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Gewässerschutz

Zu einem besseren Image beitragen

Wasserschutz
Michael Ammich
am
19.09.2017

Das AELF Nördlingen unterstützt die Bauern im Donau-Ries, in den Augen der Gesellschaft von „Wasser-Sündern“ zu „Wasser-Schützern“ zu werden.

Gewässerschutz

Ein Zusammenhang von Ni­tratbelastung und Landwirtschaft ist nicht von der Hand zu weisen“, räumt der Nördlinger A­ELF-Chef Manfred Faber ein. Aber die Horrorszenarien, die im medialen Dauerfeuer an die Wand gemalt werden, bezeugen dann doch ein gewisses Maß an Realitätsverlust. Die Messstellen, an denen der Nitratgehalt im Grundwasser ermittelt wird, erfassen nämlich nur die oberflächennahen Schichten. Das Trinkwasser wird jedoch aus tieferen Schichten gewonnen, in denen der Nitratgehalt deutlich geringer ist, erklärt Faber. Dennoch: Jedes Milligramm Nitrat im Wasser ist eines zu viel. Wie die Landwirte zu einem effektiven Grundwasser- und Gewässerschutz beitragen können, erläutert der Behördenleiter am Beispiel der Demonstrationsbetriebe Binger in Mertingen und Naß in Huisheim.


Die in den Medien verbreitete Behauptung, dass das Trinkwasser wegen der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft künftig grundsätzlich aufbereitet werden muss und so erheblich teurer wird, hält Faber für überzogen. So befinden sich immerhin 193 von 256 bayerischen Grundwasserkörpern in einem guten chemischen Zustand und weisen eine nur geringe Nitratbelastung auf. Der chemische Zustand der übrigen 63 Grundwasserkörper müsse jedoch verbessert werden. Anders sieht es bei den Fließgewässern in Bayern aus. Nur 4 % sind als sehr gut und 36 % als gut eingestuft, doch 50 % erreichen lediglich einen mäßigen und 8 % einen unbefriedigenden Zustand. Deutschlandweit verfehlen dagegen 80 % der Oberflächengewässer und 32 % der Grundwasserkörper einen guten biologischen oder chemischen Zustand.
Um hier Abhilfe zu schaffen, macht die EU der Industrie und Landwirtschaft mit ihrer Wasserrahmenrichtlinie Feuer unter dem Hintern. Spätestens bis 2027 soll das Ziel biologisch und chemisch gesunder, naturnaher Gewässer und Grundwasserkörper flächendeckend erreicht sein. Als Daumenschrauben dienen die Ni­tratrichtlinie und Düngeverordnung, das Pflanzenschutzmittelgesetz, die verschiedenen Landeswassergesetze und die Greening-Auflagen. Aufgabe der Landwirtschaft ist es, die Einträge von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln deutlich zu reduzieren. Dabei setzt Bayern auf das Prinzip „Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht“, erklärt Faber. Wie lange sich dieser Grundsatz noch halten lässt, ist allerdings fraglich. Die Grünen und die Umweltschutzverbände erhöhen nämlich den Druck Richtung Ordnungsrecht.

 

