Login

Bauern arbeiten hier vorbildlich

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

MN-Landwirte Grundwasser-MA-19.3.-1
Am Beispiel Mertingens zeigten Vertreter des BBV, der Landwirt- schaftsverwaltung und Wasserwirtschaft, dass eine intensive Landwirtschaft durchaus mit dem Wasserschutz vereinbar ist: (v. l.) AELF-Chef Manfred Faber, Kreisobmann Karlheinz Götz, Bürgermeister Albert Lohner und Regierungsdirektor Bernhard von Roda. © Fotos: Michael Ammich
von am
16.04.2018

In der Gemeinde Mertingen im Donau-Ries-Kreis sind Landwirte als Wasserschützer hoch angesehen.

Gelten die Landwirte in den Medien gemeinhin als Trinkwasservergifter, so sind sie in der Gemeinde Mertingen als Wasserschützer hoch angesehen. Die im großen Wasserschutzgebiet der Kommune wirtschaftenden Bauern akzeptieren erhebliche Einschränkungen, um das wichtigste Grundnahrungsmittel der Menschen in einem guten Zustand zu erhalten. Auf einem Pressegespräch zum „Weltwassertag“ verdeutlichten das AELF Nördlingen, der Bayerische Bauernverband, die Gemeinde Mertingen und das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Donauwörth, dass intensive Landbewirtschaftung und Wasserschutz kein Widerspruch sein müssen.

87 % dieses Wassers fließen zu Zott

Bürgermeister Albert Lohner und sein Bauamtsmitarbeiter Ralph Ruhland erläuterten, woher das Trinkwasser für die Mertinger Bevölkerung kommt. Aus vier Flachbrunnen werden im 342 ha großen Wasserschutzgebiet aus einer Tiefe von sechs bis acht Metern täglich bis zu 9500 m³ Trinkwasser gefördert. Die Brunnen versorgen nicht nur die 3672 Einwohner von Mertingen und Heißesheim, sondern auch die Molkerei Zott. In das Milchunternehmen fließen 87 % der verkauften Wassermenge. Die vier Fassungsbereiche rund um die Brunnen sind jeweils von einer engeren und zwei weiteren Schutzzonen umgeben. In der engeren Zone um die Fassungsbereiche ist das Düngen mit Gülle, Mist oder Gärsubstraten verboten, in den weiteren Schutzzonen nur in zeit- und bedarfsgerechten Gaben unter Beachtung der Sperrfristen erlaubt.
Das ist aber bei weitem nicht alles, was die Bauern bei der Außenwirtschaft im Mertinger Wasserschutzgebiet beachten müssen. Gänzlich untersagt sind nämlich auch das Lagern von Festmist auf unbefestigten Flächen und das Ausbringen von Klärschlamm. In der engeren Schutzzone dürfen keine Weiden eingerichtet oder Flächen beregnet werden. Sofern es die Fruchtfolge und die Witterung zulassen, müssen die Böden in den engeren und weiteren Schutzzonen ganzjährig durch Haupt- oder Zwischenfrüchte bedeckt sein.
Soweit die Peitsche. Für das Zuckerbrot sorgt ein Bewirtschaftungsvertrag, den die Gemeinde Mertingen mit den im Wasserschutzgebiet wirtschaftenden Landwirten abgeschlossen hat. Ziel des Vertrags ist die Vermeidung von Nitrateinträgen in das Grundwasser. Für die Einhaltung der Auflagen überweist die Gemeinde den Bauern einen festen und einen variablen Jahresbetrag, der nach dem Gehalt von mineralisiertem Stickstoff im Boden berechnet wird. Der finanzielle Gesamtausgleich setzt sich zu 37 % aus dem festen und zu 63 % aus dem variablen Betrag zusammen. Darüber hinaus erhalten Landwirte, die in der engeren Schutzzone wirtschaften einen Ausgleich für die Anwendung von Minderaldünger als Ersatz für den organischen Dünger. Die gesamten Ausgleichszahlungen belaufen sich auf rund 10 % der Gesamtkosten, die in Mertingen für die Trinkwasserversorgung anfallen.

Kooperation: Kaum ein Murren und Klagen

Obwohl einige Landwirte stark vom Mertinger Wasserschutzgebiet betroffen sind, gibt es unter ihnen kaum ein Murren und die Kooperation mit der Gemeinde läuft gut. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, bekräftigten Georg Mair, der 15 %, und Jürgen Wörner, der 10 % seiner Flächen im Schutzgebiet liegen hat. Besonders hart getroffen hat es den Marktfruchtbaubetrieb von Richard Binger. Seine 108 ha umfassende Nutzfläche liegt fast komplett im Schutzgebiet. Aufgrund der großen Schläge wechseln die umfangreichen Bewirtschaftungsauflagen oft innerhalb eines Schlages, was ihre Einhaltung deutlich erschwert. Um möglichst wenig Nitrat in das Grundwasser einzutragen, führt Binger die Qualitätsdüngung beim Winterweizen nur in eingeschränktem Umfang durch. Mair und Wörner räumen zwar ein, dass sie auf ihren Feldern in den Schutzzonen erkennbar weniger Erträge einfahren, aber die Ausgleichszahlungen der Gemeinde könnten dieses Minus weitgehend kompensieren.
MN-Landwirte Grundwasser-MA-19.3.-2
Als selbständiger Probenehmer kontrolliert Hermann Wundlechner regelmäßig den Gehalt an mineralisier- tem Stickstoff in den Böden des Mertinger Wasserschutzgebiets. Die Felder der Landwirte (v. l.) Georg Mair, Jürgen Wörner und Richard Binger liegen zu einem großen Teil im Schutzgebiet. Für die Bewirtschaftungseinschränkungen erhalten sie von der Gemeinde Ausgleichszahlungen nach einem Bonus-Malus-System. © Fotos: Michael Ammich

Regierungsdirektor Bernhard von Roda, beim WWA Donauwörth zuständig für den Donau-Ries-Kreis, verwies auf die Herausforderungen, vor denen die Gemeinde Mertingen bei der Trinkwassergewinnung steht. Einerseits verfügt sie in der Lechniederung über reichhaltige Grundwasservorkommen, andererseits sind diese nicht nur durch Einträge der Landwirtschaft gefährdet, sondern auch durch die angrenzenden Verkehrsachsen der Bundesstraße 2 und der stark befahrenen Bahntrasse Donauwörth-Augsburg sowie durch den Druck der Siedlungs- und Gewerbegebiete.

