Login
Versammlung

Rotes Gebiet bleibt der Aufreger

BBV-Ortsobmännertagung-Amberg
Lorenz Märtl
am
16.04.2019

Nach wie vor schlagen im BBV-Kreisverband Amberg die Wellen hoch

Ammerthal/Lks. Amberg-Sulzbach Im Landkreis Amberg-Sulzbach rätselt man nach wie vor über das Zustandekommen der „Roten Gebiete“. Zwei Grundwasserkörper sind entsprechend ausgewiesen und deren Einstufung bedeutet zusätzliche Auflagen für die Landwirte bei der Umsetzung der Düngeverordnung. Kreisobmann Peter Beer monierte, dass bisher keine Fachstelle eine schlüssige Erklärung dafür abgeben konnte. „Der Bogen wird überspannt“, schimpfte Beer und kündigte an, dass man nach wie vor um Aufklärung bemüht sei.
Ausführlich erörterte Martin Erhardsberger, BBV-Referent für Agrar- und Umweltpolitik, zunächst den aktuellen Stand der Umsetzung der Düngeverordnung und ging dann insbesondere auf die Thematik der Roten Gebiete ein. Ihm gelang es zumindest ansatzweise die Wirkung der verschiedenen Richtlinien, deren Auslegung und den Zusammenhang der verschiedenen Messstellennetze aufzuhellen. Wird nur an einer einzigen Messstelle der Schwellenwert von 50 mg Nitrat überschritten wird ein kompliziertes Abgleichungsverfahren von insgesamt drei verschiedenen Messnetzen in Gang gesetzt. Ergibt sich daraus, dass eine Fläche von weniger als 20 % des Grundwasserkörpers durch schlechte Messstellen repräsentiert ist, handelt es sich um einen guten Zustand. Der umstrittene Grundwasserkörper um Amberg repräsentiere aber eine Fläche von knapp 25 % und liege damit knapp darüber. Bayern, so der Referent, habe im vorauseilenden Gehorsam der zu erwartenden Regelung diese Größenordnung bereits 2015 festgelegt.
Unverständlich blieb aber trotzdem, warum sich die Überschreitung an der einen Messstelle, die darüber hinaus auch noch in der nördlichsten Ecke liegt, auf den ganzen Bereich auswirken kann. Auch an den weiteren einbezogenen Messstellen komme es nur im Norden zu Überschreitungen. Nach Düngeverordnung sei das rote Gebiet aber kleiner als nach Wasserrahmenrichtlinie. Man sollte dennoch nicht nachlassen die Systematik zu hinterfragen, nachdem vor allem im südlichen Bereich ausschließlich positive Messwerte verzeichnet sind.

Kein Verständnis für Verschärfung

Erhardsberger machte deutlich, dass man seitens des BBV keinerlei Verständnis für die Forderung nach erneuter Verschärfung der Düngeverordnung habe, weil sich aktuell die Düngeverordnung 2017 erst in der Umsetzung befinde und bereits sehr weitreichende Änderungen im Sinne des Gewässerschutzes beinhalte. Deren Wirkung sollte erst abgewartet werden. Die nach Brüssel gemeldeten Vorschläge würden zahlreiche fachlich nicht nachvollziehbare Punkte enthalten und eine Abkehr von bedarfsgerechter Düngung bedeuten. Maßstab für zusätzliche Maßnahmen müssten rote Messstellen mit landwirtschaftlichem Einfluss und nicht überdimensionierte rote Gebiete sein. Vielmehr sollte man Kooperationen stärken und nicht noch mehr Ordnungsrecht vorschreiben. Teilweise wären dies Maßnahmen, die mit landwirtschaftlichem Fachverstand nichts mehr zu tun hätten.
Aus den Reihen der Obmänner kam Kritik, dass es immer nur um die Landwirtschaft gehe. „Wo bleibt zum Beispiel die Abfallwirtschaft?“ Vehement wurde der BBV aufgefordert, sich massiv zu wehren und nicht länger von den wenigen Mitgliedern der Deutschen Umwelthilfe an der Nase herumführen zu lassen. Kreisbäuerin Brigitte Trummer appellierte an die Obmänner das Jahresmotto „Im Dialog bleiben“ zu beherzigen. Lorenz Märtl
Auch interessant