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Ferkelerzeugerring Schwaben

Bessere Erlöse für Ferkel in Sicht

Michael Ammich
am
13.03.2017

Gottmannshofen - Der Ferkelerzeugerring Schwaben feierte sein 50-jähriges Bestehen. Auf der Veranstaltung zeigten die Erzeuger verhaltene Freude angesichts der Preise.

Ferkelerzeuger

Vergnügungssteuerpflichtig war der Beruf des Ferkelerzeugers noch nie, doch ein solches Preistal, wie es die Zuchtsauenhalter bis Mitte 2016 durchschreiten mussten, dürfte selbst gelassenen Profis die Tränen in die Augen getrieben haben. So war es allenfalls eine verhaltene Freude, mit der die Mitglieder des Ferkelerzeugerrings Schwaben auf der Jahresversammlung in Gottmannshofen das 50-jährige Bestehen ihrer Organisation feierten. Aufgrund der Preismisere hatten allein im vergangenen Jahr weitere 22 Ringbetriebe das Handtuch geworfen.
„Die Ferkelerzeugung ist ein schwieriger Betriebszweig, was sich schon am geringen Besuch unserer Mitgliederversammlung ablesen lässt“, stellte Ringvorsitzender Berthold Mederle zur Begrüßung fest. Jetzt hat sich das Blatt allerdings gewendet. Während die Bauernfamilien 2015/16 einen Einkommensverlust von 30 % hinnehmen mussten, dürfen sich die Ferkelerzeuger seit Mitte 2016 wieder über auskömmliche Erlöse freuen. Jetzt nähert sich der Ferkelpreis sogar der 70-€-Marke, Ferkel bayerischer Herkunft sind gesucht. Belastend für die Zuchtsauenhalter sind jedoch die immer strengeren Produktionsauflagen, die den Investitionswillen bremsen.
Peter Müller vom Fachzentrum für Schweinezucht und -haltung am AELF Wertingen, musste in seinem Jahresrückblick nicht nur ein ungebremstes Schrumpfen der schwäbischen Ferkelerzeugerbetriebe vermelden, sondern auch einen erneuten Rückgang des Zuchtsauenbestands um mehr als 2000 Stück. So sind dem Ring heute nurmehr 134 Betriebe mit insgesamt 15 057 Sauen angeschlossen, 2002 waren es noch 444 Betriebe mit 31 987 Sauen. In der Herdbuchzucht ging die Zahl der Ringbetriebe im selben Zeitraum von 19 auf 4 und die der Stammsauen von 955 auf 118 zurück. Dennoch gebe es ein gutes Angebot an hochwertigen Pi-Ebern aus Schwaben, betonte Müller. Die Belieferung mit Herdbuch- und Bayernhybrid-Jung­sauen erfolge zum überwiegenden Teil aus anderen bayerischen Herdbuch-Jungsauenvermehrungsbetrieben.
In der arbeitsteiligen Ferkelproduktion – dem einstigen Glanzstück der schwäbischen Ferkelerzeugung – betätigen sich heute nur noch zwei Deckbetriebe, neun Warte-Abferkel-Betriebe mit insgesamt 1747 Zuchtsauen sowie 6 Aufzuchtbetriebe mit 6721 eingestallten Ferkeln. „Ein Ende dieser negativen Entwicklung ist nicht in Sicht“, bedauerte Müller. „Es werden so gut wie keine Investitionen in eine zukunftsfähige Ferkelerzeugung getätigt.“
Dabei müssen sich die schwäbischen Produzenten mit den biologischen Leistungen ihrer Tiere keineswegs verstecken. In den letzten 24 Jahren stiegen wie in ganz Bayern die Zahl der geborenen Ferkel pro Sau um 7,1 auf 26 Stück und die Zahl der aufgezogenen Ferkel um 6,2 auf 23,5 Stück. Damit zeigt die intensivierte Zucht auf Fruchtbarkeit gute Erfolge. Einen weiteren Schub erwartet sich Müller von der Ende 2016 angelaufenen genomischen Selektion der Mutterrassen. Die bayerische Zucht setze ihren Schwerpunkt auf eine Erhöhung der Zahl der aufgezogenen und indirekt mastfähigen Ferkel. Außerdem soll die Nutzungsdauer der Zuchtsauen optimiert werden.

