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Wasserschutz

Ein Netzwerk für Wasser und Boden

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
11.04.2018

Forum „boden:ständig“ des Amtes für ländliche Entwicklung Niederbayern diskutiert.

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Auf Einladung des Amtes für Ländliche Entwicklung Niederbayern diskutierten über 200 interessierte Besucher, darunter viele Bauern, im Gotischen Kasten der früheren Gerner Schlossökonomie über die Möglichkeiten des Boden- und Gewässerschutzes. Denn: Mit dem Klimawandel nehmen Probleme in Form von Überflutung, Schlamm in Dörfern, Bodenerosion und Nährstoffeinträge in Bäche und Seen zu.
Roland Spiller, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung, machte deshalb deutlich: „Mit der Bodenordnung können wir helfen, Bodenerosion zu verhindern und den Zustand der Gewässer zu verbessern.“ Als Netzwerkveranstaltung solle das „boden:ständig-Forum“ der Kontaktpflege und dem Erfahrungsaustausch aller Akteure dienen.
Roland Spiller war sichtlich erfreut vom großen Interesse am Forum. Das Projekt „boden:ständig“ setze auf einen „Dialog auf Augenhöhe“ und nicht auf den „erhobenen Zeigefinger“. Ziel sei es, möglichst viele Akteure in Kommunen und Landwirtschaft vom freiwilligen Mitmachen zu begeistern. Dieses dezentrale, kooperative Konzept sei das Erfolgsrezept der Initiative: Mittlerweile gibt es in ganz Bayern 52 „boden:ständig“-Projekte, „davon alleine 18 in Niederbayern“, so Spiller.
Neben den Netzwerkpartnern waren auch zwei Experten für Bodenerosion eingeladen worden: Prof. Dr. Karl Auerswald, von der Technischen Universität München-Weihenstephan und Inhaber des Lehrstuhles für Grünlandlehre und Robert Brandhuber von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Unter der Moderation von Norbert Bäuml vom Amt für ländliche Entwicklung erklärten die beiden Fachmänner, welche Konsequenzen die Landwirtschaft aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ziehen sollte. Dr. Auerswald machte deutlich: „Es liegt in erster Linie nicht am Mais oder am Klima, wenn guter und ertragreicher Boden weggeschwemmt wird. Wir Menschen sind in der Pflicht, denn wir können entsprechende Entscheidungen treffen.“

Erosionen werden
sich verdoppeln

Experten sind nach Auskunft der Referenten weltweit davon überzeugt, dass sich bis zum Jahr 2050 der Umfang der Bodenerosion verdoppeln wird. „Wir müssen also jetzt reagieren“, so Dr. Auerswald. Dabei gebe es Fakten, die sich nicht ändern lassen: „Wasser sucht sich immer den tiefsten Punkt, also müssen wir uns ein Bild machen, wo auf diesen Flächen das Wasser hinläuft und dann müssen wir entsprechend handeln.“ Nicht überall könne dann eben Mais angebaut werden. In vielen Fällen müssten Rückhaltemöglichkeiten geschaffen werden, doch diese Arbeit werde mit deutlichen Verbesserungen belohnt. Begrünte und ausreichend breite Mulden könnten am meisten Wasser zurückhalten.
Auch bei den Kommunen müsse ein Umdenken einsetzen: früher sei es das Ziel jedes Ortes gewesen, das Wasser so schnell wie möglich durchzuleiten, aber jetzt müsse man so planen, dass sich Wassermassen verlangsamen. „Sobald das Wasser im Graben ist, gehen die Sorgen los – und zwar für die nächste Gemeinde“, merkte Robert Brandhuber an.
Solidarität zwischen den Kommunen sei ebenso gefragt wie richtiges Arbeiten der Landwirte, die natürlich selbst großen Nutzen daraus ziehen, wenn sie ihren wertvollen Humus nicht verlieren. Laut Dr. Auerswald ist die Mulchsaat ein sehr gutes Mittel zur Erosionsvermeidung. Aber auch andere Möglichkeiten wie Rückhaltebecken, kluge Fruchtfolgen, Abflussmulden und vieles mehr sind für die Bauern interessant.
Anschließend wurden Projekte vorgestellt, beispielsweise das „boden:ständig“-Projekt Egglham, welches sich in der Entwicklungsphase befindet. Hochwasserschutz für die Gemeinde und gleichzeitig eine Verbesserung der Gewässerqualität des Kothbachs sind das Ziel. Hermann Etzel, Bürgermeister und Landwirt, stellte zusammen mit Ruth Brummer, Wasserberaterin am Fachzentrum für Agrarökologie in Straubing und Rainer Blaschke vom Landschaftspflegeverband Rottal-Inn das Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure vor. „Boden:ständig“ sei das richtige Konzept gewesen und dann habe es in Egglham auch genügend Menschen gegeben, die ernsthaft eine Verbesserung der Situation herbeiführen wollten. „In so einer starken Gemeinschaft kann man dann auch etwas erreichen“, bestätigte Bürgermeister und BBV-Kreisobmann Hermann Etzel. So sei es möglich, in direkten Gesprächen Lösungen zu finden, die „für die betroffenen Landwirte bestmöglich passen“, unterstrich Brummer. Gerd Kreibich
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