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Aushängeschild in der Milchleistung

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Michael Ammich
am
22.01.2018

Braunvieh-Bezirkszuchtgenossenschaft Neu-Ulm hat einen Stalldurchschnitt von 8590 kg.

Als „Aushängeschild“ bei der Milchleistung innerhalb der Allgäuer Herdebuchgesellschaft (AHG) bezeichnete Zuchtleiter Dr. Franz Birkenmaier die Bezirkszuchtgenossenschaft Neu-Ulm. Auf der Jahresversammlung in Obenhausen stellte er die Braunviehkuh als mindestens ebenso wirtschaftlich, wenn nicht sogar noch wirtschaftlicher als die Fleckviehkuh dar. Und das gelte nicht nur für den grundfutterstarken Landkreis Neu-Ulm, in dem es das Braunvieh auf den AHG-weit höchsten Stalldurchschnitt von 8590 kg bringt.
Zur Eröffnung der Tagung blickte BZG-Vorsitzender Christian Reiser auf die Viehschau in Kempten, die die Neu-Ulmer und Memminger Zuchtgenossenschaft gemeinsam ausgerichtet hatten. „Hier hat jeder Besucher gesehen, dass wir in Neu-Ulm nicht nur Maisanbau und Biogasanlagen betreiben können, sondern auch hervorragendes Braunvieh züchten.“
Kreisobmann Andreas Wöhrle
hatte weniger Erfreuliches zu berichten. Insbesondere die neue Düngeverordnung sei vielen Bauern auf den Magen geschlagen. Trotz aller Erleichterungen, die der Bauernverband durchsetzen konnte, bleibe sie ein „Riesen-Papiertiger“, ärgert sich Wöhrle. Jetzt gehe es für den BBV darum, die bayerische Staatsregierung zur Ausschöpfung der länderspezifischen Spielräume zu bewegen. Enttäuscht zeigte sich der Kreisobmann von der Politik, die der Möglichkeit der Güllebehandlung, beispielsweise durch den Zusatz von Gesteinsmehl, keine Beachtung schenke. Und was den Wirkstoff Glyphosat betrifft: Hier habe das Bundesamt für Risikobewertung kein gutes Bild abgegeben. „Eigentlich sollten wir Bauern uns ja auf die Untersuchungen des Bundesamts verlassen können“, sagte Wöhrle.
Dr. Philipp Winter von der Veterinärabteilung im Neu-Ulmer Landrats­amt wies auf die verheerenden Folgen eines möglichen Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland hin. Immerhin wurde das Virus bereits in Polen, Rumänien, Lettland, Estland, Litauen, der Ukraine und zuletzt – bedenklich nahe an Bayern – in Tschechien nachgewiesen. Sollte es zu einem ASP-Fall in Bayern kommen, würden Sammelstellen für verendete oder erlegte mit dem Virus infizierte Wildschweine eingerichtet. Winter appellierte eindringlich an die Landwirte, ihre Stallungen und Ausläufe bestmöglich gegen Wildschweine abzusichern und auf eine sorgfältige Stallhygiene zu achten.
Die Bovine Virus-Diarrhoe (BVD) betraf 2017 in Schwaben 14 Betriebe mit insgesamt 69 Virämikern. Im Kreis Neu-Ulm wurde kein einziger Fall nachgewiesen. Inzwischen ist die gesamte Bundesrepublik als BHV1-frei eingestuft. Das entbinde die Landwirte jedoch nicht von der Untersuchungspflicht. Abschließend ermahnte Winter die Züchter, den Einsatz von Arzneimitteln in ihren Ställen gewissenhaft und zeitnah zu dokumentieren. Die Veterinäre führen ihre Kontrollen auf Anweisung der bayerischen Staatsregierung nur noch unangemeldet durch.

Projekt „Pro Gesund“ kommt gut an

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Michael Holand von Fachzentrum Rinderzucht am AELF Wertingen freute sich über die besonders in der Region Neu-Ulm wachsende Beteiligung der Milchviehhalter am Projekt „Pro Gesund“. Dabei handle es sich um ein bewährtes Instrument der Prävention. Jetzt gibt es im Rahmen des Projekts auch ein Kälbermodul – für Holand eine sinnvolle Ergänzung. „Jede Kälberkrankheit geht auf Kosten der späteren Milchleistung der Kuh.“ Er konnte die Braunviehzüchter beruhigen: Die Pro Gesund-Daten bleiben auf dem Betrieb.
Als stellvertretender AHG-Vorsitzender würdigte Willebold Gawaz die Leistungen der Neu-Ulmer Braunviehzüchter und bedankte sich für ihre Teilnahme an der Viehschau in Kempten. „Die Besucher waren beeindruckt von der guten Zuchtarbeit in den nördlichen AHG-Verbänden.“ Die Zuchtviehmärkte der AHG liefen im letzten Jahr recht gut, bestätigte Gawaz. Das sei aber kein Wunder, nachdem sich die Milchpreise auf hohem Niveau bewegten. Die AHG sei im Übrigen nicht nur bei ihren Auktionen, sondern auch im Stallverkauf gut aufgestellt.