Auf Vorjahresniveau

Mit einem Deckungsbeitrag von 440 € pro Sau und Jahr bewegten sich die Ferkelerzeuger Bayerns 2016 auf dem Niveau des Vorjahrs. Für eine dauerhafte Abdeckung der Vollkosten nach Stallneubauten wäre jedoch ein Deckungsbeitrag von rund 600 € nötig, sagte Müller. Immerhin: Im gesamten Kalenderjahr 2016 waren die Ferkelpreise sehr stabil und auskömmlich. An der Zuchtleistungsprüfung hatten sich 107 Betriebe mit insgesamt 15 984 Sauen beteiligt. Je Sau und Jahr ergaben sich im Schnitt 2,21 Würfe mit 26,2 geborenen und 23,5 aufgezogenen Ferkeln. Damit beliefen sich die Verluste auf 10,4 %.
Die Leistungsprüfung zeigte erneut gravierende Unterschiede zwischen dem oberen und dem unteren Viertel der schwäbischen Ferkelerzeugerbetriebe. So hatten die besseren Betriebe mit 29,9 geborenen und 26,7 aufgezogenen Ferkeln pro Sau/Jahr gegenüber den weniger erfolgreichen Betrieben einen Leistungsvorsprung von 8,6 geborenen und 7,4 aufgezogenen Ferkeln. Der Vorsprung beruhte auf einer höheren Ferkelzahl pro Wurf und auf 0,38 mehr Würfen pro Sau und Jahr. Der Unterschied bei der Zwischenwurfzeit belief sich auf elf Tage. Außerdem konnte das obere Viertel der Betriebe 5,8 Ferkel pro Sau und Jahr mehr verkaufen und einen um 5,30 € höheren Erlös pro Ferkel erzielen als das untere Viertel.
Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg sind jedoch nicht nur die produktionstechnischen Fähigkeiten der Zuchtsauenhalter, sondern auch der Verkauf möglichst aller Ferkel direkt oder indirekt über einen Vermarkter an einen Mäster auf der Preisbasis „Mäster Großgruppe (30 kg)“. Als Alternative bietet sich die Mast der eigenen Ferkel im geschlossenen Sy­stem an. Nachdem die Direktkosten beim oberen und unteren Viertel trotz der 5,8 mehr verkauften Ferkel annähernd gleich waren, erzielten die besseren Betriebe pro Zuchtsau einen Deckungsbeitrag von 646 € und damit 448 € mehr als die Betriebe im unteren Viertel.

Persönlicher Rückblick

Die 50-Jahr-Feier des Ferkelerzeugerrings Schwaben begann mit einem sehr persönlich gehaltenen Rückblick von Berthold Mederle auf die Geschichte der Organisation. Bei ihrer Gründung standen auf dem Betrieb von Mederles Vater in Hafenreut lediglich drei Zuchtsauen. In den 70er-Jahren setzte dann die Spezialisierung der bäuerlichen Betriebe ein, die Ferkelerzeuger benötigten nur wenig Fläche und der deutsche Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch belief sich auf 78 %. In der Folge erfuhr die Ferkelproduktion einen starken Aufwind, so dass auch der Betrieb Mederle seinen Zuchtsauenbestand auf 15 Stück aufstockte. In den 80er Jahren erfolgte noch einmal ein starker Ausbau der Ferkelerzeugung, viele neue Ställe wurden nach den Empfehlungen der Landwirtschaftsämter gebaut. „Aber das ist heute ja alles falsch“, wunderte sich der Ringvorsitzende.
Peter Müller ergänzte die Ausführungen Mederles um weitere historische Details. So stellte der Ferkelerzeugerring noch im Gründungsjahr seinen ersten Ringassistenten an. In den 70er Jahren wurde die Beratung der Ferkelerzeuger intensiviert. 1988 kam es dann zur ersten Depression. Enorme Ferkelüberschüsse führten zu einem massiven Preisverfall und viele Betriebe stiegen aus. Verschärft wurde die Tendenz zur Aufgabe der Zuchtsauenhaltung durch die beständig steigenden Haltungs- und Tierschutzanforderungen. Ab 1992 verzeichnete die Schweinemast einen starken Aufschwung, die Mäster verlangten zunehmend nach großen, einheitlichen Ferkelgruppen. 2002 verzeichneten die Ringbetriebe mit 32 000 Stück den höchsten Zuchtsauenbestand. „Der Ferkelerzeugerring ist ein wichtiges Instrument zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Betriebe und der Ferkelproduktion in Schwaben insgesamt“, schloss Müller.
„Die Erzeugergemeinschaften versuchen den Schweinepreis nach oben zu bringen, die Schlachtunternehmen wehren sich dagegen“, begründete Burkhard Hock die ständigen kleinen Preisausschläge in den letzten Wochen. Wie der Geschäftsführer der EG Franken-Schwaben erklärte, ist die Zahl der Schweineschlachtungen in Deutschland rückläufig, entscheidend für den Preis seien besonders die Exporte nach China. Für 2017 rechnet Hock mit einer EU-weiten Schweineproduktion auf Vorjahresniveau. Allerdings ist das Schweinefleischangebot in Deutschland größer als der Verbrauch. Der Konsum ging gegenüber 2015 um 4 % zurück.
Mittlerweile werden 11 Mio. Ferkel pro Jahr nach Deutschland importiert, vor allem aus Dänemark und den Niederlanden. „Wenn die Ferkelerzeugung in Deutschland sinkt, dann stehen andere bereit“, warnte Hock. So schnell können sich die Verhältnisse umkehren: Im Jahr 2000 gab es in Bayern noch einen Überschuss von 1 Mio. Ferkel, im letzten Jahr ergab sich ein Minus von 2 Mio. Ferkeln – mit positiver Wirkung auf den Ferkelpreis. Lag dieser 2015 noch bei 45 €, so stieg er 2016 auf 63 €, um sich jetzt auf 70 € zuzubewegen. Damit hat sich die Ferkelerzeugung von der Schweineproduktion abgekoppelt. Die Frage ist nur, so Hock, wann die Mäster bei solch hohen Ferkelpreisen die Bremse ziehen.

Neuwahlen

Bei der Wahl der Vertreter zum Fleischerzeugerring Wertingen kamen diese Mitglieder zum Zug: Berthold Mederle (Hafenreut), Martin Färber (Wolferstadt), Richard Oswald (Blossenau), Leonhard Egger (Unterbachern), Roland Stegmann (Edenhausen), Stephan Neher (Untermedlingen), Hildegard Deisenhofer (Hirblingen), Johann Herzner (Tagmersheim), Bernhard Fink (Reisensburg), Michael Bissinger (Nördlingen), Josef Schmid (Schabringen) und Renate Glas (Pöttmes).

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