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Regionalversammluung im Unterallgäu

Benachteiligte Gebiete nun mehr als verdoppelt

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Externer Autor
am
11.02.2019

Viele Themenschwerpunkte bei den beiden Regionalversammlungen des BBV im Unterallgäu.

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Um möglichst vielen Mitgliedern die Chance zu geben, auf kurzen Wegen die Regionalversammlungen zu besuchen, hat der BBV Unterallgäu nach Schwaighausen und Nassenbeuren eingeladen. „Miteinander durch schwere Zeiten“, lautete das Motto, und Kreisobmann Martin Schorer meinte, dass die Zeiten für Landwirte schon immer schwierig gewesen seien. Doch man müsse mit den Rahmenbedingungen klarkommen und wo es geht, um Verbesserungen ringen – auf politischer wie fachlicher Ebene.

Der Kreisobmann zeigte eine Statistik zur Gewinnentwicklung der Haupterwerbsbetriebe im abgelaufenen Wirtschaftsjahr. Demnach lag der Gewinn deutschlandweit bei 90 600 € (Vorjahrszeitraum 54 100 €), bayernweit bei 78 100 € (Vorjahreszeitraum 56 700 €). Da mit dem Gewinn die Entlohnung der Arbeitskraft erfolgen muss, relativierten sich diese Summen schnell, so Schorer. Daran sollten die Leute mal denken, die sich hier nicht auskennen und obendrein gegen die Ausgleichszahlungen wettern. „Diese sind natürlich keine Subventionen, darauf lege ich großen Wert, sondern der notwendige Ausgleich für Bewirtschaftungsnachteile und zum Erhalt unserer Betriebe. Gäbe es ausreichende Erlöse aus dem Markt, bräuchte es diese freilich nicht.
Den Milchmarkt im vergangenen Jahr bezeichnete Schorer als „etwas ruhiger, aber unsicher, zwischen Hitze und Hoffnung.“ Besonders gestiegen sei der Preis für Biomilch. Allerdings zeige sich durch den momentanen Aufnahmestopp für Neumitglieder bei den Biomolkereien, dass auch dieser Markt nur begrenzt aufnahmefähig sei.

Deutlich mehr Biomilch auf dem Markt

Bemerkernswert, so Schorer weiter, sei der Preisunterschied bei Milch von 2017 zu 2018 (genau jeweils Januar bis März) in den einzelnen Bundesländern von bis zu 4,81 ct/kg (bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß), wobei Bayern hier im gesamten Jahr an der Spitze gelegen sei.
Schorer legte auch Zahlen zur Anlieferungsmenge vor. So habe es bei konventioneller Milch ein Minus von 1,3 % vom Oktober 2018 zum Oktober 2017 gegeben; von Januar bis Oktober 2018 zum gleichen Zeitraum 2017 ein Plus von 1,2 %. Deutlich anders bei Biomilch: Hier gab es in den gleichen Zeiträumen jeweils ein Anliefer-Plus von 13 % bzw. 18 %!
Wie steht es aktuell um den Milchpreis? Die Marktparameter tendierten derzeit grundsätzlich ausgeglichen, so Schorer, aber die Abschottungspolitik einzelner Länder müsse aufhorchen lassen. „Ich bin gespannt, wie all dies, sowie der Brexit, unsere Landwirtschaft tangieren wird,“ so Schorer, und weiter: „Möglicherweise sind wir nicht so stark davon betroffen, aber die Briten gehörten bisher immerhin zu den Nettozahlern.“

Kühe in Anbindehaltung liefern gute Milch

Zur viel diskutierten Anbindehaltung wies Schorer darauf hin, dass diese Kühe in den vergangenen Jahrzehnten gute Milch geliefert haben. Dies sei auch den Verbrauchern bekannt. Schorer glaubt, dass diese sich von den Slogans der Andersdenkenden wohl eher wenig beeinflussen lassen. Seiner Meinung nach soll jedem Bauer freigestellt werden, wie er weiterschaffen will. Erfreulich sei hingegen, dass die sogenannten Roten Gebiete der Düngeverordnung im Landkreis, bis auf ein Dorf bei Bad Wörishofen, auf Druck des Bauernverbandes herausgenommen wurden.
BBV-Kreisgeschäftsführer Helmut Mader wies auf die Feinheiten der Düngeverordnung hin. So bleibe die Handhabung der Düngebedarfsermittlung wie im Vorjahr. Um den Breitverteiler weiterhin einsetzen zu können, habe BBV-Präsident Walter Heidl im Sommer 26 000 Unterschriften an Ministerin Michaela Kaniber überreicht. Nach wie vor dränge der Bauernverband dazu, die Düngeverordnung praxistauglicher zu machen.
Mader informierte auch über die Regelungen bei der Ausgleichszulage, die in ganz Europa neu festgelegt wurden. So wurden die benachteiligten Gebiete im Unterallgäu nun mehr als verdoppelt! Berggebiete werden somit bereits ab 700 m Höhenlage als solche eingestuft (nicht erst ab 800 m). Es gebe darüberhinaus eine neue Gebietskategorie, nämlich „aus anderen spezifischen Gründen benachteiligtes Gebiet“. Davon gebe es im Unterallgäu „sehr viele“, so Mader.
Zum Auftrag des BBV-Geschäftsführers gehört es, auf die vielen Beratungsangebote in der Geschäftsstelle in Erkheim hinzuweisen. Beispielsweise zum Schutz des Eigentums vor Wolf, Biber und Schwarzwild. Hier gebe es positive Ansätze. So seien nun einige Nachtsicht-Vorsatzgeräte zur Jagd auf Wildschweine genehmigt worden.
Im Herbst werden wieder Kurse zum Pflanzenschutz-Sachkundenachweis organisiert, richtete Mader den Blick nach vorne. Überdies werde es im Zuge der GAP-Reform viele Änderungen geben. So werde es wohl ab 2022 keine Zahlungsansprüche mehr geben. Die Kulap-Beantragung ist noch bis 22. Februar 2019 möglich.

Wohin mit dem selbst erzeugten Strom?

Florian Weh, Geschäftsführer bei renergie Allgäu, referierte über „Stromvermarktung im Pool und zwischen Nachbarn – Chancen nutzen, jetzt und für die Zeit nach 20 Jahren EEG-Vergütung“. Das EEG habe viele gereizt, sich Photovoltaikmodule aufs Dach setzen zu lassen, meinte er. Bei den Pionieren in diesem Bereich laufe jetzt nach und nach die garantierte staatliche Vergütung aus, auch bei Biogasanlagen. Diese müssten sich allmählich Gedanken machen, wie danach ihr Strom vermarktet werden soll.
„Wir wollen die Wertschöpfungskette in der Bürgerschaft halten und Strom nicht nur erzeugen und an die Netzbetreiber abgeben, sondern die gesamte Vermarktung unter eigener Kontrolle haben,“ so Weh.Dazu steht die renergie-Tochterfirma Cells energy bereit, ein neuer Online-Marktplatz, auf dem Strom direkt zwischen Erzeuger und Verbraucher gehandelt werden kann. Ab sofort können sich interessierte Erzeuger auf dieser Plattform einen Platz sichern, ihr Profil anlegen und einen eigenen Kundenstamm aufbauen. Bald schon stehe das Portal auch für Verbraucher offen, die sich dann aus dem Angebot der erneuerbaren Energieerzeuger ihre fünf eigenen Stromlieferanten der Zukunft auswählen können. Toni Ledermann
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