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Energiepflanzen

Eine neue Heimat in Niederbayern

Durchwachsene Silphie
Mia Goller
am
02.10.2017

Egglham - Die Becherpflanze „Durchwachsene Silphie“ beendet ihr Schattendasein im Regierungsbezirk.

Die Becherpflanze „Silphium perfoliatum“ oder auch „Durchwachsene Silphie“ wird oft genannt, wenn es um Blühpflanzen für die Biogasanlage geht. Viele Landwirte scheuten bisher vor der mühsamen Pflanzung der Setzlinge zurück, die dann mehrere Jahre nachwächst und gute Erträge verspricht. In Egglham im Kreis Rottal-Inn wurde im Rahmen der Initiative boden:ständig ein Versuchsfeld angelegt, bei dem die Silphie gemeinsam mit Mais gesät wurde. In seinem Schatten konnte sie sich offenbar gut entwickeln und ist jetzt bereit fürs kommende Jahr, um im Herbst zum ersten Mal für die Biogasanlage geerntet zu werden.

Auf dem Betrieb von Josef Baumgartner stehen mehrere Hektar dieser Kultur. Biogasanlagenbetreiber Stefan Bichl­meier und Erwin Würtinger haben das Feld gepachtet und zeigten sich bei einer Begehung mit Vertretern von boden:ständig, Gemeinde und Wasserversorgung sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Baumgartner hatte vor einigen Jahren noch Probleme mit Nitrat in seinem Brunnenwasser. „Damals war für mich klar, dass ich mich mehr darum kümmern muss, ob die Bewirtschaftung auch zum Boden passt. Wenn etwas schon Heuwies heißt, sollte es auch eine Wiese bleiben“, so Baumgartner. Der Landwirt konzentriert sich auf seine Holzerträge und arbeitet an innovativen Projekten, um diese optimal zu nutzen. Die Kooperation mit den beiden Biogasbetreibern Bichlmeier und Würtinger ist eine ideale Verbindung. Die beiden erzeugen mit ihrer 210-kW-Anlage Strom und versorgen 14 Anwesen in Martinstödling mit Wärme, trocknen zudem Getreide und Hackschnitzel. Wenn dann noch gemeinsam an umweltverträglichen Anbaulösungen fürs Feld gearbeitet wird, könnte es wohl nicht besser laufen.

Bei der Silphie können die Bauern mit mehrjährigen guten Erträgen rechnen, wenn alles gut geht sogar bis zu 20 Jahre lang. Nach dem ersten Jahr ist kaum Pflegeaufwand nötig. Durch das tiefe Wurzelsystem besteht eine höhere Nährstoffaufnahme als beim Silomais. Die Verwurzlung führt auch zu einem vermehrten Schutz vor Bodenerosion. Die Humusbilanz ist positiv, Schädlinge und Wildschweine können der Silphie kaum etwas anhaben. Dazu kommen ihre Qualitäten als Spätsommer-Bienenweide.

Neue Methode vereinfacht den Anbau

Das bisher bei der Durchwachsenen Silphie praktizierte Verfahren – Verpflanzung von vorgezogenen Setzlingen – war bislang zu kostspielig und konnte sich in der Praxis nicht durchsetzen. Daher haben Firmen nach einem kostengünstigen und sicheren Anbauverfahren gesucht und Lösungen für die wichtigsten Probleme beim Anbau der Durchwachsenen Silphie gefunden. Mit der Anbaumethode „Untersaat in Mais“ scheint es eine echte Alternative zu geben. Zum Säen wird eine pneumatische Sämaschine benutzt. Bei dieser Methode wird der Mais weniger dicht gesät – 45.000 bis maximal 90.000 Körner/ha –, sodass die Durchwachsene Silphie ausreichend Licht erhält.

Als Mitbegründer von boden:ständig und Experte für die kommunale Wasserversorgung zeigte sich der ehemalige Pfarrkirchner Bürgermeister Georg Riedl begeistert von den ersten Ergebnissen auf dem Eggl­hamer Feld: „Hier wird Bodenerosion verhindert, was sich immer positiv auf das Grundwasser auswirkt.“

Auch für Egglhams Bürgermeister und BBV-Kreisvorsitzenden Hermann Etzel ist das Projekt boden:ständig ganz nach seinem Geschmack. „Wir wollen hier keine Landwirte an den Pranger stellen, sondern echte, praktikable Lösungen finden, die unsere Bauern nutzen können. Das Prinzip der gemeinsamen Arbeit funktioniert.“

„Davon bin ich auch zutiefst überzeugt“, erklärte Rainer Blaschke vom Landschaftspflegeverband Rottal-Inn, der als Projektmanager für boden:ständig im Landkreis fungiert. „Wir können mit unseren Projekten nur Erfolg haben, wenn wir miteinander reden. Wenn wir die Macher, also unsere Landwirte, unterstützen und mit ihnen gemeinsam an neuen Wegen arbeiten. Ich fahre ganz oft mit einer Idee zu einem Termin und komme im gemeinsamen Gespräch mit den Landwirten auf ganz neue Aspekte, die wir dann gemeinsam berücksichtigen. Das ist der Erfolg von boden:ständig.“

Projektberater Franz Knogler freute sich natürlich über so viel Einigkeit der Interessenvertreter. Er betonte, dass es besonders wichtig ist, mit engagierten und kompetenten Landwirten zusammenzuarbeiten. Die Erträge der kommenden Jahre werden genauestens abgewogen und analysiert, damit exakte Ergebnisse aus dem Versuchsfeld präsentiert werden können.

Unter den Gästen war auch Markus Schmitz als Vertreter vom Wasserzweckverband. Der betonte zwar, dass in der Rottaler Gegend Nitrat im Grundwasser kaum Thema sei. „Ich freue mich aber über die Entwicklungen, die es hier gibt und bin froh, wenn sowas in unserem Einzugsgebiet umgesetzt wird.“ Weitere Informationen gibt es unter www.boden-staendig.eu.

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