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Betriebsentwicklung

Betrieb mit Augenmaß entwickelt

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Toni Ledermann
am
08.10.2018

Neues Melkkarussell für 20 Kühe zu sehen beim Betrieb Kreuzer, Germaringen

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Germaringen/Lks. Ostallgäu Nicht immer ist es möglich oder notwendig auszusiedeln, um den nächsten Schritt einer Betriebsentwicklung umzusetzen. Eine Lösung: An den bestehenden Stall wird ein Neubau „angedockt“. Dies geht natürlich nur, wenn Erweiterungsmöglichkeit unmittelbar gegeben sind. So wie bei Familie Kreuzer in Germaringen. Bei einem Tag der offenen Tür konnten interessierte Landwirte und Städter den neuen, mit einem innovativen 20er-Melkkarussell ausgestatteten Neubau begutachten.

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1986 hatte der heutige Seniorchef Lorenz Kreuzer, ehemaliger Vorsitzender des Holstein-Zuchtverbandes Schwaben, einen Boxenlaufstall mit Melkstand für 50 Kühe errichtet. 1997 erfolgte der Ausbau auf 75 Kühe und 70 Stück Jungvieh. Doch mit den Jahren waren der bestehende Stall sowie die Melktechnik nicht mehr auf dem Stand der Technik. Es fehlte auch an Platz für die Trockensteher und im Abkalbebereich.
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Und so reifte bei der Familie der Entschluss neue Wege zu gehen und den Familienbetrieb weiterzuentwickeln. Gemeinsam hat man sich schließlich für einen Boxenlaufstall mit insgesamt 95 Plätzen für laktierende Kühe und zwölf Plätze im Trockensteherbereich entschieden. Derzeit stehen 75 Stück Milchvieh in dem dreireihigen Stall.
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Direkt angebaut ist das neue Melkhaus mit einem 20/24er-Melkkarussell Xpedia 360I X von BouMatic. Vor allem das Karussell stand dann auch im Mittelpunkt des Interesses bei den bäuerlichen Besucherinnen und Besuchern. Es ist laut Vertriebsfirma das weltweit einzige Karussell, das von hinten melkt. Diese Plattform kombiniere die Vorteile von Parallel-, Fischgrät- und Tandemmelkständen und sorge für äußerst entspanntes Melken und ermöglicht schnelles Betreten und Verlassen. Außerdem seien der Komfort und die Sicherheit für Kühe und Melker gleichermaßen hervorragend. Dieses System gibt es in Ausführungen von 16 bis 40 Plätzen. Wesentlicher Vorteil: Melkzeit und etwaige Lohnkosten werden deutlich reduziert.

Familie setzt
ein Signal pro Milch

Dieser Neubau soll auch ein Signal sein, dass die Familie von einer Zukunft mit der Milch überzeugt ist, sagt Betriebsleiter Sebastian Kreuzer: „Milch ist ein wertvoller Rohstoff und ich hoffe, dass der Erzeugerpreis auf ein gutes Niveau steigt.“ Kalkuliert hat die Familie die Baukosten mit einem Milchpreis von 34 bis 35 ct pro Kilogramm Milch.
An so einem Tag könne man auch mal klarstellen, dass die Landwirtschaft nicht immer als Sündenbock für alle Umweltsünden herangezogen werden soll, sagt Kreuzer, „im Gegenteil, wir produzieren wertvolle Nahrungsmittel und tragen dazu bei, dass die Landwirtschaft gepflegt und erhalten wird. Deshalb sollte der Landwirtschaft mehr Respekt entgegengebracht werden.“ Strom und Wärme für das Melken und Reinigen liefert die hofeigene Biogasanlage mit 275 kW. Umweltfreundlich ist auch die hofeigene, 100 m³ fassende Regenwasserzisterne. Das Wasser wird zum Reinigen des Melkstandes genutzt.
Bewirtschaftet wird konventionell und ohne Kulap eine Gesamtfläche von 62 ha Land, davon sind 22 ha gepachtet. Die Dauergrünlandfläche beträgt 30 ha, der Rest sind Mais, Gerste, Triticale und Kleegras.
Für die Biogasanlage werden Mais, GPS und der erste Schnitt Blum von etwa 45 ha Fläche zugekauft. Die Nährstoffe werden als Gärrest an Landwirte im Dorf oder an solche, die sich maximal 4 km um Germaringen herum befinden, zurückgeliefert.
Die Milchleitsung der Holstein-Herde liegt zwischen 10 000 und 11 000 kg bei 4 % Fett und 3,40 Eiweiß . Der Zellgehalt befindet sich im Jahresdurchschnitt bei 100 000. Die durchschnittliche Lebensleistung der Schwarzbunten liegt bei 40 000 kg Milch, die hier im Schnitt etwa 4,8 Jahre alt werden. Die Milch vom Betrieb Kreuzer geht zweitägig an die Molkerei Gropper.

Zum Bestand gehören 60 Stück Jungvieh, von denen 30 Tiere auf einem Aufzuchtbetrieb ausgelagert sind. Die Vermarktung der Färsen und Kälber erfolgt ab Hof über den Zuchtverband SRB. Das Schlachtvieh wird über die EG Allgäu-Kaufbeuren vermarktet.

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