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Betriebe mit Anbindehaltung sind besorgt

Kleiner Laufstall
BBV-Kreisverband Oberallgäu
am
08.01.2018

Kommt ein Verbot hätte das gravierende Folgen für die Allgäuer Landwirtschaft. Der BBV-Kreisverband Oberallgäu hat deshalb Informationsveranstaltungen zum Thema organisiert.

Vor dem Hintergrund der Diskussionen in der Öffentlichkeit rund um die Anbindehaltung lud der BBV-Kreisverband Oberallgäu alle Anbindehalter nach Stein bei Immenstadt ein.

Kreisobmann Alfred Enderle gab eingangs einen kurzen Überblick über die aktuelle Lage. Demnach sind von politischer Seite her die Diskussionen rund um die ganzjährige Anbindehaltung vom Tisch. Dennoch brodelt es, da einige Lebensmitteleinzelhändler Druck auf die Molkereien ausüben. Deren Wunsch sei es, dass keine Milch mehr vermarktet werden soll, die von Kühen aus ganzjähriger Anbindung stammt. Das entspreche auch den Forderungen einiger Tierschutzorganisationen, die dieses Vorgehen unterstützen.

Schritt zum Laufstall für viele nicht möglich

Anbindehaltung

Der gute Besuch der Veranstaltung zeigte, dass die aktuelle Entwicklung unter den Nägeln brennt. Der Bauernverband nutzte die Möglichkeit und wollte von den rund 150 anwesenden Landwirten direkt erfahren, wie sie die aktuelle Situation und ihre Zukunft sehen. Wie zu hören war, ist es vielen Betrieben aus verschiedenen Gründen nicht möglich, den Schritt Richtung Laufstall zu gehen. Hauptgründe sind meist fehlender Platz, finanzielle Mehrbelastung und die bessere Tierkontrolle im Anbindestall.

Falls es zu einem Verbot oder zu einer Einschränkung der Anbindehaltung käme, würde der Großteil der Betriebe die Tore schließen. Dies wäre sowohl für die landwirtschaftliche Struktur im Allgäu als auch für Natur und Umwelt ein herber Verlust.

Gerade die kleinbäuerliche Struktur im Allgäu lebt von der Vielfalt und jedem einzelnen Betrieb. Gerade viele der oft kleineren Betriebe nehmen an Vertragsnaturschutzprogrammen teil. Darüber hinaus bieten die meisten Anbindehalter Weidegang für ihre Tiere an. Auch die Älpung der Kühe, aber vor allem der Jungrinder, ist weit verbreitet.

Anbindehaltung nicht verteufeln

Vor allem wünschen sich die Landwirte eine positivere Darstellung der Anbindehaltung. Hier werde ihrer Meinung nach zu einseitig berichtet. Die Erfahrung einiger Direktvermarkter zeige auch, dass der Kunde diese Form der Haltung durchaus mitträgt, wenn er weiß, dass es den Tieren gut geht. Dabei spiele vor allem der Weidegang eine bedeutende Rolle.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, auch im Anbindestall das Tierwohl zu verbessern. Dies könnten sich viele Landwirte gut vorstellen, wenn es dafür Fördermöglichkeiten gäbe. Damit die Akzeptanz für die Anbindehaltung steigt, wären viele Landwirte bereit, ihre Betriebe zu entwickeln. Ein Schwerpunkt wäre etwa die Schaffung von Bewegungsmöglichkeiten für Kühe und Trockensteher. All diese Überlegungen wurden bereits in den Berufsverband eingespeist und mündeten nicht zuletzt in einem Positionspapier des Bayerischen Bauernverbandes zur Anbindehaltung in Bayern.

Fördermöglichkeiten: Zwei Varianten

Liegehalle für Rinder

Welche Möglichkeiten es zur Weiterentwicklung der Anbindeställe gibt, wurde an einem zweiten Infoabend geklärt. Anfangs stellten Gundula Geißler und Benedikt Kuhn vom AELF Kempten die aktuelle Bauförderung vor. Dabei gibt es zwei verschiedene Varianten.
Eine schnelle und unkomplizierte Förderung ist mit dem neuen Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL) möglich. Allerdings sind die Fördersummen nicht sehr hoch und reichen meist nur für kleinere Umbauten. Stallbauten werden in dem Programm bis maximal 150.000 € Nettokosten mit maximal 25 % gefördert. Wichtig ist auch, dass nur Betriebe mit höchstens 25 Milchkühen im Ist-Betrieb die Förderung in Anspruch nehmen können.

Will man einen Schritt weiter gehen, kommt man nicht um das Agrar­investitionsförderprogramm (AFP) herum. Hierbei muss vor allem mehr Zeit für die Antragstellung eingeplant werden. Außerdem gibt es im Jahr 2018 drei Auswahlrunden, in denen bestimmt wird, wer Förderungen bekommt. Die Fördersätze für Bauvorhaben belaufen sich auf 25 %, bei Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise sogar auf 30 %. Es werden Nettobaukosten von maximal 400.000 € gefördert, woraus eine Fördersumme von maximal 100.000 € bzw. 120.000 € (Umstellung Bio) resultiert. Die Bewirtschaftungsauflagen müssen zwölf Jahre lang eingehalten werden. Nähere Auskünfte über Fördermöglichkeiten gibt das zuständige Amt für Landwirtschaft.

Tierkomfort steigern muss nicht teuer sein

Im Weiteren zeigte der LKV-Berater Josef Wiedemann auf, mit welchen, zum Teil einfachen Mitteln, das Tierwohl im Anbindestall verbessert werden kann. Denn auch dort gilt: Viel Licht, Luft und Wasser steigern das Wohlbefinden der Tiere. Will man mehr Bewegungsfreiheit für die Kühe schaffen und etwa Standlänge und -breite verbessern, kommt man meist nicht an größeren Umbaumaßnahmen vorbei. Vorteilhaft ist für Wiedemann vor allem regelmäßiger Auslauf für die Tiere, am besten Weidegang. Ist dies nicht möglich, sollte seiner Meinung nach ein Laufhof in Betracht gezogen werden. Damit ist auch der Auslauf in den Wintermonaten

Beispiele aus der Praxis besichtigt

Zuletzt organisierte der Kreisverband eine Lehrfahrt zu Betrieben, die in den letzten Jahren den Weg von der Anbindehaltung in den Laufstall gegangen sind. Bei den gezeigten vier Betrieben reichte die Spanne vom Umbau des Anbindestalls mit Fressliegeboxen über Anbauten an das bisherige Altgebäude bis hin zu neuen separaten Bauten wie z. B. einer Liegehalle.

Die Beispiele zeigten, dass zum Teil mit geringen finanziellen Mitteln schon viel erreicht werden kann. So reichte das Spektrum der Baukosten je Kuhplatz von rund 1.500 bis zu 4.000 €. Jeder der gezeigten Betriebe hat einen Weg für sich gefunden, eine Laufstalllösung umzusetzen, auch ohne große Baulösung auf der grünen Wiese.

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