen auf den Weltmärkten, Stellung in der EU und gesellschaftliche Veränderungen nannte er dabei nur einige Stichpunkte.
„Den Bauern weht der Wind massiv entgegen“, stellte MdL Martin Wagle in seinem Grußwort fest. Der unberechtigte Vorwurf, die Landwirtschaft sei der Alleinschuldige am Artenrückgang, habe am Bauernstand genagt. Wagle bedauerte die zunehmende Entfremdung zwischen den Erzeugern und den Verbrauchern von Lebensmitteln. „Am Verkaufstand wird das Billigste gekauft, Kritik an Lebensmitteln, die aus aller Welt kommen, gibt es kaum.“ Stellvertretende Landrätin Edeltraud Plattner verwies auf die vielen Schnittstellen zwischen Landwirtschaft und Landratsamt. Hier gelte es, bei der Zusammenarbeit einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Im Zusammenhang mit dem Volksbegehren wären die vergangenen Monate für den bäuerlichen Berufsstand sehr anstrengend gewesen, stellte BBV-Präsident Walter Heidl fest. In vielen Gesprächen habe der BBV deutlich gemacht, dass man zu Veränderungen und zur Verbesserung der Arbeit bereit sei. Die Bauern wären sich ihrer Verantwortung für den Erhalt der Umwelt und der Lebensgrundlagen bewusst. „Die Bauern sind es, die unsere Kulturlandschaft attraktiv und in Ordnung halten“, betonte Heidl und erklärte: „Die Landwirtschaft ist weder alleiniger Verursacher der Probleme, noch kann sie diese Probleme allein lösen. Umwelt- und Artenschutz geht alle an!“ Hier streifte Heidl das vom Borkenkäfer verursachte Waldsterben. „Es muss in so einer Situation möglich sein, über Pflanzenschutz zu reden“, meinte er und regte zudem an, durch den Umstieg auf Hackschnitzel den Holzmarkt zu entlasten und durch Verzicht auf fossile Brennstoffe den CO2-Ausstoß zu verringern.
„Mit den Landtagsbeschlüssen sind nicht alle Probleme gelöst, aber wir sind auf einem Weg, der nicht nur den Bienen, sondern auch den Bauern gerecht wird“, erklärte Heidl zu den erzielten Ergebnissen am Runden Tisch zum Volksbegehren. Er verwies darauf, dass es nun gelte, bei verschiedenen Gesetzespassagen auf deren Umsetzung zu achten.
Kein Verständnis zeigte Heidl dafür, dass künftig Rind- und Geflügelfleisch und Zucker aus den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay und Venezuela) in die EU eingeführt werden dürfen. „In Südamerika gelten bei der Lebensmittelsicherheit, der Hygiene, Rückverfolgbarkeit, Umwelt-, Tier- und Klimaschutz deutlich niedrigere Standards als in der EU“, betonte Heidl. „Was hier ausgehandelt wurde ist ein Kuhhandel zu Lasten der Bauernfamilien, die fast täglich neue Anforderungen erfüllen müssen.“

Weichenstellungen und Zukunftsperspektiven bei der Nutztierhaltung, die Dreifachrolle der Landwirtschaft beim Klimawandel als Verursacher von Emissionen, Betroffener, Klimaschützer und die EU-Agrarpolitik waren weitere Themen, die Heidl ansprach. „Die Bäuerinnen und Bauern müssen spüren und erfahren, dass sie auch in Zukunft gebraucht werden und dass regional erzeugte Lebensmittel hoch im Kurs stehen“, schloss der Präsident.

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