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Versammlung

Wolf, Trassen, Polder - keine Panikmache, sondern Fakten

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
14.01.2019

Zum Jahresbeginn bezieht der BBV Oberpfalz deutlich Stellung zu wichtigen Themen.

Die Tierhalter sind nicht ohne Grund in großer Sorge

Der Bayerische Bauernverband, Bezirksverband Oberpfalz hat sich in seiner Jahresabschlussversammlung ausführlich mit der Wolfproblematik auseinandergesetzt. Mit einer deutlichen Resolution, die jetzt an alle zuständigen Stellen und an die Vertreter der Politik in der Region übersandt wird, hat sich der Verband angesichts der aktuellen Entwicklungen und Wolfsichtungen klar positioniert.

Als Experte war zur Bezirksversammlung der neue Wolfsbeauftragte für die Oberpfalz, Markus Martini, eingeladen, um über das Wolfsmanagement und -Monitoring zu berichten. In der Diskussion mit dem Experten zeigte sich, dass aufgrund der zunehmenden Wolfsnachweise auch in der Oberpfalz insbesondere die tierhaltenden Betriebe nicht ohne Grund in großer Sorge sind. Neben weiteren Wolfsrissen befürchten die Weidetierhalter auch Probleme mit panikartigen Ausbrüchen von Herden und dadurch entstehende Schäden bis hin zu unkalkulierbaren Haftungsrisiken. „Wir wissen aus anderen Bundesländern, dass in solchen Fällen auch Herdenschutzhunde und angeblich wolfssichere Zäune keinen sicheren Schutz bieten“, betonte der Präsodent des BBV in der Oberpfalz, Josef Wutz. Zur nachhaltigen Sicherung der Weidetierhaltung in der Oberpfalz formulierten die Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner des Bauernverbands eine Resolution, die der Politik mit auf dem Weg gegeben werden soll. „Alle verhaltensauffällige Wölfe müssen unbürokratisch und schnell der Wildbahn entnommen werden“, fordert Josef Wutz die Politik und die Naturschutzbehörden auf. „Es darf nicht sein, dass ausgerechnet diejenigen Betriebe, die eine besonders extensive und tierwohlorientiert Landwirtschaft betreiben, durch die Rückkehr des Wolfes ihre Weidetierhaltung aufgeben müssen.“
Dass diese Schlussfolgerungen keine Panikmache sind, bestätigen statistische Zahlen: alleine im Jahr 2018 bestätigt das LfU fünf Nachweise für die Präsenz von Wölfen in der Oberpfalz. Nachgewiesen wurde der große Beutegreifer 2018 demnach in den Landkreisen Schwandorf, Regensburg, Tirschenreuth und zwei Mal in Neustadt/WN. Zuletzt beobachtete ein Jäger Mitte November in Auerbach i.d. Opf. ein ganzes Wolfsrudel. Inzwischen wurden auch bereits zwei nachgewiesene Wolfsrisse bei Schafen gemeldet.
Die Bezirksversammlung des Bayerischen Bauernverbandes Oberpfalz hat deshalb zur nachhaltigen Sicherung der Weidetier-, Offenstall- und Freilandhaltung ganz klare Forderungen. Alle verhaltensauffälligen Wölfe oder Rudel, die Tierherden angreifen und Risse verursachen, müssen schnell und unbürokratisch entnommen werden dürfen. Außerdem ist für alle durch Wölfe entstandenen Schäden eine umfassende Entschädigungsregelung einzuführen, die nicht nur den Wert der getöteten Tiere ausgleicht, sondern auch die übrigen Schäden durch zusätzlichen Kosten und Zeitaufwendungen berücksichtigt.

Beweislast muss umgekehrt werden

In diesem Zusammenhang fordert der BBV Oberpflalz auch eine Umkehr der Beweislast, wenn es darum geht, den Wolf als Schadensverursacher festzustellen. Die Einstellung des Wolfsbeauftragen seitens der Regierung der Oberpfalz wird in der Resolution ausdrücklich begrüßt, aber: „Das Wolfsmanagement muss dazubeitragen, die Tierhalter in der Region bei Problemen mit den großen Beutegreifern zu unterstützen“.

Stromtrassen bleiben ein großes Thema

Eine weitere Herausforderung für die Landwirte in der Oberpfalz stellt der Bau der Stromtrassen dar, führen doch der Ostbayernring und der Südostlink mitten durch die Region. Neben der Notwendigkeit der Trasse diskutierte die Bezirksversammlung auch die Entschädigungsfragen intensiv. „Unabdingbar sind für uns die wiederkehrenden Zahlungen“, fasst Bezirksbäuerin Rita Blümel die Diskussion zusammen und sie stellte noch einmal klar: „Davon lassen wir uns nicht abbringen.“
Aber auch das Thema Flächensparen bei einer Realisierung der Trasse hat oberste Priorität. „Wenn man sieht, wie viel Wald für die beiden Trassen gerodet werden muss, wie viele neue Masten entstehen und wie viel Fläche für den naturschutzfachlichen Ausgleich hergenommen wird, ist man als Landwirt einfach schockiert“, meint Martin Härtl, stellvertrender Kreisobmann aus Tirschenreuth, der auch die Frage, ob es die Trassen denn wirklich braucht, offen diskutiert sehen möchte.
Die Bezirksversammlung des Bayerischen Bauernverbandes Oberpfalz begrüßte zudem die Entscheidung der Staatsregierung, auf Polder im Raum Regensburg zu verzichten. Dass Hochwasserschutzmaßnahmen wichtig sind, darüber waren sich alle Kreisobmänner und Kreisbäuerinnen einig. „Dieser Schutz ist aber auch durch dezentrale Maßnahmen möglich“, so die einhellige Meinung in der Bezirksversammlung.
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