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Bauernkundgebung

Ohne Zahlungen geht es nicht

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Mareen Maier
am
11.09.2018

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber beim Karpfhamer vlf-Bauerntag auf dem Karpfhamer Fest

Das Karpfhamer Fest im Landkreis Passau hatte für Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eine besondere Herausforderung im Gepäck. Sie war Hauptrednerin bei der traditionellen Bauernkundgebung des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) Rotthalmünster und sagte gleich zu Beginn: „Es ist das erste Mal für mich, in so einem riesengroßen Zelt zu sprechen!“ Dieses Bekenntnis wurde von den rund 4000 Besuchern mit viel Applaus belohnt. Bereits zuvor wurde die Ministerin sehr herzlich in der Holzhamer Hütte begrüßt, unter dem Beifall der Menge zog sie in das Festzelt ein.

Landwirtschaftspolitik ist Gesellschaftspolitik

„Unser Karpfhamer Fest ist seit Generationen Treffpunkt für die Menschen unserer Region, ein Schaufenster für die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft und immer eine gute Möglichkeit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch“, so der vlf-Vorsitzende Wolfgang Schütz. Der Passauer Landrat Franz Meyer fügte bei seinem Grußwort hinzu: „Das Passauer Land wie auch der Nachbarlandkreis Rottal-Inn sind traditionelles Bauernland. Alleine im Landkreis Passau gibt es über 3000 Betriebe mit insgesamt 82 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.“ Die Bauern seien eine wichtige Säule für Gesellschaft und Wirtschaft, die Landwirte in der Gesellschaft eingebettet.
Kaniber selbst erzählte zunächst vom März 2018, als sie ins Amt der Landwirtschaftsministerin berufen wurde. „Ich war erst erschrocken über die große und schwierige Arbeit, die ich übertragen bekommen habe. Dann habe ich überlegt, was es bedeutet, für die Landwirte zu kämpfen. Mir wurde sehr schnell klar, dass es nicht nur um die Landwirtschaft geht, sondern um die gesamte Gesellschaft. Landwirtschaftspolitik ist Gesellschaftspolitik vom Feinsten“, sagte Kaniber und erhielt dafür große Zustimmung aus dem Publikum. Die Ministerin wisse aber auch um die großen Herausforderungen, denen die Landwirtschaft ins Auge blicken muss. Dazu zähle insbesondere die Düngeverordnung und damit verbunden das Thema Gewässerschutz. Viele Menschen würden denken, dass sie die Landwirte immer nur mit dem Güllefass sehen würden. „Ich kann aber versichern: Jeder Landwirt hat Grund und Boden – keiner hat Interesse daran, seinen Boden zu vergiften.“ Natürlich gebe es, wie in jeder anderen Branche auch, schwarze Schafe. Aber man dürfe nicht alle Landwirte verunglimpfen und in eine Ecke stellen. „Dafür stehe ich mit meinem Namen“

Forschung muss noch schneller werden

Da Kaniber vor ihrem Besuch beim Karpfhamer Fest bereits im Landkreis Passau unterwegs war und unter anderem Waldflächen besichtigt hatte, die im vergangenen Jahr von Sturm Kolle vernichtet worden waren, sprach sie auch die Zukunft der bayerischen Waldbauern an. „Wir müssen in der Forschung schneller sein. Der Freistaat Bayern setzt Millionen Euro ein, um hier in Zukunft einen guten Weg gehen zu können und zu erforschen, wie wir klimaresistente und -stabile Wälder schaffen können.“
Eine weitere „erdrückende Herausforderung“ sei die Frage, wie es in Zukunft mit der gemeinsamen Agrarpolitik Europas weitergehe. Alle unter einen Hut zu bringen, sei äußerst schwierig – wie schon alleine in Deutschland bemerkbar sei. Laut Kaniber gebe es auch hier einige Politiker und Landwirtschaftsminister, „die es mit der Landwirtschaft nicht so haben.“ Als Beispiel führte sie eine Sitzung in Brüssel mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner an, bei der einzelne Minister klar gemacht hätten, dass die Direktzahlungen an Landwirte „auslaufen können“. Für Kaniber ein No-Go. „Wenn mit der Landwirtschaft, die die Gemeinwohlleistung für die gesamte Gesellschaft erarbeitet, so umgegangen wird, dann gehen über Nacht die Lichter in der Landwirtschaft aus und dann werden wir schauen, wo Bayern steht.“
Aus diesem Grund sei ganz klar, dass die Unterstützung weiter aufrechterhalten werden müsse. „Wir müssen uns darauf besinnen, dass unsere Landwirte Gelder brauchen. Warum? Jeder fordert gesundes Grundwasser und Tierwohl. Doch viele Verbraucher sind nicht bereit, mehr für die guten Premiumprodukte in Bayern zu zahlen“, so Kaniber. Solange das der Fall sei, werde sie auch in Zukunft alles daransetzen, dass Ausgleichs- und Direktzahlungen für die Landwirtschaft gewährleistet seien. Wichtig seien aber auch die Entscheidungen der Kunden beim Lebensmitteleinkauf, wo der Blick auf die Herkunft zur Gewohnheit werden sollte.
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