Im Donau-Ries-Kreis ist viel rot eingefärbt

Gewässerschutz

Um den jeweiligen Zustand der Grundwasserkörper zu markieren, sind die deutschen Regionen in rote und grüne Gebiete eingeteilt (grün guter und rot schlechter chemischer Grundwasserzustand). Ein Blick auf die Bayernkarte verheißt für den Donau-Ries-Kreis nichts Gutes: Ein großer Teil der Landkreisfläche ist rot eingefärbt. In diesen Gebieten greift eine Zusatzklausel der Düngeverordnung, derzufolge die Länderregierungen die Auflagen zum Grundwasserschutz verschärfen können. Aus der Diskussion, ob die Messstellen, die mit ihren Ergebnissen über rot oder grün entscheiden, tatsächlich repräsentativ sind, hält sich Faber salomonisch heraus. „Die Wasserwirtschaftsämter richten ihre Messstellen sicher nicht willkürlich ein, jeder Standort wird seine Gründe haben.“
Als Beispiele für den freiwilligen „bayerischen Weg“ im Wasserschutz führt der Amtsleiter insbesondere das Kulap mit seinen finanziellen Anreizen für Gewässer- und Erosionsschutzstreifen, die Umwandlung von Acker- in Grünland, die extensive Grünlandnutzung oder den ökologischen Landbau an. Nachdem das Kulap noch einmal um 14,1 Mio. € aufgestockt wurde, können heuer insgesamt 112 Mio. € an Ausgleichsgeldern ausgereicht werden. Außerdem hat der Freistaat einen „Wasserpakt“ mit 14 Partnern geschlossen, zu denen neben der Staatsregierung, den Wasserversorgern und Kommunen auch der bäuerliche Berufsstand und verschiedene Verbände gehören. Die Anzahl der Wasserberater an den bayerischen ÄELF wird von 18 auf 35 erhöht, die Ämter für ländliche Entwicklung haben im Rahmen der „Initiative boden:ständig“ mehr als 40 umsetzungsorientierte Projektstellen eingerichtet. Die Forschung auf dem Gebiet des Wasserschutzes soll intensiviert und ein Schwerpunkt in der Aus- und Weiterbildung der Landwirte werden

100­ Betriebe mit Vorreiterrolle

Gewässerschutz

Und nicht zuletzt hat die Staatsregierung ein Netz von rund 100 Demonstrationsbetrieben aufgebaut. Dabei handelt es sich um bäuerliche Betriebe, die laut Faber „im Grundwasser- und Gewässerschutz mitziehen und eine Vorreiterrolle übernehmen“. Zwei dieser Betriebe liegen im Donau-Ries: Der Marktfruchtbaubetrieb von Nicole und Richard Binger in Mertingen und der Schweinemastbetrieb von Simone und Roland Naß in Huisheim. Beide sollen den Berufskollegen eine Plattform für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch über die gewässerschonende Landbewirtschaftung bieten und Anlaufstelle für Schulungen sein. Während sich die Familie Binger vor allem dem Grundwasserschutz verpflichtet hat, legt die Familie Naß ihr Augenmerk besonders auf den Schutz der Oberflächengewässer.
Nicole und Richard Binger bewirtschaften in der Donau-Lech-Ebene 104 ha Acker- und 4 ha Grünland. In der Weidesaison betreiben sie eine Pensionstierhaltung mit zehn Mutterkühen und eine Saatgutvermehrung. Die dreigliedrige Fruchtfolge umfasst Zuckerrüben, Winterweizen und -gerste oder Sommergetreide. „Unsere Flächen sind komplett arrondiert“, sagt Richard Binger. An sich eine gute Sache, doch im Fall Binger liegen die Flächen nahezu vollständig in einem Wasserschutzgebiet der Gemeinde Mertingen, 40 ha in Schutzzone 2. Das bedeutet, dass hier kein Wirtschaftsdünger ausgebracht werden darf. Um eine möglichst geringe Nitratbelastung im Grundwasser zu erreichen, führt Binger die Qualitätsdüngung beim Winterweizen bereits seit 20 Jahren nur eingeschränkt durch. „Dafür nehme ich Qualitätseinbußen in Kauf.“
Der Betrieb der Familie Naß, die „Pflegermühle“, liegt am östlichen Riesrand bei Huisheim. Seine Nutzfläche erstreckt sich auf 71 ha Acker- und 1 ha Grünland. In der viergliedrigen Fruchtfolge wird vor allem Futter für die 1000 Mastschweine erzeugt: Weizen, Gerste, Triticale und Mais. Die dank der Stroheinlage besonders artgerecht gehaltenen Schweine werden als Premiummarke über den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet. Um Gewässer, Boden und Klima zu schützen, hat Roland Naß insgesamt 6 ha Gewässerrandstreifen angelegt. Beim Maisanbau setzt er auf das Mulch-Direktsaatverfahren, den Wirtschaftsdünger bringt er im Injektionsverfahren bodennah auf den Ackerflächen aus. Zudem versorgt Naß seine Mastschweine mit nitrat- und phosphorreduziertem Futter.