Kälber immer besser

Nach einem weiteren Grußwort von Anton Merk, dem Vorsitzenden der Rinderbesamungsgenossenschaft Memmingen, legte Rinderzucht-Fachberater und AHG-Mitarbeiter Niklas Lernbecher die Resultate der Milchleistungsprüfung 2017 vor. Demnach belief sich der Stalldurchschnitt der 2483 AHG-Herdebuchbetriebe mit ihren insgesamt 109 151 Kühen auf 7744 kg bei 4,20 % Fett und 3,58 % Eiweiß. In der BZG Neu-Ulm betrug die Milchleistung im Schnitt 8590 kg bei 4,35 % Fett und 3,68 % Eiweiß. Der BZG sind 23 Herdebuchbetriebe mit insgesamt 1729 Kühen angeschlossen.
AHG-Geschäftsführer Thomas Bechteler bezifferte den Umsatz im Gesamtverband aus der Zucht- und Nutzviehvermarktung auf 20,6 Mio. €. Mit den Auktionen in Buchloe und Kempten zeigte er sich sehr zufrieden und lobte die Züchter: „Die Qualität Ihrer Kälber wird immer besser.“ Dafür spricht auch, dass die AHG im vergangenen Wirtschaftsjahr 3379 Tiere über den Export absetzen konnte. Zuchtleiter Birkenmaier musste nach Jahren der Steigerung wieder einen Rückgang der Milchleistung in den AHG-Betrieben feststellen – ein bayernweiter Trend. So sank die Milchleistung in der AHG gegenüber dem Vorjahr um 35 kg. Im Drei-Jahres-Schnitt allerdings legte das Braunvieh bei der Leistung um 169 kg zu, das Fleckvieh „nur“ um 137 kg. Dass sich die BZG Neu-Ulm zum Milchleistungs-Aushängeschild der AHG entwickelt habe, führte Birkenmaier auch auf die gute Futtergrundlage in der Region zurück. Weniger erfreulich: Die Zahl der Herdebuchkühe nahm zwischen 2014 und 2015 in der BZG um 136 ab, AHG-weit reduzierte sich ihre Anzahl um 1835.
Beim Vergleich mit dem Fleckvieh müsse sich das Braunvieh keineswegs verstecken, betonte Birkenmaier. So habe sich der Milcherlös pro Braunviehkuh im Wirtschaftsjahr 2016/17 auf durchschnittlich 2885 € und bei der Fleckviehkuh auf nur 2625 € belaufen. „Damit werden die Zusatzerlöse durch das Fleckviehkalb mehr als wett gemacht.“ Die Stärke des Braunviehs liege in der kostengünstigeren Milchproduktion, so der Zuchtleiter. „In den Deckungsbeiträgen schneidet die Braunviehkuh exzellent ab.“
Birkenmaier ging der Frage nach, warum deutlich weniger Braunviehsperma gesext wird als beispielsweise Holsteinsperma – und das, obwohl das männliche Braunviehkalb am Markt weniger gefragt sei als das männliche Braunvieh-Kreuzungskalb. Die Antwort liegt auf der Hand: Bei unterdurchschnittlichen Kühen lohnt sich der Einsatz von gesextem Sperma aufgrund der höheren Besamungskosten nicht. Anders sieht es bei durchschnittlichen und überdurchschnittlichen Kühen aus. Aufgrund des höheren Kälberwerts rentiert sich hier der Einsatz von gesextem Sperma aus mehreren Gründen: gezielte Erzeugung gewünschter Kälber, höherer Kälberwert für Zucht und Markt, mehr weibliche Nachzucht für die Vermarktung und den Export, ein schnellerer Zuchtfortschritt und deutlich weniger Schwer- oder Totgeburten, woraus sich weniger Ausfälle und kürzere Zwischenkalbezeiten ergeben.
Birkenmaier freute sich, dass aus der BZG Neu-Ulm zwei weitere Braunviehkühe die 100 000-Liter-Marke knackten: Ikone (V: Nofak) von Norbert Miller in Jedesheim und Rege (V: Hucos) der Jehle GbR in Dattenhausen. Jede dieser Kühe hat statistisch gesehen je einen Menschen bis zu dessen 97. Lebensjahr mit Milch und Milchprodukten versorgt, erklärte Birkenmaier.

Über 9000 kg Milch

Urkunden gab es auch für sieben Betriebe, die im vergangenen Jahr einen Stalldurchschnitt von mehr als 9000 kg erreicht haben: Martin Schlecker (Weiler, 10 484 kg), Jehle GbR (Dattenhausen, 9895), Zanker GbR (Untereichen, 9538), Hans Wegele (Illertissen-Au, 9361), Marcus Käufler (Weiler, 9329), Andreas Mayer (Ritzisried, 9074) und Klaus Weißenhorn (Bergenstetten, 9006). Für ihre überdurchschnittlichen Herdenleistungen von mehr als 30 000 kg wurden Klaus Weißenhorn (Bergen­stetten) und Hans Wegele (Illertissen-Au) ausgezeichnet.

Neue Vorstandschaft

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Schließlich wählten die Miglieder der BZG Neu-Ulm eine neue Vorstandschaft: Vorsitzender wurde Klaus Weißenhorn (Bergenstetten), sein ist Stellvertreter Marcus Käufler (Weiler). Johannes Sonntag (Unterroth) wurde als Kassierer bestätigt. Johannes Rupp (Illertissen) übernimmt das Amt des Schriftführers. Beisitzer wurden Christian Jehle (Dattenhausen) und Johannes Zanker (Untereichen). Vertreter der BZG Neu-Ulm im AHG-Ausschuss ist Klaus Weißenhorn.
Da er seinen Betrieb aufgegeben hat, kandidierte der bisherige BZG-Vorsitzende Christian Reiser aus Christertshofen nicht mehr. Als Dankeschön für seine zehnjährige Tätigkeit überreichte ihm sein Nachfolger Klaus Weißenhorn einen Präsentkorb.

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