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Schäden durch Biber

Biberloch: Polizei sperrt Feldweg

Biberloch
Toni Ledermann
am
17.10.2017

Dillishausen/Lks. Ostallgäu - Die Landwirte klagen über eine Felderentwertung. Die Gemeinde beantragt die Entnahme des Bibers.

„Wir sperren den Feldweg. Es ist einfach zu gefährlich, ihn weiterhin zu befahren“, sagt ein Polizeibeamter aus Buchloe, nachdem er das frisch entstandene Loch über einem Bibergang in einem Feldweg parallel zur Salach begutachtet hatte.
Kurz bevor sich der Dillishauser Landwirt Georg Lochbrunner zum Termin mit Unser Allgäu trifft, bemerkt er zusammen mit seinem Berufskollegen Josef Völk zufällig ein Biberloch auf dem Wirtschaftsweg, der entlang der Salach verläuft, und verständigt die Polizei. Nicht auszudenken, wenn sich hier Traktoren, Autos, Radfahrer, Reiter oder Jogger in dem 70 cm tiefen Loch verfangen hätten. Schwere gesundheitliche Schäden und schwerwiegende Schäden an den Maschinen wären vermutlich die Folge gewesen.

Biberloch: Auto mit Achsbruch

Biber zerstört Feldweg

Lochbrunner leidet schon länger unter den Machenschaften der Biber. Selbst ist er auch schon mit seinem Auto in solch ein Biberloch geraten. Der Schaden war so gewaltig, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnte. Besonders erbost ist er auch darüber, dass die Felder entlang der Moosgräben immer mehr vernässen, weil die Biber hier konsequent Staustufen errichten.

Dabei lassen sich die Biber auch nicht von Eingriffen von außen aufhalten. Bei der Begehung zeigte Lochbrunner große Haufen von altem Holz, Maisstängeln und Zweigen, die Gemeindearbeiter erst vor zwei Tagen aus dem Bach geholt hatten, um die Vernässungen zu verhindern. Aber inzwischen war schon wieder ein ansehnlicher Biberdamm entstanden!
Aufgrund der immer wieder auftretenden Verwässerung des Ackers überlegt jetzt auch die Grundbesitzerin, Schadenersatzansprüche zu stellen. Durch den Rückstau wird das Wasser immer mehr nach oben gedrückt und breitet sich in der Fläche aus. In der Folge gibt es Probleme bei der Ernte. Lochbrunner zeigt tiefe Reifenspuren auf einem solchen Acker. Die Maschinen sind bei der Maisernte bis zu den Achsen im aufgeweichten Untergrund eingesunken und mussten mit großem Aufwand wieder herausgezogen werden.
Die bisher an den Feldwegen entstandenen Biberlöcher wurden von den Gemeindearbeitern immer wieder verfüllt. Trotzdem hat Lochbrunner Grund sich zu ärgern, denn der Achsbruch an seinem PKW wurde bisher durch die gemeindliche Unfallversicherung nicht erstattet.

Landsratsamt seit langem informiert

Biber zerstört Feldweg

Der frühere Bürgermeister von Lamerdingen, zu dem Dillishausen, Kleinkitzighofen und Großkitzighofen gehören, Hanspeter Eberhardt, ist mit Georg Lochbrunner befreundet. Er berichtet vor Ort, dass er, nachdem er nicht mehr im Amt war, schon 2013 das Landratsamt schriftlich aufforderte, sich hier um Schadensbegrenzung zu kümmern.
Lochbrunner und Völk jedenfalls  hoffen, dass jetzt endlich was passiert und man das Treiben des Bibers unterbindet. Völk sagt, was alle denken: Muss erst ein schweres Unglück passieren, bis endlich etwas unternommen wird? Das Auslegen von Gittern entlang der Bäche sei jedenfalls keine Lösung. Dies hätte gewaltige Kosten zur Folge und auch für das Landschaftsbild sei das nicht gerade gut.

