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Biogas

Maisstroh als Alternative

Boigas-Fachtag
Gerd Kreibich
am
22.05.2018

40. Niederbayerischer Biogas-Tag stellt in Pocking neue Ideen zur Energiegewinnung vor.

Was taugt Körnermaisstroh als Füllung für Biogasanlagen? Dieses Thema beschäftigte Landwirte aus ganz Niederbayern beim Biogas-Tag der Regionalgruppe Niederbayern des Fachverbandes Biogas. Die Veranstaltung auf dem Betrieb von Biogas-Pionier Gerhard Zöls in Oberindling bei Pocking war dabei auch ein kleines Jubiläum: Zum 40. Mal wurde der Biogas-Tag durchgeführt und noch immer erfreut sich die Informationsreihe großer Beliebtheit bei den Betreibern von Biogasanlagen und Landwirten, die sich für diese Technologie interessieren.

Gerhard Zöls berichtete im Rahmen der Veranstaltung von seinen ersten Praxiserfahrungen beim Einsatz von Körnermaisstroh, außerdem stand das Thema „Erneuerbares Methan aus Strom & Gas“ und eine Vorstellung der Imagekampagne „Unsere bayerischen Bauern“ auf der Tagesordnung des Treffens.
Robert Wagner, Abteilungsleiter für den Bereich „Biogas und Mobilität“ beim Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk Carmen, begrüßte die Teilnehmer.
Landwirt Gerhard Zöls stellte seine Biogasanlage vor, die er an zwei verschiedenen Standorten mit einer installierten Leistung von 1,7 mW betreibt. Die Anlage ist ein professionell und effektiv geführtes Unternehmen: Am Standort Oberindling wird eine Getreidetrocknungsanlage versorgt, dazu erhalten rund 50 Hausanschlüsse von hier aus Wärme. Am Standort Pocking ist Herhard Zöls Lieferant für öffentliche Einrichtungen: Das Schulzentrum mit Grund- und Mittelschule, ein Gymnasium mit drei Turnhallen, das örtliche Hallenbad sowie eine Seniorenwohnanlage.

„Wenn im Winter morgens um sieben Uhr die Schulhausmeister die Heizungen einschalten, dann muss das laufen, da kommen wir dann schon an eine Spitze, die wir mit unseren beiden großen Puffertanks absichern“, erläuterte Zöls.

Neben der betriebseigenen Gülle von 2000 Schweinen und zugekauftem Hühnermist setzte Gerhard Zöls bislang überwiegend Energiepflanzen wie Silomais, Getreide-GPS oder Sudangras zur Beschickung der Anlagen ein. Doch seit dem vergangenen Jahr ist das Spektrum größer geworden: auf 170 ha Fläche wurde Körnermais angebaut, als Zeitnutzung wurde erstmals auch das angefallene Maisstroh abgeerntet mit dem Ziel, es in der Biogasanlage einzusetzen.

Umfangreiche Umbaumaßnahmen

Doch vor der ersten Ernte waren umfangreiche Umbaumaßnahmen durchzuführen, um die technischen Voraussetzungen für Ernte und Nutzung zu schaffen: Ein Pflückvorsatz für den Mähdrescher und eine mechanische Zerkleinerungs- und Aufbereitungsanlage mussten angeschafft werden. Mit der jetzt eingesetzten Technik und auch mit der Energiebilanz in der Biogasanlage ist Gerhard Zöls zufrieden, doch er räumt beim Rundgang auch ein, dass nicht alles von Anfang an reibungslos geklappt hat: „Den hohen Arbeitsaufwand für die Ernte und die Einsilierung des Strohs habe ich sicher unterschätzt, aber aus solchen Erfahrungen kann man lernen“, bestätigt er.

Doch für ihn überwiegen die Vorteile: „Beim Einsatz von Körnermaisstroh braucht es keine zusätzliche Anbaufläche“, so Gerhard Zöls. Und es gibt noch einen anderen Aspekt: „Immer noch gibt es ja in der Öffentlichkeit die Teller-Tank-Diskussion, ob man Lebensmittel für die Produktion von Energie einsetzen kann. Diese Diskussion wird durch die Maisstrohnutzung sicher etwas entschärft.“ Für Betreiber, die zukünftig sich an Ausschreibungen beteiligen müssen, gibt er noch einen interessanten Hinweis: „Maisstroh nicht auf den sogenannten Maisdeckel angerechnet.“

Überschüssigen Strom nutzen

Nach der Besichtigung der Anlage Zöls ging es von der Praxis zur Theorie in Form von zwei interessanten Vorträgen unter Moderation von Markus Bäuml, Referent des Regionalbüros Südost des Fachverbands Biogas e. V. Zunächst ging Karsten Seebauer, Technischer Leiter von Micro-Pyros GmbH, auf das Thema „Power to Gas – Erneuerbares Methan aus Strom und Biogas“ ein. Die in Straubing ansässige Firma hat ein biologisches Verfahren entwickelt, bei dem durch Elektrolyse gewonnener Wasserstoff mit CO2, das beispielsweise aus Biogasanlagen stammen kann, zu Methan umgesetzt wird. Dieses kann dann zur Strom- und Wärmegewinnung oder in der Mobilität eingesetzt werden. „Der Energiegehalt dieses erneuerbaren Methans wird durch diesen Prozess deutlich erhöht“, so Karsten Seebauer. Nach umfangreichen Forschungen im Labor- und Technikumsmaßstab wird derzeit an der Abfallvergärungsanlage im oberbayerischen Schongau eine erste Demonstrationsanlage aufgebaut. „Als Energiequelle für den Elektrolyseur wollen wir vor allem überschüssigen Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen einsetzen.

Eva-Maria Haas

Viel beachtet wurde die Präsentation von Eva-Maria Haas vom Verein Unsere bayerischen Bauern e. V., die den Anwesenden den 2016 gegründeten Förderer- und Fürsprecher-Verein der bayerischen Landwirte vorstellte. „Unser Ziel ist es, Wertschätzung und Akzeptanz der Verbraucher für unsere bayerische Erzeugung zu verbessern“, hielt sie fest. Die Imagekampagne umfasse deshalb alle Bereiche der heimischen Landwirtschaft, auch den wichtigen Bereich der Energieerzeugung. „Wir wollen beispielsweise auch mit großen Plakataktionen aufzeigen, dass unsere landwirtschaftlichen Betriebe für eine umweltverträgliche Erzeugung von Energie stehen“, so Eva-Maria Haas.

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