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Artenvielfalt

Naturschutz mit Zukunft

Franz-GK-2
Sabrina Melissa Melis
am
24.06.2019

Positive Bilanz des „F.R.A.N.Z.“-Projektes in Dingolfing-Landau auf dem Betrieb von Kreisobmann Friedhelm Dickow in Ruhsam bei Mamming.

Im Herzen des Landkreises Dingolfing-Landau in Ruhsam bei Mamming, bewirtschaftet BBV-Kreisobmann Friedhelm Dickow auf 70 ha einen konventionellen Hof und betreibt dabei Nachhaltigkeits- und Biodiversitätsmaßnahmen, die Besucher aus ganz Deutschland auf den Hof bringen – ein wahres „Feldexperiment“. Dickows Hof ist einer von nur zehn Betrieben deutschlandweit, die im Rahmen des „F.R.A.N.Z“-Projektes „Für Ressourcen, Agrarwissenschaft und Naturschutz mit Zukunft“ Nachhaltigkeit, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit auf eine Linie bringen. Damit wurde er bereits 2018 als „Naturschutzpartner Landwirt“ ausgezeichnet.

Bäuerlicher Familienbetrieb

„Mich freut es, dass wir hier auf dem Hof unseres Kreisobmanns in Dingolfing-Landau sind“, sagte Bayerns BBV-Präsident Walter Heidl. „Mit den Erkenntnissen aus diesem Projekt wollen wir vorwärtskommen.“ Zehn Betriebe sind es deutschlandweit, die sich am Verbundprojekt F.R.A.N.Z. für effiziente Biodiversitätsmaßnahmen beteiligen und die sich verpflichtet haben, zehn Jahre lang die Maßnahmen auf 5 bis 10 % der Betriebsfläche umzusetzen. Das Projekt ist ein Zusammenschluss der Umweltstiftung Michael Otto und des Deutschen Bauernverbandes, ressortübergreifend gefördert durch die landwirtschaftliche Rentenbank, das AELF und das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums. Es wurde 2019 von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung im Bereich Forschung ausgezeichnet. Zwei Betriebe wurden in Bayern ausgesucht, wie BBV-Präsident Walter Heidl erklärte, einer davon „ein richtig bäuerlicher Familienbetrieb“, so der BBV-Präsident, eben der Hof von Friedhelm Dickow. Hier können Erkenntnisse abgeleitet werden, was man in der Praxis umsetzen kann“, so Heidl, der aber auch betonte: „Wir haben zu wenig darüber geredet, was wir schon geleistet haben.“
Mit dem Blick auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sehen sich viele Landwirte als die Leidtragenden. „Es ist entscheidend wichtig, dass man jetzt bei der Umsetzung auswertet: Was wird kommen, wie kann man es erfüllen – wo sind die Haken und Ösen?“, sagte Ministerialdirigent Konrad Schmid in die Runde von Landwirten, Kommunalpolitikern und Entscheidungsträgern des Bayerischen Bauernverbands.
Friedhelm Dickow stellte seinen Hof vor: Von den 70 ha sind rund 2,3 ha Wiesen und 23 ha Wald. Die Biogasanlage wird von fünf Betrieben geteilt, die auch zusammen eine Maschinengemeinschaft gegründet haben, insgesamt bewirtschaften sie 650 ha. Dominik Himmler war auf Dickow zugekommen, wie er erzählte. „2016 war das mit dem Artenschutz noch nicht so brandaktuell“, wusste er. Aber innerhalb des Bauernverbandes waren Blühstreifen bereits ein Thema. „Jetzt sind wir mittendrin“, sagte er. Mittlerweile ist Dickows Hof eine Anlaufstelle für Besichtigungen: Vertreter des Bauernverbands, Politiker und Naturschutzvertreter waren bereits am Hof unterwegs. Die Blühstreifen sind natürlich der Hingucker. Darüber hinaus hat Dickow blühendes Vorgewende aus einer Leguminosenmischung mit zwölf Arten gesät sowie Getreide mit einer Untersaat mit zwölf Kleearten als Nahrungsgrundlage für Bestäuber – aber auch zur Verbesserung des Bodengefüges – angelegt. Bei der Grünlandextensivierung reduzierte er die Nutzung auf einen späten Schnittzeitpunkt ab August.

Maßnahmen müssen umsetzbar sein

„Was mir besonders am Herzen liegt: Wir haben hier besonders viele praktische Landwirte“, sagte Dominik Himmler, Geschäftsführer der Bayerischen KulturLandStiftung. Das Projekt F.R.A.N.Z. sei ja kein abstrakter Versuch, die Realität abzubilden, sondern erprobte Maßnahmen direkt in der Praxis. Landwirte und Naturschützer erarbeiteten gemeinsame Naturschutzmaßnahmen – und ob diese praxistauglich und auch wirtschaftlich tragfähig seien.
Dr. Claudia Kriegebaum, Projektleiterin der Bayerischen KulturLandStiftung, erläuterte die Maßnahmen auf dem Dickow-Hof im Einzelnen. Ein überjähriger Blühstreifen, gezielt angedacht für Feldlerchen, wurde angesetzt, rein aus regionalen Wildarten bestehend, niedrigwüchsig mit geringer Saatstärke, dafür mit einer Blühdauer von März bis Oktober.

Zwei Lerchenfenster
auf jedem Hektar

Lerchen brüten auf dem Boden und suchen sich Äcker mit lichten Stellen. Für sie wurden eigens Lerchenfenster auf dem Dickow’schen Feld geschaffen. Das Anlegen ist denkbar einfach: Bei der Saat wird die Maschine einfach für einige Meter angehoben, sodass eine nicht-gesäte Freifläche von ungefähr 20 m² entsteht, auf der Feldlerchen brüten können und Nahrung finden. Zwei Fenster pro Hektar sind ausreichend. Befahren wird erst ab 15. Juli – gespritzt und gedüngt wird nicht. Das Mais-Stangenbohnen-Gemenge wird in der Biogasanlage verwertet. Auf den Flächen ist eine Entwicklung sichtbar, die bisherige Ergebnisse der Botanik belegen: Die Blühstreifen sind artenreich. Bis zu 40 Arten wurden gefunden. Im Gegensatz dazu waren es 2017 nur elf Arten im Blühstreifen, neun im Getreide und Grünland und acht im restlichen Habitat. 525 Tagfalter waren es im Blühstreifen insgesamt, 460 im Getreide und 130 im Grünland sowie 105 im Habitat.
Auch bei den Wildbienen hat sich einiges getan: Neun verschiedene Hummelarten konnten aufgefunden werden, davon eine Art mit drei Individuen von der „roten Liste“. Zwei Arten stehen auf der Vorwarnliste. Neben der F.R.A.N.Z-Fläche wurden sogenannte Referenzflächen beobachtet und die Ergebnisse gegenübergestellt. Die Projektflächen schnitten dabei deutlich besser ab.
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