Eberhardt berichtete davon, dass sich bei einer kleineren Kiesgrube in der Nähe der Moosgräben vor vielen Jahren die ersten Biber angesiedelt haben. Die dort im Rahmen der Renaturierung gepflanzten Bäume hat der Nager zum großen Teil wieder beseitigt. Er ist deshalb der Meinung, dass an den Bächen und Gewässern keine Bäume mehr nachgepflanzt werden sollen. Stattdessen sollten an diese Plätze Sträucher, damit den Bibern irgendwann der „Nachschub an Nahrung“ ausgeht.

Gefahr für Leib und Leben

Biber zerstört Feldweg

Darauf können Bauer Lochbrunner und seine Berufskollegen hier und an vielen weiteren Bachläufen im Allgäu verständlicherweise nicht warten. Er ist klipp und klar dafür, die Biber zu entfernen. Sie seien mittlerweile zu einer Gefahr für Leib und Leben geworden. Lochbrunner weiter: „Auch wenn dies letztlich den Tod der Biber bedeutet. Das Wohl der Menschen, unsere Arbeit auf den Feldern und der Wert der Grundstücke sind wichtiger!“

Darauf gibt es auch eine Reaktion. Bei der Gemeinde liegt in Sachen Biber folgende Stellungnahme von Bürgermeister Konrad Schulze vor: „Aufgrund der Dauerschäden an Ortsverbindungs- und Wirtschaftswegen entlang an den gemeindlichen Bächen werden wir die Dauerentnahme (was immer das heißt) beim Landratsamt fordern. Sollte ein Abschuss genehmigt werden, bleibt noch, einen Jäger zu finden, der das übernehmen kann.“

Doch offenbar muss für eine „Biber­entnahme“ beim Landratsamt ein „dickes Brett gebohrt“ werden. Auf Nachfrage erhielt Unser Allgäu folgende Antwort der zuständigen Sachbearbeiterin Sandra Trautmann von der Unteren Naturschutzbehörde: „Der Landkreis arbeitet seit einigen Wochen an einer konstruktiven Lösung. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben sind das Präventivmaßnahmen. Der im Auftrag des Landkreises ehrenamtlich tätige Biberberater, Gerhard Northemann, hat bereits am 13. September ein Gespräch mit Georg Lochbrunner geführt.“ Weiter heißt es: „Am 29. September 2017 hat er die Sachlage vor Ort bewertet. Er hat empfohlen, Gitter anzubringen, um Grabungstätigkeiten von Bibern zu verhindern. Zudem hat er die regelmäßige Entfernung von Biberdämmen empfohlen und genehmigt.“
Lochbrunner verweist in diesem Zusammenhang einmal mehr da­rauf, dass Gitter „unschön und teuer“ sind. Sie helfen nicht dabei, die Biber am Bauen weiterer Staudämme zu hindern. „Unsere Felder werden weiter vernässt werden.“

Landratsamt verweist auf die Gesetzeslage

Und das Landratsamt Ostallgäu setzt noch eins drauf und erinnert an die Vorschriften: „Der Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt. Als Folge des Schutzstatus, gelten verschiedene Zugriffs-, Besitz- und Vermarktungsverbote, unter anderem das Verbot, Biberburgen und -dämme zu zerstören. Ein Abfang darf nach geltender Rechtslage bei Bestehen einer konkreten Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder bei einem drohenden erheblichen Schaden genehmigt werden. Ansonsten sind Präventivmaßnahmen anzuwenden.“

Dass Bürgerinnen und Bürger oder Technik durch ein Biberloch extrem gefährdet werden, sieht diese Behörde nicht so gravierend wie die tatsächlich Betroffenen: „Ein beschädigter Feldweg oder ein Aufstau durch Biberdämme begründen für sich genommen keine Abfanggenehmigung. Es kann in vorliegendem Fall weder eine konkrete Gefährdung der öffentlichen Sicherheit noch ein erheblicher (drohender) wirtschaftlicher Schaden erkannt werden, sodass aufgrund der Rechtslage ein Abfang der Biber nicht genehmigt werden kann. Die Fachstelle im Landratsamt als auch der zuständige Biberberater stehen bei Bedarf für weitere Gespräche oder Vororttermine gerne zur Verfügung.“

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