Login
Auszeichnung

Waldumbau durch stete Nutzung

voeltlt
Externer Autor
am
27.12.2018

Waldbesitzer des Jahres 2018/2019 im Kreis Freyung-Grafenau ernten beständig und mäßig, damit der Wald die Herausforderungen meistern kann.

IMG_7346
Alle zwei Jahre wird im Landkreis Freyung-Grafenau – im Wechsel mit dem Landkreis Regen – der Titel „Waldbesitzer des Jahres“ an drei vorbildlich wirtschaftende Waldbesitzer durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen-Waldkirchen vergeben – heuer bei einem Festakt in der Grundschulaula der Holzgemeinde Neuschönau.
Impressionen Freund
Schirmherr Landrat Sebastian Gruber erinnerte an zwei große Schläge, die der Wald im Landkreis seit 2017 verkraften musste: der Gewittersturm Kolle am Abend des 18. August 2017, der schwerpunktmäßig große Privatwaldflächen schädigte, und der viel zu trockene Sommer 2018, der dem Borkenkäfer beste Voraussetzungen bot. Die Wiederbewaldung erfordere viel Mühe und viel Einsatz von den Waldbesitzern. „Der Landkreis und alle Bürger können sich auf die Waldeigentümer und Förster verlassen, die den Wald auf Dauer durch aktive Bewirtschaftung erhalten können und bei der Wiederbewaldung hohes persönliches Engagement zeigen“, so Gruber.
Rodler01
Mit den Worten „Neuschönau ist auf dem Holzweg“ freute sich der erste Bürgermeister Alfons Schinabeck darüber, dass die Gemeinde ihren Weg in die Zukunft mit Holz gehen will. Bei der Sanierung der Grundschule und auch beim anstehenden Umbau und der Erweiterung des Rathauses in ein Kultur- und Bürgerzentrum kam und kommt viel Holz zum Einsatz. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit und im Tourismus setzt Neuschönau auf den Holzweg. So ist ein 1,5 km langer Themenweg „Holz schlägt Brücken“ geplant.
Die Festansprache hielt Prof. Hubert Röder, der Chef der Professur Betriebswirtschaftslehre „Nachwachsende Rohstoffe“ am TUM Campus Straubing und Sprecher des Clusters Forst und Holz in Bayern.

Holzbasierte Bioökonomie

Holz und damit bewirtschaftete Wälder sind ein Schlüsselfaktor für Klimaschutz und damit eine Lösung, um den Klimawandel und seine Folgen eindämmen zu können. Hinter dem Wort „Bioökonomie“ verbirgt sich die langfristige Umstellung der Volkswirtschaften auf nachwachsende und klimagerechte Roh- und Energiestoffe. Standorte, die führend in der Entwicklung von Technologien sind, mit denen nicht regenerative Roh- und Energiestoffe effizient ersetzt werden, können für sich Wertschöpfung in der Zukunft sichern und damit Arbeitsplätze und Einkommen. Und Holz wird für diese Entwicklungen einer der maßgeblichen Rohstoffe sein, prophezeit Röder. Bayern bringe in dieses Rennen um künftige Wettbewerbsfähigkeit Gunstfaktoren ein, die es bereits heute zu nutzen gilt: Bayern hat Kompetenz- und Erfahrungsträger im Umgang mit Holz, wie das Cluster Forst und Holz, und Bayern hat hohe Holzvorräte. Viel wichtiger als hohe Vorräte wäre aus Röders Sicht aber eine permanente Holznutzung. „Bayern sollte den Titel Weltmeister im Vorratsaufbau tauschen in den Titel Weltmeister im Einsatz von Holz und in der Wertschöpfung mit Holz“, so Röder. „Bayern hat die Chance, sich zum führenden Innovationsträger in der holzbasierten Bioökonomie aufzumachen.“
Die Märkte, die das Cluster Wald-Forst-Holz für sich nutzen muss, werden jetzt verteilt, so Röders Überzeugung. Im aktuellen Bau- und Sanierungsboom muss Holz Akzente setzen, ist sich Röder sicher und fordert ambitionierte politische Signale.
In den klassischen Holzeinsatzbereichen gilt es zusammen mit den Unternehmen bestehende Produkte und Technologien wettbewerbsfähig weiterzuentwickeln. Zusätzlich werden neue Einsatzbereiche entstehen – etwa der Aufschluss von Holz zu Mikro- und Nanofibrillen und zu den Holzgrundstoffen als Alternative für fossile Ressourcen. Notwendig ist es, Spitzenforschung zu konzentrieren, diese mit der Wirtschaft zu vernetzen und aktive Investitions- und Ansiedlungspolitik zu betreiben. „Eine nachhaltige und multifunktionale Forstwirtschaft dient heute und auch in der Zukunft einer nachhaltigen Wertschöpfung im ländlichen Raum, dem Klimaschutz, dem Naturschutz, der Erholung und bildet die Grundlage für eine zukünftige Bioökonomie“, ist sich Röder sicher.
Alle drei Preisträger (zwei 2. Preise, siehe Kästen) zeichnet ein beständiges Wirtschaften auf der ganzen Fläche aus, als Voraussetzung hierfür eine Anbindung an Forststraßen und eine durchdachte Feinerschließung sowie die Einforderung von Qualität bei den forstlichen Maßnahmen. Sie schieben aktiv diese Erfolgsfaktoren an und stehen damit für Waldumbau durch beständige Holznutzung. Sie schaffen mit ihren Partnern Wälder, reich an Struktur, reich an Vorausverjüngung, die gut mit Wegen erschlossen und arm an Risiko sind.

