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Ernte 2019

Ökolandbau - Luft wird dünner

MN-Erntefahrt DR-MA-12.7.
Michael Ammich
am
29.07.2019

Die Erntefahrt im Landkreis Donau-Ries führte auf den Betrieb Leinfelder in Otting.

  • Die 153 Donau-Rieser Biobetriebe bewirtschaften zusammen 8,4 % oder 6112 ha der landwirtschaftlichen Nutzfläche.
  • Das Begleitgesetz zum Volksbegehren und mögliche Verschärfungen der Düngeverordnung bereiten Sorgen.
  • Für Weizen und Soja werden sich die Preise allgemein leicht unter dem Niveau von 2018 bewegen.
  • Dinkel bleibt eine Frucht mit Spitzen-Deckungsbeiträgen.
  • Erosionsschutz bleibt in der Region ein wichtiges Thema.

Schön wär’s: Alle Verbraucher kaufen nur noch Bio und alle Landwirte stellen auf Bio um. Doch die Realität sieht anders aus. Umstellungsware ist schon jetzt kaum mehr auf dem Markt unterzubringen, mangels Nachfrage nehmen Molkereien keine neuen Biomichlieferanten mehr auf und in den Supermärkten geht immer noch vor allem Billigware übers Kassenband. „Wenn das Angebot dauerhaft größer ist als die Nachfrage, dann werden auch die Erzeugerpreise für Ökoprodukte unter Druck geraten“, stellte der Leiter des AELF Nördlingen, Manfred Faber, auf der Erntefahrt in Otting fest.

Faber zufolge beläuft sich der Anteil der Ökobetriebe im Landkreis Donau-Ries auf lediglich 6,8 %, womit der Landkreis anderen Regionen deutlich hinterher hinkt. Die 153 Donau-Rieser Biobetriebe bewirtschaften zusammen eine Fläche von 6112 ha, das sind 8,4 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Dass sich die Bauern in Nordschwaben mit der Umstellung schwerer tun als im Allgäu, liegt auf der Hand. Insbesondere das Nördlinger Ries und der Donauraum sind Regionen mit intensivem Ackerbau.

Dennoch ist der Behördenleiter überzeugt, dass die Landwirtschaft vor einem Umbruch steht. „Die Gesellschaft will es so.“ Die Gewinne der Ökobetriebe bewegen sich momentan noch mindestens auf dem Niveau der konventionellen. Allerdings bilden die Ausgleichszahlungen der EU und die staatlichen Fördergelder zwei Drittel des Gewinns der Ökobetriebe. Zudem ist der Arbeitsaufwand, mit dem dieser Gewinn erwirtschaftet wird, erheblich größer als in den konventionellen Betrieben. „Derzeit sind unsere Bauern völlig orientierungslos und wissen nicht, welche Richtung sie mit ihren Betrieben einschlagen sollen“, sagt Faber. „Der Ökohype geht jedenfalls an der Realität vorbei.“

Situation am
Betrieb Leinfelder

Treffpunkt der Erntefahrt war der konventionelle Milchviehbetrieb von Sigrid und Matthias Leinfelder in Otting. Umgestellt hat die Familie vorerst nur die Fütterung der Rinder, sie wirtschaftet GVO-frei und bezieht keinen Sojaschrot aus Südamerika. Statt dessen dienen vor allem Rapsschrot und Biertreber als Eiweißlieferanten für den Futtertisch. Im Laufstall stehen 78 Kühe, die im Melkstand gemolken werden. Außerdem gibt es auf dem Betrieb 40 Mastbullenplätze. 1300 g nehmen die Bullen täglich zu, der Stalldurchschnitt der Milchkühe beläuft sich derzeit auf 8128 kg. „Wir kaufen keine Tiere zu“, erklärt Matthias Leinfelder. „Und seit wir das so machen, haben wir fast keine Krankheiten mehr im Stall.“
Der Agrarbetriebswirt baut auf seinen 80 ha Nutzfläche überwiegend Futter an: Silomais, Weizen, Triticale, Gerste und Luzerne. Das Grünfutter kommt von den 17 ha Wiesen. Weil Otting ein Dorf mit hoher Viehdichte ist, tut sich Leinfelder schwer mit der Pacht von ortsnahen Flächen. Diese muss er sich in der weiteren Umgebung suchen. Auch die Böden mit ihren Ackerzahlen zwischen 28 und 50 gehören nicht zu den besten, die der Donau-Ries-Kreis hergibt. Der spärliche Niederschlag im Frühjahr bereitete heuer besonders auf leichten, sandigen Böden im Pflanzenbau Probleme.

