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Fleischmarkt

Mehr Schweine für China

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
08.07.2019

Erzeugergemeinschaft Südbayern informiert über aktuelle Marktentwicklungen.

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In seiner Hauptversammlung informierte die Erzeugergemeinschaft Südbayern im Landgasthof Schwinghammer in Staudach über aktuelle Entwicklungen im Marktgeschehen und in der Genossenschaft sowie die Bilanzzahlen des vergangenen Geschäftsjahres. Die Verschmelzung mit der Erzeugergemeinschaft Oberbayern im Jahr 2018 wurde dabei als wichtiges „Schlüssel- ereignis“ gewertet.

Nach der Begrüßung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Wagner erstattete Vorstandsvorsitzender Hans Auer den Geschäftsbericht. „Wir haben eine offensichtliche Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Lage unserer Betriebe und der Stimmungslage auf den Höfen“, stellte er mit Bedauern fest. Die öffentliche Diskussion sei beherrscht von „grünen“ Themen, die nicht mehr von Praktikern, sondern in vielen Fällen von Ideologen bestimmt werden, lautete eine kritische Aussage Auers.
Doch was kann der Bauernstand gegen diese Entwicklung tun? „Man wäre gut beraten, die Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe des Vereins „Unsere Bayerischen Bauern“ voranzutreiben und zu unterstützen, lautet Auers dringende Empfehlung. Dies sei vor alle wichtig, um wieder „Wahrheit und Klarheit“ in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Gleichzeitig, so Auer, hätten sich die Strukturen auf der Abnehmerseite stark geändert: „Die zehn größten Schlachthofbetreiber sowohl bei Schweinen als auch bei Rindern decken fast achtzig Prozent des Gesamtmarktvolumens ab“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende. Die gleiche Feststellung sei für den Lebensmitteleinzelhandel zu treffen: Auch hier decken die Top Ten achtzig Prozent des Marktvolumens ab. „Die Zeiten von wachsenden Märkten sind für die tierische Veredelung, aber auch für uns als Vermarkter vorbei“, so Auers Prognose.
Doch der Vorstandsvorsitzende sieht die Organisation bestens auf diese Entwicklung vorbereitet, weil durch die Verschmelzung mit der Erzeugergemeinschaft Oberbayern im vergangenen Jahr ein weitreichender Strukturanpassungsprozess umgesetzt wurde. In den verschiedenen Geschäftsstellen laufe eine Reihe von Zusammenlegungs- und Synergieprozessen, die Effektivitätssteigerungen und Kosteneinsparungen nach sich ziehen. Das Umsatzvolumen des Jahres 2018 mit rund 1,35 Mio. vermarkteten Schlachtschweinen, 1,4 Mio. Ferkeln, 80 000 Schlachtrindern und rund 60 000 Kälbern und Fressern verdeutlicht die Marktbedeutung der Genossenschaft, die sich auch in den Bilanzzahlen wiederspiegelt. Ein Gesamtumsatz von 424 Mio. € bei der Genossenschaft und dem Tochterunternehmen Ladap bei einer Eigenkapitalquote von 60 % und einem Eigenkapital von 26 Mio. € sieht Auer als Beleg für die wirtschaftliche Stärke.
„Wirtschaftliche Stärke ist ein Baustein, aber auch die Entwicklung und die aktive Marktbearbeitung sind für die Zukunft für dauerhaften Erfolg unverzichtbar“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Mit einer innovativen Abrechnungsalternative bei Schweinen und dem weiteren Ausbau der Betriebe in Vilshofen und Landshut seien dazu die Voraussetzungen geschaffen worden. Deutlich wurde aber auch, dass die Herausforderungen und ungelösten Fragen immer mehr zunehmen und der politische Rückhalt zur Lösungsbewältigung fehlt, „übrigens völlig losgelöst von den Parteifarben“, merkte Hans Auer an.

