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Regenerative Energie

75 kW-Biogasanlagen bewähren sich

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Externer Autor
am
24.06.2019

ÄELF Krumbach und Nördlingen organisieren einen Informationstag für Bauern

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Waldstetten/Lks. Günzburg Seit 2012 fördert der Gesetzgeber über das EEG Biogasanlagen bis 75 kW und einem Masseanteil von mindestens 80 % Gülle und Mist mit einer erhöhten Stromvergütung. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit diesem Anlagentyp und den verbesserten Rahmenbedingungen durch das neue Energiesammelgesetz hatte Hannes Geitner, Fachberater für Landtechnik und erneuerbare Energien am AELF Nördlingen, zusammen mit dem AELF Krumbach, vertreten durch Fachberater Reinhard Frank vom Sachgebiet Landwirtschaft, einen gut besuchten Informationstag im Gasthof Engel in Waldstetten organisiert.

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Geitner verwies zu Beginn seines Referats darauf, dass im nördlichen Schwaben zwar kein Boom dieser Anlagen zu verzeichnen ist – aber inzwischen doch 42 „kleine Hofbiogasanlagen“, wie die 75er gerne genannt werden, laufen. Aber immerhin kämen in jedem Landkreis ein bis zwei Anlagen pro Jahr dazu. Derzeit sind elf dieser Biogasanlagen in Bau und Planung, die meisten im Donau-Ries.
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Der Referent informierte auch über die bisherigen Erfahrungen: In Baden-Württemberg wurden die Daten von 19 Anlagen ausgewertet. Fazit: Bis auf ein paar Ausreißer erreichen die meisten eine Auslastung von 97 % und die Betreiber haben keine großen Probleme damit.
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Bei Inbetriebnahme im Sommerhalbjahr 2020 beträgt die für 20 Jahre gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung 22,14 ct/kWh für eine Stromerzeugung von im Durchschnitt 75 kW im Jahr. Voraussetzung ist, dass im Jahresschnitt mindestens 80 Masseprozent Gülle in der Anlage vergoren werden, also „Exkremente und/oder Urin von Nutztieren – abgesehen von Zuchtfischen – mit oder ohne Einstreu“. Allerdings dürfen Wirtschaftsdünger aus der Geflügelhaltung nicht auf die 80 Masseprozent angerechnet werden. Der Gesetzgeber verlangt als Nachweis die jährliche Vorlage einer Kopie des Einsatztagebuchs bis zum 28. Februar des Folgejahres.

Hohe Kostenstreuung

Die installierte elektrische Leistung der Anlage darf 150 kW nicht überschreiten und die Stromerzeugung muss am Standort der Biogasanlage stattfinden. Satelliten-BHKW können demnach nicht die Vergütung für solche Güllekleinanlagen erhalten.
Die Anlagen, die in letzter Zeit errichtet wurden, kosteten im Schnitt rund 600 000 €, erklärte Geitner, wobei die Investitionskosten zwischen 6500 und 10 000 € pro kW liegen können. Diese hohe Kostenstreuung gehe darauf zurück, wie das Vorhaben ausgeführt wird. Beim laufenden Betrieb sei erfahrungsgemäß mit etwa einer Stunde Arbeit pro Tag zu rechnen.
Geitner gab auch die Erfahrungen von Bauern mit Gülle-Kleinanlagen weiter: Beispielsweise bleibe in einem Betrieb mit 265 GV die Gülle relativ lange in den Kanälen einer hochwertigen Anlage und komme so auf einen Gasertrag von 140 % gegenüber den Normgaserträgen – während bei einem anderen Hof mit 123 GV, einer Schieberentmistung mit viel Mist vom Jungvieh und einer CCM-Fütterung ein Gasertrag von 154 % erreicht wird. Insgesamt „sehr positiv“ sei, dass die meisten Biogasanlagen problemlos arbeiten und die Einnahmen die betriebliche Liquidität in Zeiten schlechter landwirtschaftlicher Erlöse sicherten.