Probleme und Ängste werden nicht weniger

Probleme anderer Art, nämlich durch die Politik gemachte, spricht Kreisobmann Karlheinz Götz an. Ihn ärgert, dass mit dem Begleitgesetz zum Volksbegehren Fakten geschaffen würden, die nurmehr wenig mit der guten fachlichen Praxis zu tun hätten. Dasselbe gelte für die Düngeverordnung. Werde diese wie geplant ein weiteres Mal verschärft, würde das viele Landwirte regelrecht in Angst versetzen. Ihnen stelle sich dann die Frage: Wo sollen wir mit unseren Nährstoffen hin? Es sei bereits absehbar, dass sich die Viehhaltung besonders in bisher viehstarken Regionen wie dem Donau-Ries-Kreis deutlich reduzieren wird. Ob damit den Anliegen des Volksbegehrens gedient wäre? Götz bezweifelt das. „Ist die Viehhaltung weg, dann ist bald auch die Vielfalt der Kulturen auf den Feldern weg.“
Manfred Schott, Geschäftsführer der BayWa-Agrarsparte in Schwaben, zeichnete kein allzu optimistisches Bild von den Aussichten auf den Märkten. Zwar gebe es heuer aufgrund von Hitze und Trockenheit weltweit weniger Weizen und Soja, doch das treibe die Mühlen und den Handel offenbar nicht zu höheren Preisen an. In Deutschland selbst fallen die Erträge regional unterschiedlich aus. So rechnet Schott mit Erzeugerpreisen, die sich allgemein leicht unter dem Niveau von 2018 bewegen. Was an Ware in Deutschland und der EU fehlt, kommt schnell aus Drittländern nach.

Marktaussichten mau, außer bei Dinkel

Michael Sailer, Geschäftsführer der SLP-Schwäbische Landprodukte, erwartet angesichts der ausreichenden Versorgungslage nicht, dass die Weizenpreise „heuer durch die Decke gehen“. Für Dinkel kann er seinen Lieferanten jedoch für die diesjährige Ernte einen Preis von „nicht unter 25 Euro“ garantieren. Damit bleibe der Dinkel eine attraktive, wettbewerbsfähige Frucht mit einem Spitzen-Deckungsbeitrag. Inzwischen sei konventioneller Dinkel knapper als ökologisch angebauter, stellt Sailer fest. Die Preise für Biogetreide tendieren auf einem ordentlichen Niveau. „Aber die Umstellungswelle wird zeigen, ob und wie lange sie sich noch halten können.“

Erosionsschutz noch mehr Beachtung schenken

Schließlich kommt Ottings Bürgermeister Johann Bernreuther auf ein spezielles Problem der Gemeinde zu sprechen: die ständige Hochwassergefahr. Die Kommune habe große Anstrengungen in der Wasserrückhaltung und im Erosionsschutz unternommen. Bernreuther ist den Landwirten für jede noch so kleine Maßnahme dankbar, mit der sie der Bodenerosion entgegenwirken. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Bauern das Wasser auf ihren Flächen halten.“ Dabei stelle sich vor allem der Mais als Problem heraus.

Philipp Schuhmair, neuer Mitarbeiter im Sachgebiet Landwirtschaft am AELF Nördlingen, macht die zunehmenden Starkregenereignisse als Grundproblem aus. Bis zum Jahr 2050 werde sich die Erosion durch Regen in Bayern verdoppeln. „Deshalb muss der Erosionsschutz in Feld und Flur künftig vermehrt im Mittelpunkt stehen.“ Dazu gehören eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung, der Anbau von Zwischenfrüchten oder Untersaaten in Reihenkulturen, die Mulchsaat, das Belassen von Ernterückständen und Zwschenfrüchten oder deren bodennahe Einarbeitung und eine gute Grünlandnutzung. Außerdem gilt es Bodenverdichtungen zu vermeiden, möglichst auf den Pflug zu verzichten und große Schläge durch Kulturwechsel am Hang zu unterteilen. 

