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Pflanzenbautagung

Artenvielfalt - Handlungsbedarf gegeben

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Michael Ammich
am
04.02.2019

Der Erhalt der Artenvielfalt kommt beim Pflanzenbautag in Hochwang zur Sprache.

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Passend zum neuen Schwerpunktthema „Biodiversität“ der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung spielte auf dem Pflanzenbautag des AELF Krumbach der Erhalt der Artenvielfalt die entscheidende Rolle. „Wir müssen hier etwas ändern und jeder von uns muss seinen Beitrag leisten, um dem Artensterben entgegenzuwirken“, eröffnete Andrea Sobczyk vom Sachgebiet Landwirtschaft die sehr gut besuchte Tagung in Hochwang.

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Ebenso wirksame wie gut bezahlte Ansätze zum Erhalt der Biodiversität in den bäuerlichen Fluren liefert das Kulap, erklärte Sobczyk und ließ ihren Amtskollegen Erwin Mayer die einzelnen Fördermöglichkeiten des Programms auflisten. Im Kulap 2019 habe sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig geändert, stellte dieser fest. Nach wie vor gelte der bayerische Weg: Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht. Der Verpflichtungszeitraum im Kulap beläuft sich zwar auf fünf Jahre, doch die Anlage von Gewässer- und Erosionsschutzstreifen oder die Umwandlung von Acker- in Grünland entlang von Gewässern und in anderen sensiblen Gebieten führen in diesem Zeitraum nicht zur Entstehung von Dauergünland.

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Mayer führte weitere Kulap-geförderte Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität an: ökologischer Landbau, extensive Grünlandnutzung für Raufutterfresser, emissonsarme Ausbringung von Wirtschaftsdüngern, extensive Grünlandnutzung entlang von Gewässern und in sensiblen Gebieten, Winterbegrünung mit Wildsaaten, Mulchsaatverfahren, Direkt- und Streifensaatverfahren in Reihenkulturen, Verzicht auf Intensivfrüchte in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten, Erhalt artenreicher Grünlandbestände, extensive Grünlandnutzung an Waldrändern, vielfältige Fruchtfolge, jährlich wechselnde Blühflächen, Blühflächen an Waldrändern und in der Feldflur oder auch der Erhalt von Struktur- und Landschaftselementen. Für alle Maßnahmen gilt jedoch eine Mindestauszahlsumme von 250 € je Antragsteller und Jahr.