Strom an die Börse

Die Vergütung ist gesetzlich geregelt. Die Laufzeit beträgt 20 Jahre zuzüglich des Inbetriebnahmejahres. Sie verringert sich pro Halbjahr um 0,5 %, jeweils zum 1. April und 1. Oktober. Beim Stromverkauf ohne Direktvermarktung verringere sich dieser Wert um 0,2 ct/kWh. Der Gesetzgeber will durch diesen Zuschlag von 0,2 ct den Verkauf des Stroms an der Strombörse forcieren.
Die Installation eines BHKW mit 150 kW sei nicht sinnvoll, so Geitner, denn ab 100 kW müssten diese fernsteuerbar und doppelt überbaut werden. Optimal sei daher ein 100-kW-Motor, der gedrosselt mit rund 80 kW gefahren wird. Durch die Reserveleistung können so unter Umständen bei Störungen verlorene Einspeisezeiten nachgefahren werden.
Aktuell gebe es keine Abstandsauflagen für Biogasanlagen gibt, erklärte Geitner auf Nachfrage. Allerdings gehöre zur Genehmigungspraxis der Landratsämter eine Absicherung durch Gutachten. Eventuell verlange die neue TA-Luft einen Abstand mindestens von 100 m zur der nächsten Wohnbebauung. Genehmigungspflichtig seien alle Anlagenteile.
Die Frage nach Ausgleichsflächen bejahte der Referent. Biogasanlagen seien nicht privilegiert im Außenbereich. Privilegiert seien sie nur bei engem räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Betrieb bzw. dem betrieblichen Schwerpunkt im Außenbereich, wie einem Stall oder einer großen Maschinenhalle.
Man müsse mit etwa 12 000 bis 13 000 € Wartungskosten pro Jahr rechnen, sagte Geitner. Die Stromkosten lägen bei etwa 7 % der Stromerzeugung, die Versicherung bei 0,5 % der Investition, die „Fütterungszeit“ etwa 20 min./Tag, kalkuliert bei 35 € (ohne Lohnkostenansatz). Hinzu kämen sonstige Kosten von 2000 €/Jahr, der unterstellte Lohnansatz bei 15 €/h. Die Abschreibung betrage beim Bau 20 Jahre, bei der Technik 10 und beim Motor 7,5 Jahre. Bei guten betrieblichen Voraussetzungen und einer Nettoinvestition von 600 000 € verbleibe so in etwa ein Gewinn von 35 000 bis 40 000 € netto vor Steuern pro Jahr. Die Amortisationszeit liege zwischen sechs und zehn Jahren.
Stromerzeugung sei eine gewerbliche Einnahme. Um hier günstig zu fahren, haben manche Bauern die Motoren an ihren Gewerbebetrieb vermietet, der dann den Strom ins Netz einspeist, so der Referent.
Günstige Ausgangsvoraussetzungen sind ein Betrieb mit größerem Tierbestand, Möglichkeiten der Vergärung von Festmist bzw. kostengünstiger und energiereicher Co-Fermentate wie Getreideabputz oder Grüngut der Kommunen. Wichtig sei überdies beim Netzbetreiber anzufragen, welche Kosten für den Anschluss anfallen. Am besten gleich den Eingabeplan erstellen (ohne Bauvoranfrage), nachdem man vorher mit der Gemeinde und den Anwohnern gesprochen hat. Empfehlenswert sei ein Vorgespräch im Landratsamt.

So den Stall finanziert

Ein Bauer berichtete am Ende des theoretischen Teils aus dem Nähkästchen: Er habe den Bau seines Stalles mit seiner Biogasanlage kombiniert – und diese habe ihm letztlich die Stallbaukosten finanziert.
Am Nachmittag wurden zwei Betriebe mit 75er-Biogasanlagen besucht: Zanker in Untereichen-Altenstadt (75er-Güllekleinanlage nach dem EEG 2012 betrieben, seit Februar 2012 in Betrieb) und Familie Jehle in Dattenhausen.
Jungbauer Johannes Zanker erläuterte das System, das ohne Generalunternehmen nach dem „Rosenheimer Modell“ gebaut wurde. Bei diesem Zusammenschluss errichten die Landwirte in Eigenregie ihre Biogasanlage mit meist heimischen Handwerkern. Hier wurden 328 000 € plus Eigenleistungen investiert. Vorhanden war der Querkanal mit Pumptechnik und das Endlager sowie der Trafo, hinzu kamen ein Fermenter mit einem Volumen von 1200 m3,, ein Motorraum, etc.
Wie sieht es hier mit dem Input aus? Eingetragen wird die Gülle von 190 Kühen ohne die Nachzucht und täglich etwa 500 bis 800 kg Reststoffe wie Futterreste, Siloabraum und Rasenschnitt der Gemeindemitglieder. Die Arbeitszeit beträgt hier etwa 15 Minuten täglich, für Abschmieren, Ölwechsel und Instandhaltung etwa eine Stunde pro Woche.
An „Bürokratie“ erledigen die Zankers, die technische Überprüfung alle drei Jahre, die Abnahme nach dem Wasserrecht erfolgt alle fünf Jahre. Täglich werden Aufzeichnungen erstellt über Kontrollgänge und Stoffeinsatz sowie monatliche Aufzeichnungen über den Anlagencheck. Wichtig sei, dass zwei Personen die Sicherheitsunterweisung absolvieren.
Bei Jehle ist die Anlage erst seit einem Jahr in Betrieb, informierten Anton und Sohn Christian die Besucher: Grundlage sind die 140 Milchkühe. Fertig ist hier die Umwallung, die nur etwa 60 cm hoch ist, entsprechend der Höhe des Fassungsvermögens der Vergärungsbehälter. TL
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