Geringe Regenmengen verpuffen schnell

Matthias Leinfelder (Otting): „Ich baue 18 Hektar Weizen an. Die Aussaatbedingungen im Herbst 2018 waren gut. Die Bodenbearbeitung habe ich pfluglos durchgeführt, weil das auf unseren schweren Böden bei Trockenheit die bessere Methode ist. Der Weizen ist gut in das Frühjahr gekommen, es gab keine Auswinterungen. Im Frühjahr stellte sich dann aber heraus, dass der Boden den Dünger aufgrund der Trockenheit nicht aufnehmen konnte, wenn zu lange mit der ersten Düngegabe gewartet worden war. Bei der zweiten Düngegabe Mitte April war der Boden gut befahrbar. Was aber immer noch fehlte, waren die Niederschläge. Als im Mai dann endlich der Regen kam, wurde es kühl, so dass die Entwicklung der Weizenpflanzen hinter den Erwartungen zurückblieb und sich bald dünne Bestände zeigten. Andererseits sind die Bestände gesund und Septoria tritici ist heuer kein Problem. Deshalb musste ich auch nur einmal eine Fungizidbehandlung durchführen. Jetzt zur Julimitte stehen die Weizenbestände nur mittelprächtig da. Ich rechne mit einem Ertrag von 70 bis 75 Dezitonnen pro Hektar. Das ist deutlich weniger als der langjährige Durchschnitt von 85 Dezitonnen.“

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Franz Gerstmeier (Buchdorf): „Ich baue zwar nur auf vier Hektar Zuckerrüben an, aber der Preisverfall auf dem Zuckermarkt ist dennoch ärgerlich. Die Zuckerrübe ist die Feldfucht, die preislich am meisten leidet. Wenn sich hier nichts ändert, werde ich mir den Ausstieg aus dem Anbau überlegen. Das wäre schade, weil damit ein Teil der Risikostreuung im Pflanzenbau wegfallen würde. Ausgesät habe ich meine Zuckerrüben heuer Ende März unter guten Bedingungen. Der Boden war abgetrocknet, die Rübenpflanzen liefen ordentlich auf. Auch den kühlen Mai haben sie gut überstanden. Es kam jedoch zu Problemen mit Spätverunkrautung, so dass ich teilweise eine zusätzliche Herbizidbehandlung durchführen musste. Dafür bin ich bis Mitte Juli ohne jede Insektizidbehandlung ausgekommen. Allgemein stehen die Zuckerrüben jetzt sehr schön da, nachdem sie noch ausreichend Regen erhielten. Wenn es so weitergeht, erwarte ich gute Erträge.“

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Karlheinz Götz (Birkhausen): „Den Kartoffelanbau habe ich erneut reduziert. Das Pflanzgut war knapp und hat rund 60 Euro pro Dezitonne gekostet. Deshalb wurde vermehrt Nachbau aus eigenen Kartoffelbeständen betrieben, was zu einem verstärkten Virenbefall geführt hat. Gelegt habe ich meine Pflanzkartoffeln Mitte April unter guten Bedingungen. Der Boden war trocken und gut befahrbar, unter der Oberfläche wies er noch ausreichend Feuchtigkeit auf. Auch das Fräsen der Dämme verlief optimal. Dann machte sich jedoch die Trockenheit bemerkbar, die manchen Damm in Erdpulver zerbröseln ließ. Immerhin sorgte die Trockenheit für einen geringen Krautfäuledruck. Bis Mitte Juli musste ich die Kartoffeln nur zweimal gegen Krautfäule behandeln. Heuer erwarte ich je nach Standort unterschiedliche Erträge und Knollengrößen. Entscheidend wird eine ausreichende Niederschlagsmenge sein. Geringe Regenmengen verpuffen bei den Kartoffeln schnell und bringen nicht genug Feuchtigkeit in die Dämme.“ MA

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