Reichlich Probleme auf dem Schweinemarkt

Vorstand Willi Wittmann erstattete Bericht über den Ferkel- und Schweinemarkt, der nach seiner Einschätzung derzeit mit reichlich Problemen beladen ist. So schrumpft der Inlandsverzehr bereits seit Jahren und selbst die aufnahmefähigen Exportmärkte sind nur sehr schwer zu bedienen, weil die Produktionsbedingungen und -kosten bei den wichtigsten Wettbewerbern gerade auf dem amerikanischen Kontinent deutlich unter den deutschen Voraussetzungen liegen. Er sieht eine deutliche Diskrepanz zwischen der Entwicklung der Bevölkerungszahlen und dem Streben nach ausreichender Ernährung auf den Kontinenten Asien und Afrika und dem gegenläufigen Wohlstands- und Bevölkerungstrend in Europa. „Während der Welthunger ungebrochen wächst, sehen wir uns mit Problemen wie dem Kastrationsverbot, dem Schwanzkupieren oder gar der Afrikanischen Schweinepest konfrontiert, die sämtlich weitgehend ungelöst auf die tierische Veredlung einstürzen“, so Wittmann.
Große Sorge bereitet ihm der rasante Strukturwandel, der sich durch die Verschärfung der Düngeverordnung noch deutlich beschleunigen dürfte. So ist seit dem Jahr 2000 die Hälfte der Zuchtsauenplätze weggebrochen und 60 % der Zuchtsauenhalter haben die Stalltüren für immer geschlossen. „Die Schweinemäster sind mittlerweile auf umfangreiche Ferkellieferungen aus anderen Regionen Deutschlands angewiesen“, mahnte Wittmann.
Aber auch die Mast verliert ganz erheblich. Im Zeitraum der letzten fünf Jahre wurden allein in Niederbayern pro Jahr 200 000 Schweine weniger gemästet. Dennoch: Das Preisniveau ist derzeit „sehr erfreulich“, so Wittmann. Begründet sei es bei Ferkeln und Mastschweinen durch einen Nachfrageboom aus China, bedingt durch das dortige ASP-Geschehen. Nach Wittmanns Ansicht ist dieser „China-Hype“ durchaus von längerfristiger Natur, „auch wenn die ganze Welt nach diesen gigantischen Nachfragemengen schielt“, erklärte der Schweineexperte.

Rindfleisch: Die Chancen liegen in der Qualität

Weniger optimistisch als der Schweinemarkt gestaltet sich derzeit der Rinderbereich, der vom Prokuristen Erwin Hochecker vorgestellt wurde. Der gravierendste Unterschied ist nach seiner Meinung der Umstand, dass Europa weitgehend unabhängig vom Weltmarktgeschehen ist, weil kaum Überschüsse vorhanden und auch künftig nicht zu erwarten sind. „Rindfleisch ist ein Genuss- und Hochpreisprodukt, so dass wir unsere Chance im Qualitätssegment haben“, verdeutlicht Hochecker. „Mit der Entscheidung für Europas größten Rinderschlachthof Waldkraiburg haben wir die richtige Partnerwahl getroffen. Er kann durch seine Größe und Zerlegekompetenz den Markt bedienen.“
Unterstützung wird durch die Erzeugergemeinschaft mit einem durch EU-Mittel geförderten Marketing geleistet, in das allein im vergangenen Jahr mehr als 400 000 € geflossen sind, die zu spürbaren Steigerungen des Rindfleischabsatzes aus bayerischer Produktion in der anspruchsvollen Gastronomie geführt haben. Hochecker ist davon überzeugt, dass sich der Rindermarkt kurzfristig wieder festigen wird, weil sich an den grundlegenden positiven Eckdaten nichts verändert hat.
Von Kristina Aberle vom Genossenschaftsverband Bayern wurden die Bilanzkennzahlen noch einmal in detaillierter Form aufgeschlüsselt, einschließlich des Ergebnisverwendungsbeschlusses, der eine dreiprozentige Dividende für die Mitglieder vorsieht. Dem uneingeschränkten Prüfungsvermerk und der jeweils einstimmigen Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stand somit nichts mehr im Wege.
Darüber hinaus standen Neuwahlen in die Gremien auf der Tagesordnung. Alle Kandidaten stellten sich der Wiederwahl und somit wurden Vorstand Thomas Schindlbeck aus Aign bei Landshut, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Franz-Josef Graf aus Geisenhausen, August Hasreiter aus Vilshofen, Michael Liebl aus Rinchnach, Konrad Loibl aus St. Wolfgang und Alois Wenninger aus Hofkirchen jeweils einstimmig wiedergewählt.
Für Max Gilch aus Offenberg, der aus Altersgründen ausgeschieden ist, wurde keine Nachwahl durchgeführt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Wagner würdigte die jahrzehntelange erfolgreiche und konstruktive Arbeit im Aufsichtsrat mit einem kleinen Geschenk.
In seinem Schlusswort betonte der Wagner, dass sich die gemeinsame Vermarktung in der Genossenschaft gerade in schwierigeren Zeiten als lösungs- und zielorientiert erweist und aus dem Marktgeschehen als aktiver Faktor nicht mehr wegzudenken ist. Gerd Kreibich
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