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Artenschutz auch für Fische

Fluss im leichten Nebel
Michael Ammich
am
04.06.2019

Das Volksbegeheren war auch beim Schwäbischen Fischereitag in Dillingen ein großes Tehma.

Mit der Unterstützung des Volksbegehrens zur Artenvielfalt war der Fischereiverband Schwaben auf Konfrontationskurs zum Bauernverband gegangen. Die Fischer hatten ihre guten Gründe dafür, wie Verbandspräsident Hans-Joachim Weirather auf dem Schwäbischen Fischereitag in Dillingen erklärte. Insbesondere mit dem Vorschlag, die Einhaltung von Gewässerrandstreifen im Freistaat verpflichtend zu machen, hätten die Initiatoren des Volksbegehrens einen Herzenswunsch der Fischer erfüllt.

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Der Artenschutz nahm breiten Raum in den Ausführungen des Unterallgäuer Landrats und Verbandspräsidenten ein. „Mit dem Volksbegehren ist das Thema jetzt endlich auch bei der Politik angekommen. Das Engagement der Initiatoren verdient höchsten Respekt.“ Von allen bayerischen Fischereibezirksverbänden hätten nur die Schwaben und Oberpfälzer das Volksbegehren als offizielle Bündnispartner unterstützt, bedauerte Weirather. Wäre es gescheitert, gäbe es keine verpflichtenden Gewässerrandstreifen, kein Begleitgesetz und keinen Runden Tisch, an dem weitergehende Forderungen verhandelt wurden.

Nicht mehr intakte Gewässerstrukturen müssten renaturiert werden, forderte Weirather. Als Beispiel nannte er Umgehungsgewässer bei Staustufen als neue Lebensräume für Fische und andere Wassertiere, wie sie an der Unteren Iller entstanden sind. In den Umgehungsgewässern hätten bereits die ersten Huchen abgelaicht. Für das vor zwei Jahren gestartete Programm „Agile Iller“ stellten Bayern und Baden-Württemberg insgesamt 70 Mio. € in Aussicht. Allerdings geht das Projekt dem Verbandspräsidenten nicht schnell genug voran. An der Unteren Iller würden derzeit rund 90 % des Wassers entnommen und in Kanälen zur Energieproduktion genutzt. Kämen, wie geplant, neue Kleinkraftwerke hinzu, dann wäre das nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein wirtschaftlicher „Blödsinn“, bekundete der Präsident. Besser sollte das Mutterbett der Iller wieder als durchgängiger Lebensraum hergestellt werden.

Aus Stuss wieder einen Fluss machen

In diesem Sinn hat sich die örtliche Fischereigenossenschaft unterhalb des Filzinger Wehrs betätigt und auf eigene Kosten den Illerkies umgelagert, um eine mäandrierende Fließstrecke zu schaffen. „Das wäre doch ein Lösungsansatz, wie die kilometerlang schnurgerade Iller künftig aussehen könnte“, so Weirather. „Aus Stuss müssen wir wieder einen Fluss machen. Wir brauchen an der Iller Fließstrecken, wo immer sie möglich sind.“ Auch die schwäbische Donau sei in einem beklagenswerten Zustand und kaum mehr als Lebensraum für strömungsliebende Arten geeignet. Umso mehr freute sich der Präsident, dass der Fischereiverein Nersingen die Anbindung von abgeschnittenen Altwässern an die Donau betreibt. Gefördert wird die Maßnahme mit Mitteln der Fischereiabgabe.
In ihren Grußworten würdigten der Dillinger Landrat Leo Schrell, Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz und der Landtagsabgeordnete Johann Häusler den Einsatz der zahlreichen Fischereivereine für den Erhalt und die Pflege vitaler Wasserlebensräume. Häusler forderte ein Regulierungsmanagement für die teils überhandnehmenden Graureiher- und Kormoranbestände. Schrell wies auf den Gewässerreichtum des Landkreises Dillingen hin. Die Fischereivereine tragen dazu bei, den Naturhaushalt als Lebensgrundlage für Mensch und Tier nachhaltig zu sichern, betonte der Landrat. Bezirkstagsvizepräsident Alfons Weber bezeichnete das schwäbische Fischereiwesen als wichtiges Kulturgut.

