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Wolfsmanagement

Wolf - Angst um die Tiere treibt Bauern um

Wolf-GK
Lorenz Märtl
am
01.10.2018

Deshalb gab es Wolfsmahnfeuer bei Johann Gloßner auf dem Altmühltaler Schnuckenhof in Erasbach.

Wie in Erasbach bei Johann Gloßner, Inhaber des Altmühltaler Schnuckenhofes, brannten kürzlich wieder europaweit Wolfsmahnfeuer. Damit wollte man erneut in aller Deutlichkeit auf die „riesigen Probleme“ hinweisen, welche die massive Ausbreitung der Wölfe bereitet. Johann Gloßner beschrieb sein Sicht mit drastischen Worten: „Sie ziehen in allen Bundesländern eine Blutspur durch die Nutztierbestände. Das kann so nicht bleiben, wir brauchen eine Koexistenz zwischen Wölfen und Nutz- und Wildtieren.“ Vor Berufskollegen aus ganz Bayern, aber auch einer Gruppe von Wolfsschützern brachte Gloßner die Stimmung so auf den Punkt: „Wir haben Angst um unsere Tiere, wir haben Angst um unsere Existenz.“

Namens seiner Berufskollegen forderte Gloßner die Entscheidungsträger zur Umkehr bei der Wolfspolitik auf, weil die Wolfsschäden an den Herden inzwischen dramatische Ausmaße annähmen. Zurzeit würden allein in Deutschland 1000 Wölfe leben – nachdem vor 20 Jahren erstmals wieder ein Wolf gesichtet wurde. Ohne Regulierung werde die Anzahl in den nächsten fünf Jahren auf 5500 Raubtiere anwachsen. Es sei höchste Zeit, der verhängnisvollen Entwicklung Einhalt zu gebieten und die nichtregulierte, experimentelle Raubtieransiedlung in einer hochentwickelten Kulturlandschaft zu beenden. Der Wolf könne seine Existenzberechtigung in definierten Naturschutzräumen suchen und finden, aber Landstriche mit traditioneller Weidetierhaltung würden nicht dazu zählen.

Voller Schutz der Weidetiere unmöglich

Joseph Grasegger, der Landesvorsitzende der Bayerischen Schafhalter, schilderte jüngst Vorkommnisse von Wolfsrissen an Schafen und Weidetieren, die sich in letzter Zeit häufen. „Uns geht es vor allem um den Schutz unseres Eigentums“, betonte Grasegger, „denn wir leben davon.“ Politik und Behörden, so seine Forderung, müssten endlich ihrer Verantwortung gerecht werden, bevor noch mehr passiere. Aus Nachbarländern wisse man, dass alle Versuche eines Wolfsmanagements mit Schutzhunden oder Elektro-Zäunen zwar hohen Aufwand verursachen, aber die Weidetiere letztendlich so nicht geschützt werden können. Seine klare Forderung: „Wölfe müssen entfernt werden, wenn sie Mensch oder Vieh Schaden zufügen oder gefährlich nahekommen.“ Dem pflichtete auch Alfred Rathsam vom Mittelfränkischen Verband der Wildtierhalter bei: „Der Wolf muss ganz weg und das sollte man endlich sinnvoll angehen.“
„Wir stehen an ihrer Seite, aber wir können das Thema nicht mit dem Gewehr lösen“, meinte Uwe Friedl, Artenschutzreferent des Bund Naturschutz. „Es gibt keine einfachen Lösungen, aber die vielen offenen Fragen müssen gemeinsam von allen Beteiligten diskutiert werden.“ Vor allem brauche man eine konkrete Herdenschutzrichtlinie. „Die funktioniert genauso wenig wie alles, was bisher erdacht und ausprobiert wurde“, konterte Gloßner. Vielmehr verwies er auf das Beispiel Schweden mit der doppelten Fläche von Deutschland. 300 Wölfe wären dort die Obergrenze. Auf Deutschland umgerechnet wären das dann 150 Wölfe „und die gehören in den Wald“. Handeln, so Gloßner, müsse die Politik und endlich mit der Lüge aufhören, alles sei schützbar.
Für eine kräftige Regulierung der Wolfsbestände und eine umfassende und unbürokratische Entschädigung bei Wolfsrissen plädierte auch der Präsident des Ökoverbandes Naturland e. V., Hubert Heigl. Er forderte klare Grenzen für den Wolf, damit die Tierhaltung auf den Biobetrieben auch in Zukunft weiter betrieben werden könne. Ein umfassender Herdenschutz, wie er vielfach propagiert werde, sei nicht nur zu teuer, sondern vielerorts überhaupt nicht möglich.

Einig war man sich abschließend in der Forderung, dass man von allen Verantwortlichen in Politik, Behörden und Verwaltung erwarte, dass sie sich aktiv und mit Nachdruck sowohl auf EU-, Bundes- als auch auf der Landesebene für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Wölfen, der Weidetierhaltung und den natürlichen Ressourcen aus Flora und Fauna einsetzen.

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