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Vertragsnaturschutz

Lebensqualität vor der Haustüre

Claudia Rothhammer
am
23.05.2017

Königsauer Moos - Der Landkreis Dingolfing-Landau ist Spitzenreiter beim Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm.

Vertragsnaturschutz

Violette Kuckuckslichtnelken, purpurrote Wiesen-Flockenblumen oder weiße Margeriten und Schafgarben: Im Königsauer Moos im Landkreis Dingolfing-Landau blühen diese heimischen Pflanzen noch in großer Menge in freier Natur – Landwirten wie Reinhold Wieselsberger und Sohn Martin sei Dank. Sie nehmen am Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) teil und geben so heimischen Pflanzen und Tieren Lebensraum zurück. Sehr nachahmenswert, findet Heinrich Trapp, Landrat von Dingolfing-Landau, und lud kurzerhand Medienvertreter zu einem Ortstermin ins Königsauer Moos, um für das VNP die Werbetrommel zu rühren. Es werden noch Landwirte gesucht, die mitmachen.
Autobahn, Siedlungen wie Dingolfing und Moosthenning sowie das Werk eines großen Automobilherstellers sind eigentlich nicht weit und dennoch ist das Königsauer Moos eine kleine Idylle. Bunte Blumenwiesen erfreuen das Auge, Lerche und Kiebitz das Ohr. Auf diesen Flecken im Landkreis ist der Landrat stolz. Gleiches gilt für Moosthennings Bürgermeister Markus Baierl, für den das Moos „ein Stück Lebensqualität“ vor der Gemeinde-Haustür ist, eine „Bereicherung“ für alle Gemeindebürger. Zu verdanken habe man das den Landwirten vor Ort, so die beiden Lokalpolitiker.
Landwirtschaft und Naturschutzprogramm geht nicht zusammen? Von wegen! „Bei uns hier ziehen alle an einem Strang“, untermauert der Landrat. Auch das sollte mal in der Zeitung stehen. Ohne die Landwirte wäre das VNP hier nicht so gut umsetzbar. Und der Landkreis kann sich sehen lassen: Mit einem Gesamtbestand von 386 VNP-Vereinbarungen auf über 1000 ha Fläche gehört Dingolfing-Landau sogar zu den Spitzenreitern im Regierungsbezirk Niederbayern. Die Flächen sind über den ganzen Landkreis verteilt, auch wenn die meisten VNP-Flächen im Königsauer Moos liegen. Obwohl der Landkreis schon einiges erreicht hat, wollen Landratsamt, Naturschutzbehörde und der Landschaftspflegeverband Dingolfing-Landau die VNP-Quote noch weiter erhöhen. „Auch 2018 wird es die Fördermöglichkeiten geben. Interessierte Landwirte, egal aus welcher Ecke des Landkreises, sollten sich bereits jetzt für die Antragstellung bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes melden, beraten und vormerken lassen“, so Trapp.

Lebensräume erhalten

Das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) ist ein Naturschutz-Instrument der Staatsregierung. Mit ihm werden ökologisch wertvolle Lebensräume erhalten und verbessert, die auf eine naturschonende Bewirtschaftung angewiesen sind. Landwirte, die auf freiwilliger Basis ihre Flächen mindestens fünf Jahre nach den Zielen des Naturschutzes bewirtschaften, erhalten für den zusätzlichen Aufwand und den entgangenen Ertrag ein Entgelt. Laut Bayerischen Umweltministerium wird das Programm von Landwirten sehr gut angenommen. Im Programm sind im Freistaat fast 80 000 ha landwirtschaftliche Flächen einbezogen (Stand 2015). 67 Prozent der geförderten Flächen sind Wiesen. Dafür zahlt Bayern mit Unterstützung der Europäischen Union jährlich mehr als 37 Mio. € an rund 18 000 Betriebe. In den Landkreis Dingol­fing-Landau fließen so jährlich rund 550 000 € Bewirtschaftungsentgelt. „In Zeiten preislicher Schwankungen und Unsicherheiten des Weltmarktes stellt sich das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm als verlässlicher und stabiler Partner für die Landwirtschaft dar“, so Dr. Jochen Späth, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Dingolfing-Landau.
Der Landtag hatte beschlossen, ab 2017 die jährlich bereitstehenden Mittel für das VNP bayernweit um 10 Mio. € zu erhöhen. Um einen Teil dieser Mittel auch in den Landkreis Dingolfing-Landau fließen zu lassen, beschloss der Landschaftspflegeverband mit Unterstützung der Naturschutzbehörde am Landratsamt sowie einer finanziellen Förderung durch die Regierung von Niederbayern das Beratungsangebot für Landwirte auszudehnen.
Durch dieses Engagement konnten 165 Flurstücke mit einer Gesamtfläche von 162 ha in das VNP aufgenommen werden, was einem jährlichen Finanzvolumen von 100 258 € entspricht. 91 ha davon waren bereits in den vergangenen fünf Jahren im VNP und wurden von den Landwirten verlängert. 71 ha waren bisher intensiv bewirtschaftet und wurden neu ins Programm aufgenommen. „Alle diese Flächen werden nun fünf Jahre lang von den Landwirten nach naturschonenderen Kriterien bewirtschaftet“, so Matthias Walch von der Unteren Naturschutzbehörde.
Maßnahmen, die die Landwirte vereinbaren können, sind: Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutz, Verschiebung des Wiesen-Schnittzeitpunktes auf einen späteren Termin, Bewirtschaftungsruhe in der Brutzeit der Wiesenbrüter sowie tierschonende Mähweisen. „Erfreulicherweise konnte auch die Umwandlung von Acker- in Grünland sowie die Verwendung tierschonender Messerbalken-Mähwerke auf einigen neuen VNP-Flächen vereinbart werden“, so Walch.
Seinen Kollegen kann Martin Wieselsberger die Teilnahme am VNP nur empfehlen. „Klar, man muss aufpassen, dass man alle vereinbarten Maßnahmen auch einhält. Auch flexibles Handeln ist manchmal gefragt, aber es lohnt sich für die Natur.“ Auch sein Vater kann dem nur zustimmen. Er ist seit 31 Jahren mit dabei – aus Überzeugung. Er habe sich gewünscht, dass sich auf seinen Wiesen selten gewordene Vögel und Pflanzen wieder heimisch fühlen. „Jetzt freue ich mich jedes Jahr, wenn hier wieder die Korn- und Mohnblumen blühen.“

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