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Wasserqualität

Wasserschutz - Zusammenarbeit bewirkt viel

Falkenberg_jo
Claudia Rothhammer
am
03.04.2018

In Falkenberg wird ein vorbildlicher landwirtschaftlicher Wasserschutz betrieben.

Helmut Brunner auf Abschiedstour: Um den Gewässerschutz in Bayern voranzubringen, hatte Bayerns jetzt ehemaliger Landwirtschaftsminister vor einem Jahr einen Wasserpakt initiiert. Ein Baustein des Pakts ist ein bayernweites Netz von 94 Demonstrationsbetrieben, die Landwirte praxisnah zu gewässerschonenden Verfahren informieren. Doch wie arbeiten die Demonstrationsbetriebe? Wie können Landwirte von ihren Erfahrungen profitieren? Kurz vor Ende seiner Amtszeit nutzte Brunner die Gelegenheit, sich auf dem Hof von Christian Fuchsgruber aus Falkenberg noch selbst ein Bild über die Arbeit der Demonstrationsbetriebe zu machen. Und der Minister kann sich beruhigt zurückziehen: Im Landkreis Rottal-Inn läuft der Gewässerschutz „vorbildlich“.

Das wichtigste Produktionskapital des Landwirts ist der Boden. Im Landkreis Rottal-Inn mussten nicht wenige Bauern über Jahrzehnte hinweg Abschwemmungen oder eine schlechte Wasserinfiltration auf ihren Feldern hinnehmen. Rainer Blaschke vom Landschaftspflegeverband Rottal-Inn stellte Brunner einige Problemstellen im Landkreis vor. Man liege sozusagen im „Hotspot Bodenerosion“, so Blaschke. „Dafür kann man aber auch sagen, wir sind der Hotspot in Sachen Zusammenarbeit.“ Seit Jahren arbeite man an einer Verbesserung der Situation, indem man den Erosionsschutz auf Ackerflächen, Puffersysteme zum Stoffrückhalt in der Landwirtschaft und die Gewässerentwicklung vorantreibe. Alle drei Ansätze würde ineinandergreifen. „Das Entscheidende aber ist, dass alle Beteiligten mitmachen“, so Blaschke. „Gibt es irgendwo ein Problem, geht es nicht mehr um die Frage, ob man was machen muss, sondern nur noch um das Wie.“ Alle Beteiligten, ob Naturschutzverbände, Landwirte und Behördenvertreter würden in Gesprächen stets nach einer Lösung suchen. Auch wenn es manchmal langsam voran gehe, Diskussionen und Aussprachen auf Augenhöhe seien wichtig, um alle Beteiligten mitzunehmen.
AELF-Leiter Josef Eichenseer konnte dies nur bestätigen. 2006 habe man mit dem Rottauenseeprojekt begonnen und alle Beteiligten in Sachen Gewässerschutz an einen Tisch gebeten. Es folgten nicht nur weitere Verbesserungsmaßnahmen wie das Mertseeprojekt oder die AG Boden- und Gewässerschutz Rottal-Inn. Daraus entwickelte sich die Initiative „boden:ständig“, ein Programm, das Landwirte beim Schutz ihrer Böden berät und unterstützt. Ein Projekt mit Signalwirkung, wie Brunner lobte. Angespornt durch die Erfolge in Niederbayern sei es ihm ein großes Anliegen gewesen, die Initiative zu einem bayernweiten und dauerhaften Angebot ausbauen zu lassen. „Davon verspreche ich mir sehr viel“, so Brunner. Er bedankte sich bei Eichenseer und seinem Team für das große Engagement des AELF Pfarrkirchen. „Sie sind seit vielen Jahren ein Schrittmacher in Sachen Gewässerschutz.“
Ein alter Hase mit viel Erfahrung auf diesem Gebiet ist auch Christian Fuchsgruber. Seit über 30 Jahren gehört der Humusaufbau im Boden und der Erosionsschutz zur Philosophie seines Betriebs. Ein weiteres von ihm selbst gestecktes Ziel ist die Verbesserung der Wasserinfiltration von Wasser in den Boden nach Regenfällen. Dazu verzichtet Fuchsgruber seit langem auf den Pflugeinsatz, baut Zwischenfruchtmischungen an und bestellt Mais im Direktsaatverfahren. Die im Betrieb anfallende Gülle wird bodennah ausgebracht. Wie im Detail und mit welchen Maschinen schilderte der Landwirt Brunner vor Ort. Er verriet dabei auch kleine Kniffe mit großer Wirkung für den Bodenschutz. Beispielsweise lasse er auf dem Feld Luft aus den Traktorreifen. Das Ablassen von 0,5 bar höre sich zwar wenig an, „bringt dem Boden aber total viel“, versichert Fuchsgruber. Dadurch könne er die Bodenverdichtung verringern und somit die Wasserinfiltration erheblich verbessern. „Und in drei Minuten sind die Reifen nach der Feldarbeit auch wieder aufgeblasen.“
