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Öffentlichkeit

Die Argumente glasklar vermittelt

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
18.06.2018

In Pfarrkirchen nutzten Vertreter des Bauernverbandes die Sendung „Jetzt red i“ als wichtiges Forum.

Die so genannte Massentierhaltung zum Thema machen, das war das Ziel der Sendung „Jetzt red i“ des Bayerischen Rundfunks, die in der Stadthalle Pfarrkirchen über die Bühne gegangen ist. Das Thema hätte sicher zu aufgeheizten Diskussionen führen können – doch es wurde eine sachliche Sendung, in der zwar kontroverse Meinungen und Ansichten aufeinanderprallten, in der aber auch das Bemühen zum Konsens spürbar war. „Eure Landwirte haben sich richtig gut geschlagen und Argumente gebracht, die man nicht von der Hand weisen kann“, das bestätigte am Ende der Live-Sendung Moderator Tilmann Schöberl. Ihm kam es sehr darauf an, dass in der Sendung möglichst viele Teilnehmer zu Wort kommen konnten.

Zwei, die nicht zusammenkommen

Als Diskutanten auf der Bühne waren die Landtagsabgeordnete Sigi Hagl und der Bundestagsabgeordnete Max Straubinger und da zeichnete sich schon in den ersten Statements sicher ab: Diese beiden kommen nicht zusammen. Denn für Straubinger steht fest: „Beim Tierwohl kommt es nicht auf die Größe eines Stalles an, sondern darauf, wie es den Tieren im Stall geht. Bäuerliche Betriebe müssen die Möglichkeit haben zu expandieren“, so Straubinger. Sigi Hagl will einen ganz anderen Weg gehen: „Wir brauchen kleinere bäuerliche Einheiten, die in einer flächengebundenen Landwirtschaft das benötigte Futter selbst produzieren“, machte sie ihre Ansicht deutlich. Deshalb sei es auch wichtig, die „einseitige Förderung von Großbetrieben“ einzudämmen, um kleinere bäuerliche Strukturen zu erhalten.
Max Straubinger warf den Grünen vor, die Landwirtschaft als „neues Feindbild“ aufzubauen: „Sie wollen nicht erkennen, dass sowohl der Nitrataustrag als auch der Einsatz von Antibiotika bereits sehr deutlich zurückgegangen ist.“
Der Kreisverband Rottal-Inn des Bayerischen Bauernverbandes war gut vertreten in der Sendung und vor allem hatten sich die Protagonisten sehr gut vorbereitet. Kreisbäuerin Paula Hochholzer beispielsweise konnte in ihrem Statement mit verständlichen Zahlen belegen, dass sie letztendlich heute mit ihrem Milchbetrieb nicht mehr Geld verdiene als vor 20 Jahren – eine Rechnung, die bei vielen Zuschauerinnen und Zuschauern im Saal mit Überraschung zur Kenntnis genommen wurde.
BBV-Kreisobmann Hermann Etzel und sein Stellvertreter Robert Willnecker ließen sich ebenfalls nicht „die Butter vom Brot nehmen“, sie plädierten für eine Klarstellung des Begriffs „Massentierhaltung“, denn: „Unsere Ställe sind sicher nicht die riesigen Einrichtungen, wie sie in den neuen Bundesländern oder in anderen Staaten der Welt zu finden sind“, so Willnecker. Etzel warnte davor, die Erzeugung, wie sie in Bayern stattfindet, immer nur zu torpedieren: „Bei uns weiß der Verbraucher schließlich noch, wo seine Lebensmittel letztendlich herkommen. Wenn es unsere Bauern nicht mehr gibt, dann kann er nur noch darauf hoffen, dass er aus anderen Ländern mit ähnlich hohen Standards beliefert werden kann – ob das funtioniert, da habe ich meine Zweifel.“

Eine solche Bühne muss man nutzen

Nach der Sendung zogen die BBV-Vertreter eine positive Bilanz: „Wir Bauern müssen selbst dafür sorgen, dass unsere Argumente gehört werden, wir müssen Gelegenheiten wie diese Sendung auch in Zukunft nutzen – da darf es keine Scheu, aber auch keine Unsachlichkeit unserer Seite geben“, so Kreisobmann Etzel. Was zähle, seien nachvollziehbare und verständliche Argumente, denn nur so könne es gelingen, Verbraucherinnen und Verbraucher zu überzeugen. Gerd Kreibich
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