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Pilotprojekt

Aus Schutt sprießt jetzt neues Grün

alte Hofstelle
Christian Vogl
am
25.09.2017

Mit dem vorbildlichen Rückbau einer alten Hofstelle bei Miltach ist der Landkreis Cham Vorreiter. Ein Pilotprojekt von Landratsamt und VSSL.

alte Hofstelle

Immer mehr bayerische Wiesen und Felder verschwinden unter Beton und Asphalt. Der rasant gestiegene Flächenverbrauch ist in aller Munde. Dass es auch anders geht, zeigt ein gemeinsames Pilotprojekt des Landkreises Cham (Untere Naturschutzbehörde) und des Vereins zum Schutz von Schöpfung und Leben e. V. (VSSL).
Bereits vor einigen Jahren hat der VSSL zwischen Miltach und Eismannsberg ökologisch wertvolle Grundstücke mit einer alten Hofstelle erworben. Im Rahmen einer Ausgleichs- beziehungsweise Ersatzmaßnahme wurden nun alle Gebäudeteile und Betonfundamente entfernt und der frühere Siedlungspunkt im Außenbereich aufgelöst. Die entsiegelte Fläche, die insgesamt 500 Quadratmeter umfasst, wird durch eine extensive landwirtschaftliche Nutzung zu einem besonderen „Kulturlandschaftsbiotop“ für seltene Pflanzen, Insekten, Reptilien und Vögel entwickelt.

Große Herausforderung für den kleinen Verein

Der Vorsitzende des Vereins zum Schutz von Schöpfung und Leben, Herbert Biendl, kann sich noch gut an die Anfänge des Projekts erinnern. Es waren das Vorkommen des sehr seltenen Weichen Lungenkrauts und des vom Aussterben bedrohten Dunkle Wiesenknopfameisenbläulings, einer Schmetterlingsart, welche vor einigen Jahren den Ausschlag zum Ankauf der aufgelassenen und seit Jahren unbewohnten Hofstelle gaben, weiß Biendl. Die Finanzierung des Ankaufs sowie die Räumung des umfangreichen „Inventars“ stellten den kleinen Verein vor eine große Herausforderung.

Lob aus dem Umweltministerium

Abbrucharbeiten

Im Oktober 2015 beantragte der Naturschutzverband – als Träger der Maßnahme – den Rückbau der „Schrottimmobilie“ mit umfangreichen Biotopmaßnahmen. Bei den verantwortlichen Mitarbeitern im Sachgebiet Naturschutz des Landratsamtes Cham wurde das Projekt von Anfang an wohlwollend unterstützt. Das vom der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Cham aus Ersatzgeldern mitfinanzierte Pilotprojekt nutzt dabei die Möglichkeiten der novellierten Bayerischen Kompensationsverordnung. Im Rahmen einer sogenannten Realkompensation wird aus versiegelten Betonflächen wieder Wiese. Der Bayerische Naturschutzfonds – der bayernweit die Ersatzgelder verwaltet – war in die Projektgenehmigung miteingebunden.
Ministerialrat Georg Schlapp verwies darauf, dass der Rückbau von Infrastruktur im Außenbereich unter die Kategorie Entsiegelungs-/Wiederverwertungsmaßnahmen fällt und somit als Ersatzmaßnahme angerechnet werden kann. Er lobte das Projekt als sehr interessant und aus landesplanerischer Sicht vorbildlich.

Ein „Kulturlandschafts-Biotop“ entsteht

Mauerreste

Vor kurzem war es nun soweit. Das Tiefbauunternehmen Stefan Heitzer aus Arnschwang hatte den Auftrag erhalten, alle Gebäudeteile, Beton- und Bodenplatten zu entfernen und fachgerecht zu entsorgen. Der stellvertretende Vorsitzende des VSSL, Christian Vogl, übernahm die Bauleitung und koordinierte die Rückbauarbeiten.
Im Rahmen einer Vor-Ort-Kon­trolle machte sich Konrad Bierlmeier vom Landratsamt Cham ein Bild von der Maßnahme. „Hier haben wir ein wertvolles Kulturlandschafts-Biotop, dass es zu erhalten und entwickeln gilt“, so Bierlmeier. Es sollen landwirtschaftlich extensiv genutzte Mager-/Streuobstwiesen mit Trockenmauern entstehen. Dazu werden im Herbst – in Kooperation mit der Gartenbauabteilung des Landratsamtes – alte Streuobstsorten angepflanzt. „Dieses Kulturbiotop kann sich in den Folgejahren zu einem wertvollen (Ersatz-)Lebensraum für Wildbienen, Hummeln, Heuschrecken, Schmetterlinge, Reptilien und Vögel entwickeln“, so Bierlmeier.

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