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Milchpreis

Anstrengungen tragen Früchte

Milchwerke Schwaben
Michael Ammich
am
15.05.2017

Ulm - Den Milchwerken Schwaben ist es gelungen, 2016 einen höheren Preis zu erwirtschaften.

Auch die Genossenschaftsmitglieder der Milchwerke Schwaben haben die zunehmende Gängelei mit immer neuen Vorgaben und Labels durch den Lebensmitteleinzelhandel satt. „Es ist an der Zeit, dass die landwirtschaftlichen Organisationen wie der Bauernverband die Vorgaben zum Tierschutz und zur Nachhaltigkeit endlich selbst in die Hand nehmen“, brach es aus Anton Köberle heraus. „Wir dürfen uns hier nicht vom Handel treiben lassen.“ Auf der Vertreterversammlung der Milchwerke in Ulm machte der Vorstandsvorsitzende aber auch klar, dass sich die Molkereigenossenschaft dem Markt stellen muss.
„2016 war für die Molkereien und die Milcherzeuger ein geteiltes Jahr“, stellte Köberle fest. Führten die nahezu weltweit gestiegene Produktion, das Russland-Embargo und die gesunkene Kaufkraft in vielen Öl exportierenden Ländern im ersten Halbjahr zu einem Nachfragerückgang, so bremsten die Intervention bei Magermilchpulver, das Milchmengenreduzierungsprogramm, das vermehrte Schlachten von Kühen und das Einsparen von Kraftfutter im zweiten Halbjahr die Produktion und damit den Preisverfall. Mit diesem war allerdings erst bei einem Niveau von 21 ct im deutschen Durchschnitt Schluss. „Es war einfach zu viel Milch auf dem Markt“, sagte Köberle. „Wieder einmal befanden sich das Angebot und die Nachfrage nicht im Gleichgewicht.“

Erfolgreich gewirtschaftet

Stolz zeigte sich der Vorsitzende, dass es den Milchwerken Schwaben gelungen war, bis zum Jahresende wieder einen Auszahlungspreis von 35 ct zu erreichen und diesen tatsächlich vollumfänglich zu erwirtschaften. Aktuell liegen die Milchwerke mit ihrem Preis über dem durchschnittlichen Bundes- und Landesniveau. „Allerdings werden wir uns auch künftig nicht von den Preisschwankungen abkoppeln können.“
Der geschäftsführende Milchwerke-Vorstand Jakob Ramm legte die Kennzahlen aus dem vergangenen Jahr vor. Demnach erwirtschaftete die Molkerei einen Umsatz von 193 Mio. €, das sind 1,6 % mehr als im Vorjahr. Die Eigenanlieferung stieg um 8,5 Mio. auf 348,7 Mio. kg, davon entfielen 3,2 Mio. kg auf Biomilch. Zugekauft wurden 77,3 Mio. kg Milch, sodass insgesamt 426 Mio. kg Milch verarbeitet wurden. Dem Strukturwandel geschuldet reduzierte sich die Zahl der Lieferanten von 1040 auf 980. Im Gegenzug erhöhte sich die durchschnittliche Anlieferung pro Betrieb von 327 100 auf 355 800 kg. 99,1 % der Milch wurden in die Güteklasse 1 eingestuft, das sind 0,2 % mehr als im Jahr 2015. Während der Fettgehalt der Milch mit 4,21 % stabil blieb, erhöhte sich der Eiweißgehalt um 0,027 % auf 3,46 %. Der Auszahlungspreis der Milchwerke Schwaben lag im Jahresmittel 2016 bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß bei netto 30,56 und brutto 33,83 ct. Bei der Biomilch bewegte sich der Auszahlungspreis in der Güteklasse 1 bei netto 49,09 und brutto 54,34 ct.