Artenschutz auch für die Wassertiere

Der Präsident des Landesfischereiverbands Bayern, Prof. Dr. Albert Göttle, hegt nach dem erfolgreichen Volksbegehren die Hoffnung, dass der vorliegende Entwurf des Begleitgesetzes noch erweitert wird, sodass im Artenschutz auch die Gewässer und die darin lebenden Tiere zu ihrem Recht kommen. Insbesondere die verpflichtende Einhaltung von Randstreifen sollte für mehr Gewässer gelten als im Gesetz vorgesehen. Außerdem müsse der Staat mehr Einsatz bei der Renaturierung von Gewässern zeigen.
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Dem Präsidenten des Landesverbands blieb die ehrenvolle Aufgabe, eine langjährige tragende Säule des Fischereiverbands Schwaben auszuzeichnen. Göttle überreichte an Günter Stiefvater die „Goldene Forelle“ und eine Urkunde des bayerischen Landesverbands. Der Geehrte war im März nach 42 Jahren aus dem Amt als erster Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Schwäbische Donau geschieden. Von 1956 bis 1962 hatte Stiefvater zudem als Schriftführer und weitere 30 Jahre lang als erster sowie anschließend für 15 Jahre als zweiter Vorstand des Fischerervereins Lauingen gewirkt. Im schwäbischen Dachverband übte er ab 1977 verschiedene Funktionen aus, so von 1989 bis 2008 als Vizepräsident für die Angelfischerei. Zugleich vertrat er den schwäbischen Verband im Präsidium des Landesfischereiverbands Bayern und diesen wiederum im Bundesverband. 2010 wurde Stiefvater mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet.

Bei weiteren Ehrungen wurde die „Goldene Ehrennadel“ des Landesfischereiverbands verliehen. Entgegennehmen durften sie Herbert Lipp, seit 1998 erster Vorstand des Fischereivereins Friedberg und seit 2001 Kreisobmann des schwäbischen Verbands, sowie Friedrich Mattauch, von 1993 bis 2002 erster Vorstand des Fischereivereins Dillingen, seit 2007 Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Egau und seit 2001 Kreisobmann des schwäbischen Verbands.

Mit der „Goldenen Ehrennadel“ des Fischereiverbands Schwaben wurde Hubert Greck ausgezeichnet. Seit 2011 engagiert er sich als erster Vorstand des Fischereivereins Dillingen, zuvor hatte er als Jugendleiter und zweiter Vorstand gewirkt.

Fchvorträge: Hochwasserschutz plus ökologische Maßnahmen

Auch die Fachvorträge auf dem Schwäbischen Fischereitag in Dillingen widmeten sich dem Artenschutz. Der neue Leiter des Donauwörther Wasserwirtschaftsamts, Dr. Andreas Rimböck, zog als Beispiel für die Rückbesinnung auf die ökologische Bedeutung der Flüsse, Bäche, Seen und Meere die Donau heran. Auf einer Länge von 368 km teilt sie den Freistaat in Nord- und Südbayern, zwei Drittel der Landesfläche werden zu ihr hin entwässert. Zog sich die Donau noch bis ins 19. Jahrhundert hinein in zahlreichen Mäandern durch das schwäbische Donauried, so wirkt sie heute auf der Landkarte wie eine mit Lineal und Zirkel gezogene blaue Linie. Wurde das nasse Donauried früher vor allem für die Jagd und das Fischen genutzt, sollten ab der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert Begradigungen und Dämme Raum für eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung schaffen. Durch die Eingriffe in den Naturhaushalt verschwanden neben den Mäandern auch die Auwälder bis auf kleine Restbestände.