Wasser und Böden regelmäßig beprobt

„Es ist ein Glücksfall, dass in Mertingen ein Gebiet gesichert werden konnte, in dem Grundwasser eine gute Trinkwasserqualität aufweist.“ Das 342 ha große Wasserschutzgebiet sorgt dafür, dass neu gebildetes und anschließend aus den Brunnen gefördertes Grundwasser vor nachteiligen Einwirkungen geschützt wird, sagte von Roda. Aus den ergiebigen Grundwasservorkommen in den stark durchlässigen eiszeitlichen Schottern des unteren Lechtals bei Mertingen fördern die vier Brunnen insgesamt 35 bis 75 l Wasser/sec. Um die Wasserqualität dauerhaft zu sichern, werden nicht nur die Brunnen und das Grundwasser, sondern auch die Böden im Wasserschutzgebiet regelmäßig beprobt. Die Ergebnisse überzeugen: Der Nitratgehalt im Mertinger Trinkwasser liegt seit Beginn der Ausgleichszahlungen an die Landwirte im Jahr 2002 mit nur 10 mg deutlich unter dem gesetzlichen Genzwert von 50 mg/l. Auch die Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln liegen meist unter den zulässigen Werten. Alle Gemeinden müssten sich fragen, so von Roda: „Wo kommt unser Wasser her und gibt es in diesem Herkunftsgebiet Probleme?“
„In den Medien wird viel über das Wasser diskutiert“, sagte Manfred Faber, Leiter des AELF Nördlingen. „Das Beispiel Mertingen zeigt, dass intensive Landwirtschaft und Wasserschutz zusammengehen, wenn die Landwirte verantwortungsbewusst wirtschaften.“ Außerdem erinnerte Faber daran, dass die Nitrat-Messergebnisse an den 34 bayerischen Nitratbelastungsmessstellen keineswegs mit den Messergebnissen in den Wassergewinnungsanlagen identisch seien. So wurde beispielsweise nur bei 0,1 % des Rohwassers aus den schwäbischen Trinkwasserbrunnen ein grenzwertüberschreitender Nitratgehalt ermittelt. Bei 93,4 % des Rohwassers bewegt sich der Nitratgehalt sogar unter 25 mg/l und nur in 0,9 % lassen sich Pflanzenschutzmittelrückstände von mehr als 0,1 mcg nachweisen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO legt für den Menschen einen Grenzwert von 3,7 mg Nitrataufnahme/kg Körpergewicht fest.

Stickstoff für die Pflanzen verwertbar

Wie Faber erklärte, gelangen bei der Gülleausbringung Ammoniumsalze in den Boden, wo sich ihr Stickstoffanteil mineralisiert und zu Nitrat umwandelt. Ein Teil des mineralisierten Stickstoffs wird über die Pflanzen, die ihn aufgenommen haben, bei der Ernte wieder abgefahren, der restliche Teil bleibt jedoch im Boden. Deshalb seien die Landwirte darauf bedacht, den Stickstoff beim Düngen möglichst in den Wurzelraum der Pflanzen zu bringen, um ihn für sie verwertbar zu machen. Außerdem seien die Bauern spätestens mit der neuen Düngeverordnung dazu verpflichtet, die optimale Stickstoff-Düngermenge für jede Feldfrucht zu ermitteln. Das Ziel: Nach der Ernte soll der im Boden zurückgebliebene mineralisierte Stickstoff über den Winter hinweg konserviert werden. Regelmäßige Bodenuntersuchungen helfen den Bauern bei der Ermittlung des tatsächlichen Stickstoffdüngebedarfs.
Faber führte Möglichkeiten an, die den Bauern für den gezielten Grundwasser- und Gewässerschutz zur Verfügung stehen: Umbruch von Feldfutter nur im Frühjahr, Anbau von Zwischenfrüchten, Mulch- oder Direktsaat bei Reihenkulturen, eine ausgeglichene Nährstoffbilanz und Gewässer schonende Fruchtfolge oder auch die Untersaat im Mais und der Verzicht auf mineralischen Dünger im Grünland. Das Kulap fördert die Umwandlung von Acker- in Grünland sowie die extensive Grünlandnutzung und den Verzicht auf Intensivfrüchte in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten oder die Winterbegrünung mit Wildsaaten. Ganz ohne Stickstoff gehe es aber nicht, betonte Faber. Schließlich müssten die Landwirte ja auch Erträge erzielen und die Pflanzen bräuchten nun einmal Stickstoff, um diese zu liefern.
Die Bauern wollen ihren Beitrag dazu leisten, dass die Wasserversorger hochwertiges Trinkwasser anbieten können, versicherte BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz. Durch die gute Kooperation seien in vielen bayerischen Gemeinden die Nitratwerte im Rohwasser in den letzten Jahren deutlich gesunken. Michael Ammich
Auch interessant