Höhere Käsepreise mit Effekt aufs Milchgeld

Dass das Ringen um einen fairen Milchpreis im zweiten Halbjahr 2016 noch ein halbwegs versöhnliches Ende fand, schrieb Ramm zu einem guten Teil der Interventionspolitik zu. Durch diese wurden erhebliche Mengen Magermilchpulver aus dem Markt genommen. Auch die Käsepreise erholten sich von ihren historischen Tiefstständen. Aufgrund der wachsenden Nachfrage im Ausland konnten die Milchwerke ihre Käseproduktion innerhalb von drei Jahren um 10 000 auf 30 000 t ausweiten. Die gestiegenen Käsepreise trugen denn auch zur kontinuierlichen Erhöhung des Milchgelds bei. Auf der anderen Seite fiel im vergangenen Jahr der Mengenumsatz bei Joghurts und Desserts sowohl im 1-kg- und 500-g-Gebinde um 0,6 %. Im Handelsmarkenbereich sank der Umsatz mit Kleinbechern aufgrund der rückläufigen Preise gar um 9,7 %. Dagegen stieg der Milch- und Rahmversand um 1,1 Mio. kg. Außerdem produzierten die Milchwerke 2016 rund 22 200 t Milchpulver.
Die niedrigen Preise stimulierten Ramm zufolge die Nachfrage am Weltmarkt, sodass der globale Handel mit Milchprodukten geringfügig wachsen konnte. Zugleich reduzierte sich die Zahl der deutschen Milchkühe im vergangenen Jahr um 1,6 % und die der Milchviehbetriebe um 5,6 %. „Damit ist der Milchkuhbestand auf den tiefsten Wert seit vier Jahren gesunken“, erklärte der Milchwerke-Geschäftsführer. Für die weitere Entwicklung des Milchmarkts sei jetzt die Reaktion der Erzeuger auf die steigenden Preise entscheidend. Mit zunehmender Milchmenge steige auch wieder das Risiko von Preisrückgängen an den Rohstoff- und Produktmärkten. „Für eine ausgeglichene Marktsituation muss auch vor dem Hintergrund der umfangreichen Bestände an Magermilchpulver in der EU die Nachfrage mindestens im Umfang der Produktionssteigerungen mitwachsen“, sagte Ramm. „Andernfalls sind erneute Preiskorrekturen nicht zu vermeiden.“
Zur Freude des Geschäftsführers haben Kunden den Milchwerken Schwaben signalisiert, dass sie die Zusammenarbeit weiter ausbauen möchten. Neue Chancen in der Käse- und Joghurtvermarktung werden sich mit der Milch aus GVO-freier Fütterung ergeben. Allerdings bleibe die Nachfrage hier auf den deutschen Markt beschränkt. Auch im Biosektor erwartet sich Ramm eine Belebung des Milchwerke-Geschäfts. Zur Jahresmitte will die Genossenschaftsmolkerei in diesem Bereich ihre Produktpalette um Fruchtjoghurts, Desserts und Käse erweitern.

Werbung mit bekannter Sportlerin

Karl Laible, ebenfalls geschäftsführender Vorstand, hofft auch deshalb auf bessere Preise, weil heuer aufgrund des stabilen Markts die Milchwerke Schwaben gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel „die Karten in der Hand halten“. Laible zeigte sich zuversichtlich, dass es wenigstens in den kommenden drei Monaten keine Rückwärtsentwicklung beim Milchpreis geben wird. Dafür will die Molkerei auch durch effiziente Werbung sorgen – vor allem mit dem Gesicht der bekannten Mittel- und Langstreckenläuferin Alina Reh aus dem nahen Laichingen. Zudem wurden Werbeflächen auf der Ulmer Trambahn angemietet, um die Milchwerke-Marke „Weideglück“ noch bekannter zu machen. Weiter wurden die Sammelfahrzeuge zu „fahrenden Litfaßsäulen“ umgestaltet.
Schließlich sprach Laible das Thema „Tierschutz“ an, das für die Milchwerke eine hohe Bedeutung habe. „Aber wir müssen hier aufpassen, dass wir aus unseren Betrieben keine Streichelzoos machen.“ Milchkühe seien nun einmal Nutztiere, die selbstverständlich auch tiergerecht gehalten und gefüttert werden müssten. „Die Pflege der Tiere spiegelt sich in der Qualität der Milch und des Fleisches wider.“ Immerhin, so Laible, lassen aktuelle Umfragen erkennen, dass sich die Verbraucher allmählich wieder von der „Geiz-ist-geil“-Mentalität verabschieden.
Als Vorsitzender des Aufsichtsrats bestätigte Joachim Keller den Milchwerken, dass sie ihren starken Auszahlungspreis tatsächlich voll erwirtschaftet haben und die Genossenschaft damit also nicht über ihre Verhältnisse lebe. Der erwirtschaftete Mehrpreis sei sofort an die Mitglieder weitergegeben worden.
Bei den turnusgemäßen Wahlen wurde der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Josef Puhrer (Geislingen-Aufhausen) erneut in den Vorstand gewählt. Als Aufsichtsräte bestätigte die Vertreterversammlung Hans Barth (Heroldstatt-Ennabeuren), Thomas Bidlingmaier (Eislingen-Süd) und Markus Hafner (Schwaighofen). In den Beirat wiedergewählt wurden Helmut Bäumler (Ballendorf-Mehrstetten), Eberhard Lohrmann (Geislingen-Stötten), Ralf Riester (Hohenfels-Liggerdorf) und Reiner Wöhrle (Nerenstetten-Wettingen). Neu in den Beirat berufen wurde Simon Knab (Uttenweiler-Offingen).

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