Viele Maissorten seien 2018 bereits Ende August erntereif gewesen, bilanzierte Thomas Gerstmeier vom Fachzentrum Pflanzenbau am AELF Augsburg in seinem Vortrag über aktuelle Sortenempfehlungen. Während die Kulturen südlich der Donau noch zufriedenstellende Erträge lieferten, kam es im Norden durch die extreme Trockenheit zu teils gravierenden Ausfällen. Gerstmeier zufolge waren 2018 die frühen Silomaisempfehlungssorten mit einer Reifezahl von 210 bis 220 im Vorteil. Auch einige mittelfrühe Sorten mit Reifezahlen von 230 bis 250 brachten noch ansprechende Erträge und wo sie sich nicht mehr als Futtermais eigneten, konnten sie in Biogasanlagen verwertet werden.
Beim Biogasmais nimmt das AELF Augsburg mittelspäte Sorten mit Reifezahlen von 260 bis 280 in der Empfehlung. Bei noch späteren Sorten mahnte Gerstmeier zur Vorsicht, da sich bei ihrer Aussaat kein Landwirt sicher sein kann, ob der Herbst warm oder kühl wird. Der Körnermais wies bei den frühen Sorten mit einer Reifezahl von 200 bis 220 im Versuchsanbau eine deutlich geringere Pilzbelastung als im Vorjahr auf. Dennoch hatte eine Sorte beim DON-Gehalt den EU-Handelsgrenzwert gerissen. „Auch beim Körnermais ist der Ertrag nicht alles“, sagte Gerstmeier. Entscheidend für die Sortenwahl sei ebenso die Standfestigkeit. Bei den mehrjährigen mittelfrühen Körnermaissorten mit Reifezahlen von 240 bis 250 zeigte sich eine höhere DON-Belastung als bei den frühen Sorten. Ihre Standfestigkeit erwies sich dagegen überwiegend als gut.
Im Sommergersteanbau stellte Gerstmeier gegenüber der „historisch geringen Anbaufläche“ im Jahr 2016 auch in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm eine Zunahme des Anbaus fest. Kein Wunder, die Sommergerste war zu einem knappen Gut auf dem Markt geworden und die Preise zogen entsprechend an. Allerdings kam es 2018 zu extremen Qualitäts- und Ertragsunterschieden. Nur bei ausreichender Wasserversorgung der Böden konnten die Anbauer zufriedenstellende Erträge verzeichnen. 60 % der bayerischen Sommergersteernte wiesen einen Rohproteingehalt von 9,5 bis 11,5 % auf.
Dass neue Techniken einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten können, zeigte der Entwicklungsleiter der Firma Lechler, Dr. Robert Heinkel, anhand des Dropleg-Systems auf. Dabei handelt es sich um eine schleppschlauchartige Vorrichtung am Gestänge der Feldspritze zur Unterblattspritzung in Reihen- und Ackerkulturen. Ziel der Technik ist der Schutz von Insekten, insbesondere von Bienen. Das Dropleg-System passt an alle gängigen Spritzgestänge mit Rechteckprofil. Da die bis nah an die Bodenoberfläche reichenden Rohre mit ihren Düsen frei pendeln können, arbeitet das leichte und flexible System nicht nur umwelt-, sondern auch pflanzenschonend. Die tief liegenden Spritzdüsen sorgen dafür, dass die Pflanzenschutzwirkstoffe seitlich an den Stängeln und an den Blattunterseiten anhaften. So kommt zur verbesserten biologischen Wirkung eine abdriftarme Ausbringung der Pflanzenschutzmittel – alles in allem ein optimaler Bienenschutz, wie Heinkel versicherte.
Versuche hätten ergeben, dass es beim Einsatz der Dropleg-Technik im Raps gegenüber herkömmlichen Spritzverfahren zu keinen Ertragseinbußen kommt. Deutlich erhöht ist jedoch die Anlagerung der Wirkstoffe an den Rapsstängeln. Ausgestattet mit einem Y-Kit, jeweils zwei von den Rohren abzweigenden Schläuchen, lässt sich das Dropleg-Verfahren auch zur Flüssigdüngung in bereits hohen Maisbeständen einsetzen. Durch die wurzelnahe Ausbringung des Düngers sind die Nährstoffe für die Pflanzen sofort verfügbar. Zudem eignet sich Dropleg auch zur späten Unkrautregulierung im Mais. Ebenso ist die Dropleg-Technik gut für späte Pflanzenschutzmaßnahmen in Sojabeständen geeignet. Der Listenpreis für ein Dropleg-Rohr ohne Düsen beläuft sich auf 75 €.
Albert Höcherl mahnte die Landwirte zur größtmöglichen Sorgfalt beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. „Wir müssen uns gegenüber der Gesellschaft ohnehin schon zunehmend dafür rechtfertigen, dass wir überhaupt Pflanzenschutz betreiben“, sagte der Leiter des Fachzentrums Pflanzenbau am AELF Augsburg. Die Bundesregierung habe sich das Ziel gesetzt, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen langfristig zu verdoppeln. Mit Blick auf den Pflanzenschutz will sie jedoch weniger mit Verboten operieren als auf modernste digitale Technik setzen. Außerdem soll der chemische Pflanzenschutz soweit möglich durch Alternativen ersetzt werden.
Ein Problem ist die immer schwierigere Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Neue Regeln besagen, dass die Wirkstoffe weder bei den Anwendern noch bei anderen Personen schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben dürfen. Ausschlaggebend ist also künftig das reine Gefährdungspotenzial der Wirkstoffe. So stehen bereits Epoxiconazol, Propiconazol und Chlorthalonil unmittelbar vor dem Aus. Ungewiss ist auch die Zukunft der Wirkstoffe Triadimenol, Fenpropimorph und Fuberidazol.

Verschärfte, teils bußgeldbewehrte Auflagen gelten auch im Anwenderschutz, sei es beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und der Spritzbrühe oder bei der Reinigung der Geräte und der korrekten Schutzausrüstung. Verboten ist neuerdings die Aussaat von neonicotinoidgebeiztem Zuckerrübensaatgut. Noch Vorhandenes muss entsorgt werden. „Auch bei den Zuckerrüben wird es einen Wirkstoffkahlschlag geben“, prophezeite Höcherl. Das werde bei der Cercospora-Bekämpfung zum Problem werden, zumal es bei den Rüben bereits eine ausgeprägte Resistenzsituation gebe. Was den Winterweizen und die Wintergerste betrifft, hat sich gezeigt, dass eine Einmalbehandlung mit Fungiziden ebenso wirksam und obendrein wirtschaftlicher ist als eine Doppel- oder gar Dreifachbehandlung. Auch der Blick in den eigenen Geldbeutel kann also dazu beitragen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln überlegt zu reduzieren.

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