Schließlich kamen auch noch zahlreiche Staustufen hinzu, die aus einem lebendigen Fluss mit ohnehin nur 0,5 % Gefälle ein noch träger dahinfließendes Instrument der Energiegewinnung machten. Allein durch die Begradigungen gingen an der Donau rund 100 Mio. m³ Hochwasserrückhalteraum verloren, erklärte Rimböck. Dabei ist der breite Strom zu einem Hotspot der Hochwassergefahr geworden. Während im Sommer vor allem die südlichen Zuflüsse für enorme Hochwassermassen sorgen können, sind es im Winter besonders die nördlichen Zuflüsse.

Um den Schaden durch die zahlreichen Eingriffe an der Donau ein wenig auszugleichen, gibt es viele nationale und grenzüberschreitende Projekte. Hier nannte Rimböck Versuche, dem Stör wieder eine Heimat zu geben oder den gestörten Sedimenthaushalt zu verbessern, der durch Energiewirtschaft, Schifffahrt und Erosion beeinträchtigt wird. Dem Hochwasserschutz an der bayerischen Donau soll durch sechs ungesteuerte und drei gesteuerte Rückhalteräume Rechnung getragen werden.

Die Schutzmaßnahmen werden stets auch von ökologischen Maßnahmen begleitet, versicherte der Wasserwirtschaftler. Geplant seien beispielsweise die Einbindung von Donau-Altwassern bei Marxheim und weitere Aufbrüche der bislang mit großen Steinen befestigten Ufer. Ziele der ökologischen Maßnahmen sind die Durchgängigkeit des Flusses bei den Staustufen und die Vernetzung von Gewässer und Auwaldbeständen. Bei allen Planungen würden die Wünsche der verschiedenen Interessengruppen so weit wie möglich in enger Zusammenarbeit einbezogen, bekräftigte Rimböck. Alle Wünsche könnten aber nicht berücksichtigt werden.

Ralf Klocke, Leiter Assetmanagement der LEW-Wasserkraft GmbH, stellte verschiedene Projekte zur Strukturverbesserung der Donau vor, an denen das Energieunternehmen beteiligt ist. Dazu gehören das LIFE-Projekt „Inadar“ zur ökologischen Restauration von Dämmen und das Leader-Projekt „Donau erleben“. Letzteres widmet sich zwischen Neu-Ulm und Höchstädt der Anbindung von Seitengewässern an die Donau, der naturnahen Ufergestaltung, dem erleichterten Zugang zum Fluss und dem Ausbau des Radwegenetzes. An den Stauseen sollen Ufer dynamisiert und Verbauungen enfernt werden, um überströmte, reich strukturierte Fließbereiche zu gestalten.

„Aus einem Stauraum können wir aber kein fließendes Gewässer machen“, stellte Klocke fest. Möglich seien jedoch verschiedene Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung. Bei vielen Projekten suche die LEW-Wasserkraft GmbH die Zusammenarbeit mit den Fischereiorganisationen – auch, um von ihrer Kompetenz zu profitieren. Ein Ziel sei die Durchgängigkeit der Donau für Wasserlebewesen durch den Bau von Aufstiegsanlagen an den Staustufen. Durch die Stauseen verloren gegangene Lebensräume sollen durch Strukturmaßnahmen im Umfeld ausgeglichen werden. „Vertrauen lässt sich hier am besten durch Pilotprojekte aufbauen“, sagte Klocke.

Daniela Arndt vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen an der LMU München ging auf das mysteriöse Sterben der Bachforellen ein. Die massenhaften Fischsterben gingen vorwiegend auf Umwelteinflüsse, beispielsweise aus der Landwirtschaft, zurück. Der Erreger sei bislang unbekannt. Die Wissenschaftler hoffen auf neue Diagnosemöglichkeiten.

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