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Agrarumweltmaßnahmen

Landwirte suchen Dialog mit Imkern

Dialog Landwirte Imker
Hannelore Summer
am
27.11.2017

In Ramperding, Kreis Deggendorf, wird gezeigt, dass die richtige Zwischenfrucht Wildtieren, Bienen und anderen Insekten hilft und auch dem Bauern nützt.

Ich sehe es gerne, es ist etwas fürs Auge“, sagt Josef Schuster, Landwirt aus Ramperding (Lks. Deg­gendorf). Auf einem 4 ha großen Acker leuchten die Sonnenblumen, dazwischen setzen Phacelia blaue, Rettich weiße und Senf gelbe Akzente. Wicken haben schon geblüht und auch der Klee.

Für Schuster hat das farbenfrohe Feld viele Vorteile. „Es ist eine Win-win-Situation“, findet er: Die Zwischenfrüchte passen in die Fruchtfolge Mais – Ganzpflanzensilage aus Wintergetreide – Zwischenfrüchte als Greening. Mit dieser Fruchtfolge erfüllt er die Greening-Auflagen für seinen Betrieb mit Milchvieh und Biogasanlage. Nach der Düngeverordnung darf er die Zwischenfrüchte mit dem Gärrest der Biogasanlage düngen. Sie speichern den Stickstoff auf dem Acker, das merkt er an der Folgefrucht. Schuster verbessert so die Bodenqualität und tut gleichzeitig etwas für die Wildtiere und die Bienen.

„Wenn es jetzt wärmer wäre, würde sich hier einiges rühren“, ist sich Anton Bauer sicher. Er ist Vorsitzender des Imkereivereins Außernzell. Gemeinsam mit Schuster, BBV-Kreisobmann Michael Klampfl und Landwirtschaftsdirektor Dr. Heinrich Niedermaier betrachtet er die bunte Blütenpracht. Ihm sei der Dialog zwischen Landwirten und Imkern wichtig, sagt Klampfl.

Die blühende Zwischenfrucht zeige, dass eine gute Zusammenarbeit möglich sei. Als Landwirt wisse er, dass es ohne Bienen nicht gehe, aber er kenne auch die wirtschaftlichen Zwänge der Bauern. Man müsse miteinander reden, dann fänden sich oft maßgeschneiderte Lösungen.

Greening-Auflagen, das bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) unterstützen die Landwirte dabei, wieder mehr Blüten und Artenvielfalt in die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu bringen. Dr. Heinrich Niedermaier hatte aktuelle Zahlen für den Landkreis Deggendorf dabei: 1.805 Landwirte haben einen Mehrfachantrag gestellt. Sie bewirtschaften mitei­nander eine Fläche von 44.000 ha, auf 23.000 ha steht Wald.

Hilfe für Wildtiere und bestäubende Insekten

Phacelia

949 Landwirte nehmen an den Agrarumweltmaßnahmen teil. Auf einem Viertel der 10 500 ha Dauergrünland verzichten die Bewirtschafter auf Mineraldünger und flächendeckenden chemischen Pflanzenschutz, 600 ha sind im VNP mit einem späten Mähzeitpunkt, 575 ha werden nach dem Kulap extensiv bewirtschaftet und gar nicht gedüngt. Das fördert konkurrenzschwache Blumen und Gräser. Auf 475 Feldstücken mit insgesamt 377 ha Fläche stehen Blühflächen. Im Landkreis Deg­gendorf bewirtschaften und pflegen Landwirte 204 Streuobstwiesen, das sind 262 ha mit 2600 Obstbäumen. 215 Betriebe legten Randstreifen an kleinen Gewässern an.
Schuster ist einer von 95 Landwirten, die ihre Felder mit abfrierender Zwischenfrucht bebauen. So ist der Boden im Frühjahr vor Erosion geschützt, wenn er die Folgekulturen in Reihen aussät.
Bewusst hat er eine Saatmischung mit Sonnenblumen, Klee, Wicken und Phacelia gewählt. Dass dieses Saatgut doppelt so teuer ist wie die Senfsaat, nimmt er in Kauf, auch dass es aufwendiger ist, Leguminosen anzusäen. Sie müssen leicht mit Erde bedeckt werden, damit sie keimen. Damit möchte er bewusst ein Zeichen setzen und Bienen und Wildtiere unterstützen. Sein Vater, der auch Imker sei, sage ihm schon immer, wo er als Erstes die Blühmischungen aussäen soll, erzählt er schmunzelnd. Nach der Blüte beobachtet er viele Vögel in den Feldern, die sich die Samen holen. Das Wild findet in den Blühflächen Nahrung und Schutz. So lässt es die jungen Triebe der Bäume im Wald in Ruhe.

Strenger Winter wäre willkommen

Bienenweide

Nur eine Art sieht Schuster in seinen Sonnenblumenfeldern nicht gerne: Menschen, die sich einen Blumenstrauß pflücken. Das sollte nicht sein, das sei Diebstahl, findet er.

Jetzt hofft er auf einen strengen Winter, damit die Zwischenfrüchte vollständig abfrieren. Das Ramtilkraut braucht kaum Frost, für andere Pflanzen aus der Mischung muss es einige Tage richtig kalt sein. Dann muss er die Reste im nächsten Frühjahr nur leicht zerkleinern und das Feld grubbern, um wieder Mais ansäen zu können.

Wenn die Gründüngung nicht abfriert, hat er zwei Möglichkeiten: entweder den Boden intensiv bearbeiten und pflügen oder die Pflanzenreste mit Glyphosat abspritzen.

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