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Internationaler Austausch

Mäster aus dem Reich der Mitte

Wilhelm Kolb
am
07.12.2016

Esterndorf - Eine Chinesische Delegation hat einen niederbayerischen Vorzeigebetrieb im Landkreis Rottal-Inn besucht.

Chinesische Delegation

Eine zehnköpfige Landwirtschaftsdelegation aus China hat den sehr renommierten Schweinemastbetrieb von Robert Willnecker in Esterndorf besucht – die Inhaber von Firmen der Futtermittelherstellung und z. T. zudem vom Großmastbetrieben informierten sich über die Schweinehaltung und Schweinefleischproduktion in Bayern, vor allem auch unter wesentlichen Gesichtspunkten der Stall- und Tierhygiene.
Die chinesischen Futtermittelproduzenten und Großmäster aus den verschiedensten Gebieten des „Riesenreiches“ von der Mongolei im Norden bis Guangdong im Süden sind im Rahmen ihres Besuchs bei der weltweiten und wohl weltgrößten Leitmesse für Tierhaltung und -management, der von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft alle zwei Jahre veranstalteten Fachausstellung „EuroTier“ in Hannover, auf eine weiterführende einwöchige Info-Tour durch Deutschland gegangen – nach Hamburg, Nürnberg und eben Südostbayern.
Dolmetscher und „Reiseleiter“ Dr. Hongzhe He, Managing Direktor der Beijing Xigehengsheng Agriculture and Animal Husbandry Technology Co. Ltd., der in Deutschland studiert und seinen Doktortitel gemacht hat, ließ dafür seine Kontakte zur Düngekalkgesellschaft mbH (Düka, Barbing) spielen, wobei ihn Dipl.-Ing. Herbert Molitor, Geschäftsführer der Bayer. Düka-Werbe- und Marketing GmbH unterstützte. Dass die Wahl gerade auf den Schweinemastbetrieb von Robert Willnecker fiel, ist auch kein Zufall, denn dieser ist einer der erfolgreichsten seiner Branche im Lande, was sich auch im aktuellen Ranking niederschlägt, wie Dr. Hongzhe He weiß.
Herzlich begrüßte Robert Willn­ecker die Gäste aus China – sowie BBV-Kreisobmann Hermann Etzel und Geschäftsführer Veit Hartsperger, den Vorsitzenden des Schweinemastrings Rottal-Inn, Josef Reitberger und Hans Auer, den Vorstandsvorsitzenden der Erzeuger-Gemeinschaft Südostbayern e.G. (Sitz in Pocking). Der Betriebsleiter informierte über die bayerischen Produktionsstrukturen, das staatliche Kontrollwesen und die Hygienevorschriften sowie die Standards bei Tierschutz, Futtermitteln etc. Zur Stärkung gab’s für alle einen leckeren niederbayerischen Schweinebraten mit Semmelknödeln und Kraut.

1375 Mastplätze und 145 ha Acker

Nun stellte Robert Willnecker seinen bayerischen Familienbetrieb vor, den er mit seiner Frau Ingrid und Juniorchef Patrick führt – zum Helfen ist heute auch Tochter Verena Maier gekommen. Im landwirtschaftlichen Bereich umfasst die Bewirtschaftung 145 ha Ackerfläche (hauptsächlich Raps, Winterweizen, Körnermais), dazu kommen noch 7 ha Blühflächen (ökologische Vorrangflächen); im Bereich Schweinefleischproduktion sind’s 1375 Mastplätze; ein „kleiner Agrarhandel“ (u. a. jährl. ca. 12 000 t Getreidedünger und Mineraldünger) gehört noch dazu. Für die Erntezeit stellt Willnecker zwei Helfer ein, sonst wär’s nicht zu schaffen.
Weitere Einzelheiten erläuterte der Betriebsleiter beim anschließenden Rundgang: Es ging zur Trocknungsanlage (3 MW – hauptsächlich Mais, bei schlechtem Wetter auch Getreide), zu den Silos (3000 t) und zur Schweinehaltung, wo es aber beim Blick durch die Fenster bleiben musste. Der Tagesbedarf an Futter liegt zwischen 3 und 4 t; gegeben wird Wintergerste, Winterweizen, Soja hoher Qualität und Mineralfutter; die Gewichtszunahme belief sich 2015/16 auf 878 g täglich bei gerechneten 112 Futtertagen; das Verkaufsgewicht liegt bei 126 kg.
„Größten Wert legen wir bei der Einstallung der Ferkel auf Hygiene“, unterstrich Robert Willnecker und erläuterte dieses Prozedere eigens. Auch bei der Mast gilt der Hygiene besonderes Augenmerk. Laut Willn­ecker wird während der Mast ein- bis zweimal das Hygieneeinstreumittel Dekamix (Hygienekalk-Einstreupulver aus verschiedenen Kalk-Komponenten zur Bindung von Feuchtigkeit) verwendet – dadurch seien die Schweine vitaler, die Keimbelastung sinke und trocken bedeute, dass sich die Schweine wohler fühlen würden.
Eifrig verfolgen die chinesischen Futtermittelhersteller und Fleischproduzenten (Schweine und Rinder) die Übersetzungen von Dr. Hongzhe He mit, machen sich viele Notizen, ob mit Stift und Block oder gleich auf dem Tablet bzw. Smartphone. Immer wieder kommen Nachfragen. Vor allem die Geschäftspartner Chen Bingdian und Kuang Yinggu, der eine Inhaber eines Futtermittelwerkes für Premixe (200 000 t Jahreskapazität), der andere Schweinegroßmäster (10 000 Sauen plus Nachzucht) fangen schon gemeinsam das Kalkulieren an. Auch Chen Fan ist bei der Diskussion dabei, unterstehen ihr doch die Mischfutter-Herstellung in einer Größenordnung von 1,2 Mio. t jährlich sowie ein Schweinemastbetrieb mit 3000 Mastplätzen und eigener Nachzucht.

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