2. Preis: Familie Freund, Traxing

Franz Freund hat 1999 den Betrieb von seinem Vater übernommen. Der landwirtschaftliche Teil umfasst ca. 25 ha, der forstwirtschaftliche ca. 27 ha. Freund legt bei der Waldbewirtschaftung Wert auf handwerkliche Perfektion und hat einen Blick auf das Detail und die Verjüngung. Er verjüngt seine Wälder stetig auf ganzer Fläche. Auf den meisten seiner Verjüngungsflächen beträgt der Laubholzanteil mittlerweile über 30 %; auf hohe Tannenanteile wird Wert gelegt. In einem 70-jährigen Lärchenbestand wächst Tannenverjüngung massig, eine beherzte Durchmusterung der darüberstehenden Lärchen ist bereits geplant, bevor die Tannen in diesem Bestand zu groß werden. Der Betriebsinhaber betont, dass die Jägerschaft ebenfalls an diesem Erfolg beteiligt war und ist. Einzelschutz gegen Wildverbiss ist nicht erforderlich, lediglich eine Laubholzpflanzung in exponierter Lage wurde noch gezäunt.

Franz Freund musste heuer bereits ca. 200 fm Käferholz herausarbeiten, ein Ende ist nicht in Sicht. Trotz regelmäßiger und vollständiger Kontrolle der gesamten Waldbestände gelingt es in Trockenjahren wie 2018 allenfalls, den Schadholzanfall so gering wie möglich zu halten. Der Betriebsinhaber befürchtet für das Jahr 2019 erneut starken Käferbefall, da der Bestand wegen der Trockenheit stark geschwächt ist.

Zu den wichtigsten Maßnahmen im forstlichen Bereich zählen für den Zweitplatzierten das Wald- und Wegenetz. So hat er zuletzt heuer im April auf einer Länge von 650 m einen Weg angelegt. Die gesamte Länge des neu gebauten Weges beträgt ca. 1,3 km. „Die Familie Freund hat mit Arbeit, Fleiß, Können und Einsatz ein Wirtschaften im Wald begonnen, das den Herausforderungen von heute begegnet und den Rahmen für die Zukunft bildet“, so die Würdigung der Jury.

Waldbesitzer des Jahres sind Vorbilder

Mit über 60 % Anteil oder fast 56 000 ha dominiert der Wald das Landschaftsbild im Landkreis Freyung-Grafenau. Fast die Hälfte (46 %) sind in den Händen von rund 15 000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, die 8000 Waldbesitzstände oder Forstbetriebe bilden. Ca. 2000 ha sind Kommunalwald.

Das AELF Regen stiftet für den Privatwald die Auszeichnung „Waldbesitzer des Jahres“, um die Leistungen von Waldbesitzern für Forstwirtschaft, Wald, Natur und Gesellschaft zu honorieren und vorbildliche Wirtschaftsweise herauszustellen. Die Auszeichnung wird wechselnd in den Kreisen Regen und Freyung-Grafenau vergeben.