Früher galt man noch als „Spinner“

Als der Huisheimer vor zehn Jahren seine Gewässerrandstreifen einrichtete, galt er manchen Berufskollegen noch als „Spinner“. Dabei hatte er sich lediglich Gedanken um einen effektiven Gewässerschutz gemacht, vier Fünftel seiner Nutzfläche liegen nämlich unmittelbar am Flüsschen Schwalb. Die Böden rund um Hui­sheim gehören nicht gerade zu den Spitzenböden, räumt Naß ein. Von daher tue er sich mit dem Verlust von 6 ha, die jetzt Pufferstreifen sind, gewiss leichter als Kollegen, die auf sehr guten Böden wirtschaften. „Aber ich wollte auch zu einem besseren Image der Landwirtschaft beitragen.“
Um die Landwirte in den Augen der Bevölkerung von „Wasser-Sündern“ zu „Wasser-Schützern“ zu machen, gibt es viele Wege. Wasserberater Kurt Eger-Benninger vom AELF Krumbach mit Dienstsitz am AELF Nördlingen zeigt sie auf: Der Königsweg, um das Grundwasser vor Stickstoffeinträgen zu schützen, ist natürlich der ökologische Landbau; infrage kommen aber auch die Umwandlung von Acker- zu Grünland, die Stilllegung von Flächen mit gezielter Begrünung, der Umbruch von Feldfutter nur im Frühjahr, der Zwischenfruchtanbau mit Einarbeitung erst im Frühjahr, die Mulchsaat und Direktsaat bei Reihenkulturen, eine ausgeglichene Nährstoffbilanz, eine gewässerschonende Fruchtfolge oder auch die Untersaat im Mais.
Bei der bedarfsgerechten Düngung hilft die Bedarfsermittlung für Stickstoff mittels Bodenuntersuchungen. Für den Wasserschutz am besten wäre freilich der Verzicht auf mineralischen und organischen Dünger, zumindest aber der Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger im Grünland. Viehhalter könnten ihren Gülleüberschuss abgeben, bei Hackfrüchten ließen sich stabilisierende Stickstoffdünger einsetzen. Einen wichtigen Beitrag kann auch die Ausbringung von flüssigen organischen Düngern auf Ackern erst nach der Ernte der Hauptfrucht nur vor Raps, Wintergerste und Zwischenfrüchten sein. Eger-Benninger fordert die Betriebe auf, ausreichend Güllelagerraum vorzuhalten, eine teilflächenspezifische Bewirtschaftung anzuwenden und sich beim Wasserschutz umfassend beraten zu lassen.
In der Beratung kann der Landwirt von Eger-Benninger beispielsweise erfahren, wie der chemische Zustand von Grundwasserkörpern beurteilt wird. Nach der Wasserrahmenrichtlinie befindet sich das Grundwasser in einem guten chemischen Zustand, wenn die EU-weiten Qualitätsnormen eingehalten werden. Das heißt: höchstens 50 mg Nitrat pro Liter Wasser, maximal 0,1 µg eines einzelnen Pflanzenschutzwirkstoffs oder höchstens 0,5 µg/l in der Summe der Pflanzenschutzwirkstoffe. Weitere Güteparameter mit bundeseinheitlichen stoffbezogenen Schwellenwerten sind die Gehalte an Arsen, Cadmium, Blei oder Quecksilber.
Neben den genannten Maßnahmen zum Grundwasserschutz empfiehlt der Berater weitere Maßnahmen zum Schutz der Oberflächengewässer vor Nährstoff- und Bodeneinträgen: die Verkürzung von Hanglängen, die Anlage von Gewässerrandstreifen und von begrünten Abflusswegen in Geländemulden sowie die Bewirtschaftung quer zum Hang. Beim Düngen sollten die Bauern mindestens 5 m Abstand zu Gewässern halten. Für die Gülleausbringung bieten sich das Schleppschuh- oder Injektionsverfahren an.

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