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Leaderprojekt

Im Netz nach Kunden fischen

Schafe
Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
15.05.2017

Rottal-Inn - Die Rottaler Direktvermarkter nutzen die EU-Förderung, um ihren Internet-Auftritt auf Hochglanz zu bringen.

Direktvermarktung ist kein leichtes Geschäft. Der Verein für ein Bäuerliches Rottal-Inn hat sich deshalb jetzt Hilfe geholt: Mit einem Leader-Projekt kann jetzt aus europäischen Finanztöpfen die Öffentlichkeitsarbeit für die Direktvermarktung finanziell unterstützt werden. Der Verein konnte durch die Finanzspritze sogar zwei Profis engagieren, die sich um die Präsenz der Rottaler Direktvermarkter auf allen Ebenen kümmert. Eineinhalb Jahre dauert die Aktion, danach müssen die Vereinsmitglieder die Werbung wieder alleine stemmen. Dass dies gelingt, darin sind sich alle Beteiligten sicher. „Wenn es erst einmal läuft, dann läuft’s“, sagt Vereinsvorsitzender Ludwig Reil.
Dabei sah er die Zukunft der Direktvermarkter vor einem Jahr noch nicht so rosig. „Wir standen an einem Punkt, wo man sich entscheiden musste. Lösen wir uns auf und jeder kümmert sich nur um seinen eigenen Hof oder geben wir noch einmal Gas.“ Hoffnung gab es vor einigen Jahren mit den Bemühungen des neuen Landrats, der sein Wahlversprechen einer optimierten Kreisentwicklung einhalten wollte. Viele Arbeitskreise wurden damals gegründet, manches verlief im Sande, doch die Direktvermarkter nutzten die Chance. „Damals war noch von einer eigenen Lebensmittelmarke die Rede, aber wir Praktiker wissen, davon sind wir noch meilenweit entfernt. Wir haben nicht ein besonderes Produkt, das wir gemeinsam vermarkten, wie etwa den Wein in Franken. Bei uns sind die Unterschiede das Besondere. Jeder stellt mit Leidenschaft ein anderes Lebensmittel her. Das kann man auch positiv sehen: Der Landkreis Rottal-Inn ist das Land, in dem Milch und Honig fließen und noch viel, viel mehr.“

Verein holt sich Hilfe von Profis

Nachdem die Zusage vom Leader-Management im Landratsamt Pfarrkirchen gekommen war, schrieb der Verein die nötigen Leistungen aus, die bei Experten eingekauft werden sollten. Daraus gingen zwei Profis aus der Region hervor: Projektmanagerin Mia Goller und der Gestalter Andreas Biermeier, der Homepages und Werbemittel erstellt. „Ich war selber jahrelang in der Direktvermarktung aktiv, daher weiß ich, was unser Rottal-Inn alles kann. Unsere Stärke ist die Vielfalt, dazu müssen wir stehen und das müssen wir unseren Kunden verkaufen“, sagt Goller. Sie will das Bewusstsein der Menschen für Produkte aus ihrer Region schärfen. Dazu gehört einerseits die neue Homepage, bei der mit einem Klick zu sehen ist, welcher Landwirt welches Produkt anbietet. 20 Erzeuger sind bisher aufgelistet, es werden aber stetig mehr. „Eine meiner Aufgaben ist es auch, neue Mitglieder zu finden. Wenn diese sehen, dass unser Verein wirklich etwas bewirken möchte, sind sie gerne dabei.“
Neben der Homepage werden auch neue Flyer erstellt und es gibt bald einen gemeinsamen Verkaufs- und Infostand, mit dem sich der Verein auf Messen und auf Märkten präsentiert. Gollers Rezept: „Vernetzung ist wichtig: im Landkreis, mit Verwaltung, Kommunen, Vereinen, Verbänden und regionalen Machern einerseits, aber auch mit Nachbarregionen und überregionalen Institutionen. Es geht hier um gesundes Essen, um den Erhalt der ländlichen Strukturen, um den Erhalt der Kulturlandschaft. Darauf können wir stolz sein und dafür stehen wir ein.“ Zudem setzt der Verein auch auf neue Medien. „Uns gibt’s auf Twitter, Facebook und Instagram, da war unser erster Fan sogar Innenminister Joachim Hermann“, schmunzelt Vorsitzender Ludwig Reil.
Gerade in den vergangenen Jahren ist im Rottal das Phänomen der Heimkehrer zu beobachten. „Menschen, die hier aufgewachsen sind, gehen in die Großstadt zum Studieren und kehren dann mit ihren Familien wieder zurück aufs Land“, wie Goller erklärt und sie hat immer wieder erfahren:  „Diese Kunden kaufen gerne Produkte aus ihrer alten Heimat. Wo gibt’s hier was, ist dann die große Frage. Und diese Frage können wir im Internet leicht beantworten.“ Der Verein für ein bäuerliches Rottal-Inn setzt also auf kundenfreundliche Informationen auf allen Kanälen. „Wenn man damit die potenziellen Kunden gut erreichen kann, dann ist es fast schon eine Pflicht, die modernen Medien zu nutzen“, davon sind Mia Goller und Ludwig Reil überzeugt.

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