Bei der Exkursion ging Fuchsgruber auch genauer auf seine Bewirtschaftungsweise ein. Durch Ausprobieren habe er nun seine Fruchtfolge optimiert: Wintergerste, Körnermais, Winterweizen und Körnerraps. Neu hinzu kommen wird auch die Sojabohne. Die stetige Bodenbedeckung trage ebenso zum Bodenschutz bei wie das Belassen der kompletten Ernterückstände auf dem Acker. Sehr gute Erfahrungen habe er mit der konservierenden Bodenbearbeitung gemacht. Durch den Verzicht des Pflugs seit 2011 und den Einsatz nichtwendender Bodenbearbeitungsgeräte wie zum Beispiel Grubber, die den Boden weitgehend in seinem Aufbau belassen, habe er rund 69 % weniger Oberflächenwasserabfluss und 90 % weniger Sedimentverlust auf den Feldern.
Bei der Exkursion fiel noch etwas auf: Fuchsgruber hat an allen Bächen, die an seine Felder grenzen, sechs Meter breite Gewässerrandstreifen angelegt. Für ihn kein Verlust an Ackerbaufläche, sondern ein Gewinn. Für ihn sei es jeden Morgen ein schönes Bild zu sehen, dass in den Streifen Leben herrsche und sich dort auch regelmäßig ein Greifvogel niederlasse. Deshalb wolle er die Streifen auch auf zehn Meter Breite ausdehnen, so der ambitionierte Landwirt. Wie gesund der Boden durch die verschiedenen Maßnahmen sei, würden ihm auch die Regenwürmer bestätigen. Auf einen Quadratmeter habe man gut 300 Regenwürmer gezählt.
Dass nicht nur der Demonstrationsbetrieb von Fuchsgruber eine tolle Anlaufstelle für lernwillige Landwirte ist, die ebenfalls etwas für ihren Boden tun wollen, zeigte nach der Exkursion auch Junglandwirt Konrad Gschöderer. Der Milchviehbetrieb in der Nähe von Simbach am Inn ist ebenfalls einer der bayernweit 94 Demonstrationsbetriebe, von denen Berufskollegen lernen können. Seit über 15 Jahren werden auf allen hängigen Flächen des Betriebs nach Getreide Zwischenfrüchte angebaut und der darauffolgende Mais im Mulchsaatverfahren bestellt. Die im Betrieb anfallenden Wirtschaftsdünger werden bodennah mit Schleppschuhtechnik und bodenschonender Bereifung ausgebracht. Auf direkt an Gewässern angrenzende Äcker hat der Betrieb 10 bis 30 m breite Pufferstreifen zum Gewässerschutz angelegt. Darüber hinaus unterteilt Gschöderer zur Verringerung der Erosionsgefahr freiwillig seine langen Felder mit Getreide und Mais.
Brunner war von den Ausführungen jedenfalls sehr angetan. „Hier können sich unsere Bauern bei Berufskollegen aus erster Hand über geeignete Bewirtschaftungsverfahren informieren und sich wertvolle Praxistipps holen“, lobte Brunner. „Ihre beiden Betriebe sind Aushängeschilde unseres Wasserpakts“, so Brunner an Gschöderer und Fuchsgruber gewandt. Für Brunner ist klar: „Bayerns Landwirte sind bereit, die Herausforderungen im Boden- und Gewässerschutz offensiv anzugehen. Ergänzend zu den gesetzlichen Vorgaben setzen wir dabei auf Wissen, Kooperation und Überzeugung.“ Deshalb habe er auch die Anzahl der Wasserberater an den AELFs auf 37 verdoppelt. Sie arbeiten eng mit den Demonstrationsbetrieben zusammen. Vergangenes Jahr hätten sie über 33 000 Landwirte erreicht. Ein weiteres „Schwergewicht“ sei das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) mit über einer Viertelmilliarde Euro Fördervolumen. „Dass die Landwirte bereit sind, mehr zum Schutz des Grundwassers und zur Reduzierung der Nährstoffeinträge in Bäche und Seen zu tun, sehen wir auch hier“, so Brunner. Die Zahl der Anträge mit Schwerpunkt Gewässerschutz ist im Vergleich zum Vorjahr um 70 % auf fast 8300 gestiegen.
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