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Artenvielfalt

Tierisches Leben wie im Paradies

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Hans Nöbauer
am
17.07.2018

Rottershamer Strauch-Galerie bietet Insekten, Vögeln und Wild ganzjährig Unterschlupf und Nahrung.

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Insekten, Vögeln, Reh- und Niederwild „blüht“ heutzutage durch vielfältigste Umwelteinflüsse mitunter gar nichts Gutes: Von Naturschützern beklagt wird diesbezüglich eine massive Artenbedrohung wenn nicht sogar partielle Ausrottung. Ganz anders die Situation entlang der unteren Heigertinger Straße beim alteingesessenen Rottershamer Goder-Hof: Es summt und brummt, kreucht und fleucht, zwitschert und tiriliert, dass es für jeden Naturfreund eine wahre Freude ist.

Der Grund: Blühende Feld- und Wiesenrainhecken schaffen gleich über mehrere Kilometer hinweg bis hinauf zur Rottershamer Nikolaus-Kapelle ein wahres „Tierparadies mit Wohlfühl-Ambiente“ für die heimische Fauna von der Wildbiene bis zum „Oachkatzl“. Neben Bodenbrütern finden in dem Heckengestrüpp auch Zaunkönige, Stieglitze, Rotkehlchen oder Grasmücken ganzjährig Unterschlupf und speziell auch einen reich gedeckten „Futtertrog“.

Der ellenlange Heckenrain ist keines natürlichen, sondern gepflanzten Ursprungs. Zum üppig wuchernden Strauch- und Staudengürtel zählte der langjährige bayerische, deutsche und europäische Bauern-Präsident Gerd Sonnleitner während eines Flurrundgangs neben der dominierenden vielblättrigen Wildrose, Akazie plus Kletterhortensie vor allem aber den Holler, Wilden Wein, Liguster, Weißdorn und wolligen Schneeball – jede Menge duftende Wildkräuter und blühende Blumenbüschel inklusive. In Zehn-Meter-Abständen recken dazwischen auch Kornelkirschen, Felsenbirnen, Obst- sowie efeuberankte Lindenbäume ihre „Laubkronen“ in die oberen Etagen.
„Der Bienen- und Insektenreichtum hängt gleichermaßen wie die Vögelvielfalt direkt mit dem Nahrungsangebot zusammen, das über die Jahreszeiten verteilt kontinuierlich vorhanden sein muss“, betonte der heutige Rottershamer „Austrags-Bauer im Unruhestand“. Singvögel finden im Heckenbereich nicht nur Schutz und Geborgenheit, sondern in erster Linie auch jede Menge Insekten als Nahrungsquelle.
Den „Appetit der Vogelwelt“ weckten dabei vor allem in den kälteren Herbst- und Wintermonaten neben Hagebuttenkernen auch zunehmend stärker Efeuknospen. Weiterer Nutzeffekt: „Neben bunten Hagebuttenzweigen findet bei geschickten Floristinnen sogar dürres Strauchgestrüpp in Adventsgestecken wieder kreatives Gefallen, während Wild- und Mauerbienen sowie diverse Hummelarten das Frühjahrsblütenmeer nur so umschwirren“, schilderte Sonnleitner entsprechende Beobachtungen zugleich auch als Garanten beispielsweise der Obstbaum- und Kürbispflanzen-Bestäubung.
Freilich: „Die natürlich wirkende Weg- und Feldrandbepflanzung erfordert gegen deren Ausuferungs-Wuchs einen gewissen Pflegefaktor mit ganz gezieltem Herbst- und Frühjahrsrückschnitt mittels eines Spezial-Mähbalkens im Frontlader-Bereich gängiger Traktoren“, so der Ex-Bauernpräsident. Gerade während der „Wonnemonate“ müsse dabei auf brütende Vögel in Hecken-Nistgehegen Rücksicht genommen werden.
Als günstigste „Heckenstandorte“ betrachtete Sonnleitner Südost-Lagen mit reicher Sonnenbestrahlung – vom Prinzip her jedoch auch viele weitere „Böschungsfleckerl, wo sonst sowieso nix G’scheits wächst“. „Auf feuchteren Eckerln fühlen sich zwischenzeitlich neben Wildenten sogar die äußerst scheuen grünfüßigen Teichhühner pudelwohl“, vermeldete Gerd Sonnleitner einen „besonders raren Rottershamer Artenzuwachs“. Im geborgenen Schutz der Hecken habe in diesem Jahr ferner ein Reh Zwillingskitze geworfen, während zutraulich gewordene Feldhasen sogar bis zum Hofrand die Hofwiese abknabberten.
„Wegen ihres Schattenwurfs standen früher Apfel- und Birnbäume auf Feld- und Wiesenrändern bei Bauern nicht gerade hoch im Kurs, wurden kaum gepflegt und fielen daher später häufig dem Windbruch oder der Kettensäge zum Opfer“, rief der Rottershamer „Goder“-Bauer „Säuberungswellen“ während der letzten Generationen ins Gedächtnis zurück. Fotovergleiche von Landschaftsbildern belegten überdies, dass dank zwischenzeitlich angelegter Hecken- und Baumstreifen wieder deutlich mehr Rainbepflanzungen existierten als beispielsweise noch vor hundert Jahren.
Als „erfreuliche Jagd- und Bauernverbands-Initiative“ deklarierte Sonnleitner Blühstreifen vor allem an Mais-, aber auch sonstigen Getreidefeldern. Zur Stabilisierung des Nahrungsangebotes für Insekten und Vögel, aber auch zum Schutz von Reh- und Niederwildnachwuchs sollten schließlich Wiesenflächen erst relativ spät nach der Blüte gemäht werden, vervollständigte der frühere Bauernpräsident einen „möglichst ganzheitlichen Ansatz zur Schaffung eines regionalen Tierparadieses buchstäblich zum Wohle der Natur“. Hans Nöbauer
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