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Erntefahrt

Oberpfalz: Heuer sind sicher keine Spitzenerträge drin

Erntefahrt Oberpfalz
Claudia Rothhammer
am
25.07.2017

Keine guten Aussichten für die Oberpfälzer Land- Der BBV Oberpfalz lud zum Ernte-Pressegespräch nach Weiding auf den Betrieb Betz ein.

Unter dem Strich sind die Ernte-Aussichten in der Oberpfalz ebenso wie im Nachbarbezirk Niederbayern durchschnittlich, aber regional durchaus sehr unterschiedlich. Der größte Verlierer aber ist die Sommergerste. So lautete die Ernteprognose, die der BBV Oberpfalz beim diesjährigen Ernte-Pressegespräch abgab. Gastgeber dafür war Sebastian Betz. Sein Betrieb liegt in Weiding auf rund 700 m und damit höher als viele andere Betriebe im Landkreis Schwandorf.

Der Höhenunterschied sei deutlich spürbar, so Betz. „Wir sind gut 14 Tage später dran mit allem, weil der Schnee bei uns auch länger liegen bleibt“, erzählt der 27-jährige Landwirt. Dadurch sei die Vegetationszeit der Kulturen kürzer. „Aber in den letzten Jahren haben wir sehr davon profitiert“, räumt Betz ein. „Ein Vorteil bei der Hitze und ein Vorteil für Kulturen wie die Kartoffel, die gar nicht so wärmebedürftig ist.“ Die große Hitzewelle mitsamt einer langen Trockenperiode, die dieses Jahr bei vielen Bauern für Ertragsminderungen verantwortlich ist, betrifft zwar auch Betz Ackerflächen, aber nicht im gleichen Ausmaß wie bei anderen Kollegen. Der höhere Anteil an lehmigen Böden in der Region kommt ihm dieses Mal zugute. „Wir haben wegen des Bodens nicht die besten Erträge“, räumt Betz ein, „aber dafür sichere Erträge, wie man an diesem Jahr sieht.“ Stolz hält er einige Kartoffeln hoch, die er gerade aus der Erde gezogen hat. „Hier geht’s weniger um die Optik, mehr um den Stärkegehalt“, klärt er die Journalisten auf.

Die Kartoffeln, die er in der Hand hält, werden später in Neunburg vorm Wald zu Chips verarbeitet – im Gegensatz zu den Kartoffeln im Nachbarfeld. Die Speisekartoffeln werden an Kantinen, Wirtshäuser und Privathaushalte verkauft. Auf dem Kartoffelacker der Familie Betz zeigte BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz, was alles auf einem Quadratmeter Acker wächst: „Hier können beispielsweise vier bis fünf Kilo Speisekartoffeln, 3,5 Kilo Pommes frites, vier bis fünf Kilo Kloßteig oder 1,2 Kilo Kartoffelchips geerntet werden.“

Betz hofft nun auf ausreichend Regen in den nächsten Tagen und Wochen. „Wenn es weiterhin so trocken ist, wird auch bei meinen Kartoffeln der Ertrag und die Qualität leiden.“

Im Schnitt 20 Prozent weniger Ertrag zu Spitzenjahren

Nicht jeder Landwirt in der Oberpfalz kann 2017 mit einer durchschnittlichen bis guten Ernte rechnen. „Unterm Strich sind die Ernteaussichten für die Oberpfalz zwar durchschnittlich, aber werden regional sehr unterschiedlich ausfallen“, sagte Wutz. Im Vergleich zu den Spitzenjahren 2015 und 2016 werde mit 20% weniger Ertrag gerechnet. „Mit Sicherheit kann man keine Spitzenerträge mehr erwarten“, so Wutz. Das zunächst kalte Frühjahr und die Hitze im Juni haben einigen Kulturen sehr zu schaffen gemacht. Gerade in der langen Trockenperiode seien viele Pflanzen in die Notreife übergegangen, weil ihnen das Wasser gefehlt habe.