1. Preis: Familie Georg Rodler aus Heindlschlag

Der Waldbesitzer Georg Rodler hat die Verantwortung über einen land- und forstwirtschaftlichen Familienbetrieb mit rund 36 ha Wald. Die Familie versteht unter verantwortlicher Bewirtschaftung eine nachhaltige, aber permanente Nutzung, sodass Naturverjüngung auf großer Fläche einsetzen kann. Wegebau und Wegeunterhalt waren Georg Rodler deswegen immer schon eine Herzensangelegenheit. Der Preisträger übernimmt aber auch über den eigenen Betrieb hinaus Verantwortung. Er engagiert sich in der landwirtschaftlichen Interessenvertretung, hält aktiv Kontakt zu den Jägern und hat auch nach dem 18. August 2017, dem Abend des Gewittersturms Kolle, besitzübergreifend Flagge gezeigt.

Der Sturm hat die Rodlers selbst schwer getroffen, gut 18 ha wurden zerstört. Die größte zusammenhängende Schadfläche ist 3 ha groß. Dort lag ein 80-jähriger Bestand komplett am Boden. Georg Rodler war ein Beispiel an Solidarität – er rief zu gemeinsamen Aufarbeitungs- und Vermarktungsstrategien und zu mechanisierter Aufarbeitung auf den Schadflächen auf. Eigentlich hätte der Wald eine tragendere Rolle im künftigen Betriebskonzept der Familie spielen sollen. Mit den Vorratsverlusten am Abend des 18. Augusts ist es nun notwendig, das landwirtschaftliche Standbein auszubauen.

Die permanente, ständige Nutzung mit ansehnlichen Vorausverjüngungsvorräten oder beginnender Verjüngung am Waldboden macht sich auch nach Kolle als Erfolgsfaktor bemerkbar. Denn ist bereits Naturverjüngung da, bleibt davon bei gekonnter und schonender Aufarbeitung viel übrig – selbst nach einem Totalschaden wie bei Kolle. Rodlers haben auf einer Fläche mit Bambusstäbchen die jungen Bäume markiert, um dem Aufforstungsbedarf auf den Grund zu gehen. Im Ergebnis kann man davon ausgehen, dass dort nicht flächig gepflanzt werden muss. Selbst nach dem zu trockenen und warmen Jahr 2018, das Tribut bei den jungen Pflanzen und bei den Pflanzungen gefordert hat.

Mit dem Preis würdigt die Jury ein sehr engagiertes persönliches Wirken, das sich auch in harten Einschnitten bewährt hat. Aktiv, ständig und mäßig den eigenen Wald zu bewirtschaften, um vorausverjüngungsreiche und strukturierte Waldbestände heranzuformen – das ist die beste Risikoversicherung.

2. Preis: Familie Völtl, Pollmannsdorf

Michael Völtl trägt die Verantwortung für einen Familienbetrieb mit rund 35 ha Wald. Er nimmt als Preisträger eine Doppelrolle ein, denn er ist nicht nur ein sehr engagierter Waldbesitzer, sondern arbeitet auch als forstlicher Unternehmer. Bei seinen Kunden hat er den Ruf, mit dem Wald umzugehen, „als wenn es sein eigener wäre“ – nämlich pfleglich, umsichtig und verantwortlich. Michael Völtl steht für ein hohes Qualitätsniveau und -bewusstsein, das sich langfristig auszahlt – bei ihm im eigenen Wald, im Wald seiner Kunden und auch bei denjenigen, die das Holz kaufen. Im eigenen Betrieb setzt er auf nachhaltige, aber permanente Nutzung und auf Naturverjüngung. Frühzeitig entstehen Lichtstellungen in den stabilen Beständen, die Schattbaumarten keimen lassen. In lichteren Bereichen kommen dann früher oder später Halbschatten- und Lichtbaumarten hinzu. Als Folge entstehen baumartenreiche und strukturierte Bestände mit einem hohen Tannenanteil in der Naturverjüngung.

Mäßig Holz zu nutzen auf ganzer Fläche heißt aber auch, dass überall ein wenig Holz anfällt, das gefällt und gerückt werden muss. In der Konsequenz hat pflegliches Arbeiten und Schonung von Boden, Verjüngung, verbleibenden Bäumen und der Wege einen sehr hohen Stellenwert bei Völtl. Er ist ein Kenner der forsttechnischen Entwicklung, immer auf der Suche nach praktikablen Lösungen für die Verhältnisse im Kleinprivatwald. Zum anderen ist Völtl ein glaubwürdiger Multiplikator für das Prinzip der beständigen Nutzung des Waldes. Schließlich bildet sich der Preisträger auch stetig an der Waldbauernschule fort.

Mit dem Preis würdigt die Jury ein sehr engagiertes Wirken, das sich in vorbildlichen Waldbildern zeigt – in seinem eigenen Wald und in seinen Spuren als Unternehmer.

Auch interessant