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Düngeverordnung

Es muss nachjustiert werden

bbv-amberg
Lorenz Märtl, Gerd Kreibich
am
20.05.2019

Amberg-Sulzbach: Protest gegen die Einstufung der „roten Gebiete“ wird lauter.

Werden die Grundwassermessstellen, die für die Kennzeichnung der „roten Gebiete“ eingesetzt werden, einer umfassenden Überprüfung unterzogen? Eine ganze Reihe von Landwirten im Landkreis Amberg-Sulzbach wartet auf eine entsprechende Entscheidung. Sie protestieren derzeit energisch gegen die beiden ausgewiesenen Gebiete. Denn sie können in keinster Weise nachvollziehen, wie es zu dieser Einstufung gekommen ist.
Deutlich Fahrt aufgenommen hat die Angelegenheit in den letzten Wochen. Zunächst fand ein von MdL Harald Schwartz initiiertes Treffen mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes und dem Bauernverband in Gebenbach statt. Dann nutzte Georg Straller, stellvertretender Bezirksvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft ELF (Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) und selbst von der Einstufung Betroffener, die Landesversammlung der Rotwildhalter in Schwandorf, um Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber persönlich mit dem Anliegen der Bäuerinnen und Bauern im Kreis Amberg-Sulzbach zu konfrontieren.

Künftig gegen Diffamierungen vorgehen

Straller äußerte erhebliche Zweifel, dass für die erhöhten Nitratwerte in den roten Gebieten nur die Landwirte verantwortlich sein sollen. Bei Durchsicht der Messwerte habe man festgestellt, dass der einzige Wert, der über der „Messlatte“ lag, auf einer Deponie liege. Straller kündigte an, dass man mit Diffamierungen in Zukunft anders umgehen und juristische Schritte prüfen werde.
„Die angeblichen Ackergifte im Grundwasser kommen aus den Deponien“, stellte Straller fest und untermauerte dies mit dem Hinweis auf einen Landwirt aus dem gleichen Bereich, der den Wert in seinem Karpfenteich messen ließ, in den die Drainagen seiner Ackerflächen münden. „Er hat Messwerte im Nanobereich und der Brunnen aus meinem Verbandsgebiet, der auch im roten Gebiet Burglengenfelder Wall liegt, hat Werte von 7,8 Milligramm, das ist doch völlig unlogisch“, so Straller. Eine seiner Hauptforderungen ist deshalb eine „JGKKS“-Verordnung, die Jauche, Gülle, Kläranlagen, Kanal und Sickersaft umfasst, denn: „Es kann doch nicht sein, dass Klärschlamm nicht, aber Gülle doch als wassergefährdend eingestuft wird.“
Sie werde sich dafür einsetzen, dass das Messstellennetz für das Grundwasser auf den Prüfstand kommt, kündigte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber an. „Wenn man bei der Feinstaubdiskussion darüber diskutiert, ob die Messstellen an der richtigen Stelle sind, dann muss für die Landwirte das gleiche gelten wie für die Industrie“, so die Ministerin.

Erst mehr wissen vor weiteren Einschränkungen

Im Rahmen der erneuten Verschärfung der Düngeverordnung würden auf Landwirte in den roten Gebieten weitere Einschränkungen zukommen. Vor solchen – und das hatten Bundestagsabgeordnete der Unionsfraktion, darunter auch die ELF-Landesvorsitzende Marlene Mortler, bekräftigt – wären umfassendere Kenntnisse über die Eignung der Messstellen sowie über die weiteren Eintragsquellen und deren Reduktion notwendig. Mortler kündigte an, alles zu tun, „damit die geforderten Verschärfungen nicht in voller Härte auf die Betriebe zukommen“. Auf diese klaren Ansagen setzt man jetzt auch im Kreis Amberg-Sulzbach.
Hubert Hofmann, Geschäftsführer des BBV in der Oberpfalz und Experte für Fragen zur Problematik der roten Gebiete, bestätigte auf Anfrage, dass noch im Juni ein Gespräch stattfinden werde mit Vertretern der zuständigen Ministerien, in dem die Anliegen der Landwirtschaft noch einmal auf den Tisch gebracht werden sollen. „Mittlerweile setzt sich auch in der Politik die Erkenntnis durch, dass die Messstellen in ihrer Platzierung überprüft werden müssen“, so Hofmann. Die Chancen für eine „Nachjustierung“ stünden nicht schlecht, betont der BBV-Geschäftsführer. Der Verband werde in dieser Angelegenheit am Ball bleiben.
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