Die Niederschläge der vergangenen Tage seien deshalb ein Segen für die Landwirtschaft gewesen. „Allerdings sorgte der Regen noch nicht überall für ausreichend Feuchtigkeit.“

Schwache Sommergerste

Thomas Zirngibl vom Erzeugerring Oberpfalz e.V. merkt das an den steigenden Beratungszahlen. Wer heuer auf die Sommergerste gesetzt hat, hatte Pech. „Die Sommergerste ist die Verliererin.“ Die späte Aussaat und die extrem langsame Jugendentwicklung aufgrund der Kälte im April und Mai hätten die Bestände nur zögerlich vorankommen lassen. Gepaart mit der abrupt heißen und trockenen Phase bis Pfingsten, während der Schossphase, werde wohl nicht genügend Zeit für eine gute Kornfüllungsphase bleiben, so Zirngibl. „Der Ertrag wird unterdurchschnittlich ausfallen. Auch die Qualität ist fraglich.“ Keine guten Aussichten für Landwirte.Immerhin haben sie auf über 20 000 ha Sommergerste angebaut.

 

Wintergerste mit durchschnittlichen Erträgen

Zum Glück sieht das Bild bei der Wintergerste besser aus. „Der warme und trockene Frühsommer hat dafür gesorgt, dass die Bestände heuer zügig abgereift sind und in manchen Regionen schon Ende Juni mit der Ernte begonnen wurde“, sagte Josef Irlbacher, Kreisobmann im Landkreis Schwandorf. „Unserer ersten Ernteumfrage zufolge liegt der Ertrag durchschnittlich im Jahresvergleich, allerdings zeigen sich innerhalb der Region deutliche Unterschiede.“ Mancherorts sei es dann doch zu trocken gewesen, wobei die Wintergerste die Trockenheit andererseits noch relativ gut wegstecken konnte. Auch Wutz kann das nur bestätigen. „Die Erträge schwanken hier sehr stark.“ Zwischen 60 und fast 100 dt/ha sei alles dabei.

Trockenschäden bei Weizen

Erntefahrt Oberpfalz

Nach der Wintergerste steht die Ernte von Raps und Winterweizen an. Hier rechnen die Landwirte definitiv mit Trockenschäden. „Welche Mengen und Qualitäten die Getreideernte 2017 letztlich bringen wird, werden wir erst wissen, wenn das Getreide gewogen in der Scheune ist“, so Irlbacher. In der Oberpfalz wurde heuer auf über 150.000 ha Getreide angebaut. Raps hat hohes Ausgleichspotenzial „Auch beim Raps ist die Prognose im Moment noch schwierig. Denn obwohl die Bestände Ende des vergangenen Jahres relativ dünn in die Winterruhe gegangen sind, hat der Raps die Kraft, dünnere Bestände, zum Beispiel über mehr Schoten und mehr Körner pro Schote, auszugleichen. Doch dafür hätte er viel Wasser gebraucht, das gerade in der Zeit nach der Blüte regelmäßig knapp war“, erläuterte Irlbacher, was auch Zirngibl bestätigt. „Der Haupttrieb wurde durch die Kälte Ende April stark Heuer sicher eingebremst und der Schotenansatz reduziert.“ Aber den Raps und sein „enormes Potenzial zum Ausgleich“ solle man nicht unterschätzen.

Der Regen Ende Juni kam auch für den Mais noch rechtzeitig. „Der Mais konnte den Entwicklungsrückstand, verursacht durch den kalten Mai, gut aufholen“, so Zirngibl. Ertrags- und Qualitätserwartung sei deshalb durchschnittlich. Durchschnittliche Erträge werden auch bei der Zuckerrübenernte erwartet. Fast die gesamte Zuckerrübenernte der Oberpfalz steht im Landkreis Regensburg. Der Spätfrost Ende April hatte auch hier die Entwicklung der Frucht stark gebremst. „Inzwischen stehen die Bestände aber gut da“, fand Zirngibl. Erfreulich wenigstens in diesem Jahr: Der Krankheitsdruck sei dieses Jahr sehr gering. Dafür haben Landwirte mit zwei ganz besonderen Schädlingen zu kämpfen, wie BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann zum Abschluss hinwies. Der Borkenkäfer und die Eichenprozessionsspinner sind auch in der Oberpfalz auf dem Vormarsch und sorgen für große Schäden.

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